Prinz Philipp: "Nichts ist so wichtig wie Wettbewerb“

Prinz Philipp: "Nichts ist so wichtig wie Wettbewerb“

Prinz Philipp von und zu Liechtenstein (links) im Gespräch mit Thomas Martinek

Prinz Philipp von und zu Liechtenstein spricht im Interview mit FORMAT-Redakteur Thomas Martinek über die Probleme eines kleinen Landes in einer globalisierten Welt, die Aufgabe des Staates und das Ende der Steueroase.

FORMAT: Wo sehen Sie als Vertreter eines Nicht-EU-Staates die Ursachen für die Probleme der Europäischen Union mit Griechenland?
Prinz Philipp: Es stellt sich grundsätzlich die Frage, ob eine Währungsunion eine gute Idee ist. In den letzten 100 Jahren sind über 100 Währungen verschwunden. Also ungefähr eine pro Jahr. Da gibt es bei mir eine gewisse Skepsis gegenüber Währungsunionen. Und ich bin nicht der Einzige.

Aber Sie haben ja auch eine Währungsunion mit der Schweiz. Eine einheitliche Währung erleichtert den Warenverkehr.
Prinz Philipp: Es ist schwer denkbar, dass man die gleiche Währungspolitik für sehr unterschiedliche Wirtschaftsräume hat. Griechenland ist nicht das Gleiche wie ein Land aus dem Herzen Europas oder ganz besonders Deutschland. Die Staaten im Süden Europas hatten immer die Möglichkeit, in verschiedenen Abständen ihre Währung abzuwerten, um weiterhin konkurrenzfähig zu sein.

Das macht die Europäische Zentralbank mit dem Euro auch gerade. Und die USA haben durch die gleiche Maßnahme jahrelang ihre Wirtschaft gestärkt. Zweifeln Sie an dem Erfolg der Liquiditätspolitik der Notenbanken?
Prinz Philipp: Ich möchte das mit einem aktuellen Beispiel beantworten. In Texas hat der Senat gerade ein bemerkenswertes Gesetz verabschiedet. Demnach wird physisches Gold im Wert von über einer Milliarde US-Dollar von der Fed abgezogen und nach Texas gebracht. Dann ist Geld in Form von realem Gold da. Also nicht nur ein Papier, wo irgendein Wert draufsteht. Bemerkenswert, oder?

Der US-Wirtschaft hat das Quantitative Easing der Fed aber geholfen. Und auch die EU ist dadurch auf dem Weg der Erholung.
Prinz Philipp: Diese Flut an Geld wird ja nur elektronisch gedruckt. Man muss sich vorstellen, was geschieht, wenn das beendet wird. Dann gehen die Zinsen dramatisch hinauf.

In Liechtenstein liegt auch viel Geld und Gold in den Safes. Aber welche Vorteile haben Ihre Bürger im Vergleich zur EU?
Prinz Philipp: Ganz wichtig ist für uns das Prinzip der Subsidiarität. Das heißt, die Entscheidungen sollen dort gefällt werden, wo es die Menschen betrifft. Liechtenstein kann weitgehend selbst über seine Ausgaben entscheiden und die Höhe der Steuern festsetzen. Die Steuern sollten möglichst vor Ort erhoben werden. Das ist transparenter. Zweitens kennen wir die direkte Demokratie, wie die Schweiz, da können die Bürgerinnen und Bürger direkt Einfluss nehmen.

Mit der österreichischen Bundesregierung wurde 2013 auch ein Abkommen zu mehr Transparenz bei Steuerflüchtlingen getroffen. Warum hat es nicht das erhoffte Ergebnis von 500 Millionen, sondern nur 300 Millionen Euro für die österreichische Staatskasse gebracht?
Prinz Philipp: Wir hatten nicht so viele österreichische Kunden, wie offenbar vermutet wurde. All jenen, die noch nicht versteuerte Gelder in Liechtenstein hatten, bot das Abkommen eine optimale Lösung, um ihre Steuerverpflichtungen zu regeln.

=> Lesen Sie das komplette Interview in FORMAT Nr. 25/2015
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Festung für Vermögen

Das Fürstentum an der Grenze zu Vorarlberg ist mit einer Fläche von 160 Quadratkilometern kleiner als seine Besitzungen in Österreich (200 Quadratkilometer). Der Kleinstaat ist eng mit der Schweiz verbunden und galt lange Zeit wegen seines strengen Bankgeheimnisses als bedeutender Finanzplatz und Steueroase. 2013 wurde das Bankgeheimnis aufgehoben und mit mehreren Ländern (auch Österreich) ein Informationsaustausch vereinbart.

Zur Person

S. D. Prinz Philipp von und zu Liechtenstein ist der zweitgeborene Sohn von Fürst Franz Josef II. und Fürstin Georgina von Liechtenstein.
Er ist der Bruder des regierenden Fürsten von Liechtenstein, Hans-Adam II. Prinz Philipp ist Präsident des Stiftungsrates der Stiftung Fürst Liechtenstein, die Eigentümer der fürstlichen Besitztümer ist.
Dazu zählt auch die LGT Bank, der größte private Vermögensverwalter der Welt. Die LGT Bank hat auch Niederlassungen in Wien und Salzburg.

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