Kaffeepreis auf 18-Monatstief, aber nicht im Handel

Kaffeepreis auf 18-Monatstief, aber nicht im Handel

Kaffeebohnen sind derzeit so billig wie schon lange nicht mehr.

Ertragreiche Ernten und volle Lager drücken den Preis für Rohkaffee: Derzeigt liegt der Preis für ein Pfund Arabica bei 1,18 US-Dollar - ein 18-Monatstief. Doch die Konsumenten spüren davon meist nichts, da Händler den Preisvorteil nicht weitergeben.

Die Österreicher lieben das Kaffeehaus und ihren Kaffee. Im Durchschnitt trinkt jeder Österreicher 8,3 Kilogramm Kaffee pro Jahr - das ist weit über dem europäischen Durchschnitt von 4,9 Kilogramm. Angesichts dieser Beliebtheit könnte man sich über die Nachricht freuen, dass der Preis für Rohkaffee so niedrig wie seit eineinhalb Jahren ist. Ein Pfund Arabica wird derzeit um 1,18 US-Dollar gehandelt, das 52-Wochen-Hoch lag bei 2,25 US-Dollar.

Der Höchststand der letzten 5 Jahre lag im Jahr 2011 bei über 3 US-Dollar je Pfund. Neben den vollen Lagern in den wichtigsten Arabica-Anbauländern Brasilien und Kolumbien trägt auch der Verfall der brasilianischen Währung Real gegenüber US-Dollar und Euro zum niedrigen Kaffeepreis bei.

Im vergangenen Jahr stiegen die Rohkaffee-Preise infolge einer Trockenheit im wichtigsten Anbauland Brasilien kräftig an. Doch während Kaffeehausketten und Händler mit dem Weitergeben gestiegener Rohstoffpreise meist recht schnell sind, gehen den umgekehrten Weg nicht viele. Österreich importierte 2014 rund 1,6 Millionen Kaffeesäcke zu je 60 Kilogramm. Drei Viertel davon wurden laut Kaffeeverband hierzulande konsumiert, der Rest ging wieder in den Export.

Zum Vergleich: Brasilien, der größte Kaffeeproduzent der Welt, erzeugte im vergangenen Jahr 45,3 Millionen Säcke Rohkaffee zu je 60 Kilogramm.

Wenig erstaunlich: Die Österreicher trinken ihren Kaffee am liebsten zum Frühstück.

In Österreich wird Kaffee vorerst nicht billiger

Der deutsche Tchibo-Konzern hat den Kaffeepreis allerdings bereits Anfang September gesenkt. Sorten der Marke Tchibo wurden im Nachbarland um 30 Cent pro 500 Gramm günstiger, Espresso verbilligte sich um 1 Euro je Kilogramm.

In Österreich will Tchibo/Eduscho im letzten Quartal über eine Preissenkung nachdenken, kündigte Österreich-Chef Harald Mayer kürzlich an. "Wir haben auch die Veränderungen der Rohkaffeepreise festgestellt und werden diese weiterhin sehr genau beobachten", sagte Unternehmenssprecherin Manuela Schneider Ende August.

Bei der Handelskette Spar ändert sich bei den Kaffeepreisen vorerst nichts. Es sei weder eine Erhöhung noch eine Senkung in Sicht, bei keiner der Marken, so eine Sprecherin. Bei Rewe (Billa, Merkur usw.) will man sich zu Preisen aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht äußern, hieß es. Von der amerikanischen Kaffeehauskette Starbucks war dazu keine Stellungnahme zu erhalten.

Kaffee zählt zu den wichtigsten gehandelten Rohstoffen der Welt. Zu den größten Kaffeeproduzenten gehören Brasilien, Vietnam, Kolumbien, Indonesien, Äthiopien und Indien. In Summe exportieren die Anbauländer jährliche über sechs Millionen Tonnen Kaffeebohnen. Angaben der International Coffee Organization (ICO) summierte sich der Kaffeeexport im Jahr 2013/14 auf knapp 20 Milliarden US-Dollar (17,7 Milliarden Euro).

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