Vermögen wird neu verwaltet

Vermögen wird neu verwaltet

Prominente Rochaden in den Führungsetagen, Eigentümerwechsel und neue Trends in der Veranlagung prägen Österreichs diskrete Privatbanken.

Österreichs Private-Banking-Landschaft ist in Bewegung. Prominente personelle Rochaden haben stattgefunden, die einstige Kirchenbank Schelhammer &Schattera erhielt einen neuen Eigentümer. Und auch bei den Angeboten und Dienstleistungen für die höchst anspruchsvolle Klientel stehen Neuerungen auf dem Programm. Sowohl bei den Strukturen als auch bei der Beziehung zu den Kunden gibt es Veränderungen. "Wir erleben gerade einen Generationenwechsel bei den vermögenden Privatkunden", sagt Christian Ohswald neuer Vorstandssprecher des Asset &Wealth Management der Deutschen Bank in Österreich.

Neue Topmanager. Ohswald als neuer Leiter der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank in Österreich ist ein prominentes Beispiel für die Rochaden an der Spitze der heimischen Private-Banking-Szene. Seit Jahren stand er on top der Private-Banking-Abteilung von Raiffeisen.

Doch zu Jahresbeginn kam es zu einem spektakulären Wechsel. Bernhard Ramsauer, jahrelang das prominente Aushängeschild in der Führung der Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank, verließ das Unternehmen. Und Ohswald folgte ihm nach. Seit April steht Ramsauer aber an der Spitze der Semper Constantia Privatbank. Die einstige Bank des Industriellen Herbert Turnauer steht jetzt mehrheitlich im Besitzt von Hans Peter Haselsteiner und Erhard Grossnigg. Nun zählt auch Ramsauer zu den Miteigentümern der gediegenen Privatbank, die rund zehn Milliarden Euro an Kundenvermögen verwaltet. Aber wenn es nach den Usancen der Branche geht, werden es bald mehr sein. Denn im Private Banking ist das Vertrauen der Kunden zu ihren in finanziellen Belangen erfolgreichen persönlichen Beratern sehr groß. Also dürfte wohl ein Teil jener vermögenden DWS-Kunden, die zu Ramsauer ein gutes Verhältnis haben, ihn auf seinem Weg weiterhin begleiten.

Semper Constantia: Mit neuer Führung auf Expansionskurs

Was wohl genauso für den neuen Private-Banking-Leiter des Private Wealth Managements der Deutschen Bank in Österreich gilt. Vier Milliarden Euro verwaltet die Tochter derzeit. Und sicherlich einige, die sich durch Christian Ohswald in der Verwaltung ihres Vermögens bei Raiffeisen gut beraten fühlten, werden ihm in ihren Geldangelegenheiten weiterhin die Treue halten. Und er kann ihnen dort eine sogar noch intensivere Palette an Investmentmöglichkeiten bieten. Ohswald hat Erfahrung in der diskretionären Vermögensverwaltung, bei der Kunden nach Festlegung der wesentlichen Risiko-und Strategieparameter alle weiteren Entscheidungen in die Hand des Asset Managers legen. Denn genauso, wie das Raiffeisen Private Banking mit der Raiffeisen Capital Management über eine eigene Fondsgesellschaft verfügt, steht Ohswald nun mit der DWS eine Kapitalanlagegesellschaft zur Verfügung, die nicht nur über eine extrem breite Investment-Palette verfügt, sondern deren Fonds auch in vielen Bereichen zu den besten ihrer Klasse zählen.

Deutsche Bank: Vermögensverwaltung für neue Generationen

Ohswald: "Wir können unseren Kunden sowohl durch die Vielfalt an Fonds und die große Expertise unserer Analysten eine extrem professionelle Veranlagung bieten und durch die Bedeutung der Deutschen Bank auch darüber hinausgehende ganz individuelle Möglichkeiten. Wenn wir beispielsweise höchst exklusive Veranstaltungen machen, bei denen man mit Vorständen großer internationaler Konzerne wie etwa Siemens, der Deutschen Telekom oder anderen großen Unternehmen reden kann, ist das schon ein besonderes Erlebnis."

Aber nicht nur zu bedeutenden Wirtschaftskapitänen können die Private-Banking-Kunden der Deutschen Bank in Österreich hautnahen Kontakt haben. Auch wenn sie Fragen zu ihren Veranlagungen haben, werden sie live mit den Experten in aller Welt verbunden und erhalten Informationen aus erster Hand.

Beim Private Banking der Bank Austria wird der Kundenkontakt auf eine ganz besondere Art gepflogen. Denn immer mehr Vermögende wollen zwar die Erfahrung der Asset Manager nutzen, aber auch ihr eigenes Wissen bei der Veranlagung einsetzen. Für diesen Wunsch nach aktiver Mitgestaltung bei der Vermögensverwaltung hat die Bank Austria in ihrem Private Banking ein eigenes Beratungskonzept entwickelt. Robert Zadrazil, Vorstandssprecher Private Banking bei der Bank Austria: "Wir bieten Kunden, die gerne die Letztentscheidung über ihre Veranlagung haben wollen, unser neues Beratungsmodell Univers an." Dabei erstellen sie ihr eigenes Portfolio und können das mit einem Referenzportfolio, das die Asset Manager der Bank-Austria-Private-Banking-Abteilung nach ihrer Marktmeinung und für die jeweilige Risikoneigung entwickelt haben, vergleichen.

Bank Austria: Beratung für Selbstentscheider in Vermögensfragen

Meist nehmen aber all jene, die sich selbst in der Vermehrung ihres Vermögens versuchen, die Vorschläge der Experten - zumindest nach einer gewissen Probierphase - gerne an. Denn Untersuchungen haben gezeigt, dass die Selbstverwalter ihres Kapitals nach einiger Zeit signifikant gefährlichere Veranlagungen eingehen, als sie zunächst bei der Festlegung ihrer Risikobereitschaft angegeben haben. Der Grund ist einfach: Die Performance der eigenen Investmententscheidungen fällt rasch hinter die Benchmarks zurück, und so nimmt man plötzlich selber mehr Risiko in Kauf, um beim Ergebnis wieder aufzuholen.

Die Schoellerbank empfiehlt ihren Private-Banking-Kunden zwar auch, im derzeitigen Niedrigzinsumfeld das Risiko einer höheren Aktienquote einzugehen, aber nur in Absprache mit ihren Beratern. Franz Witt-Dörring, Vorstandssprecher der Schoellerbank: "Wir haben unsere Kunden schon vor einigen Jahren erfolgreich davon überzeugen können, dass auch bei einer konservativen Veranlagungsstrategie ein größerer Aktienanteil im Portfolio wichtig ist." Selbst Kunden der Schoellerbank, die früher nur Anleihen im Portfolio haben wollten, stehen jetzt zur teilweisen Veranlagung in Aktien.

Schoellerbank: Fonds mit ausgezeichneter Performance

Bei der Erste Bank ist Wolfgang Traindl, Leiter des Private Bankings, um einen betont sicherheitsorientierten Kurs bei der Vermögensverwaltung bemüht. Sicherheit und Kapitalerhalt stehen im Private Banking der Erste Bank an oberster Stelle. Traindl: "Unseren Kunden ist primär wichtig, dass ihr Geld nicht verloren geht. Und darauf bauen wir unsere Veranlagungsstrategie auf."

Erste Bank: Werterhalt als oberstes Veranlagungsziel

Während es bei den Private-Banking-Abteilungen der großen Banken komplex ausgearbeitete Veranlagungsstrukturen gibt, ist die Euram Bank so etwas wie der Nonkonformist unter den Vermögensverwaltern. Kein Marmor, keine dick gepolsterten Chesterfield-Sofas. Dafür Reduzierung auf das Wesentliche: eine gründliche Expertise der Märkte und Veranlagungsstrategien für jede Risikoneigung. Manfred Huber, Vorstandssprecher der Euram Bank: "Zu uns kommen oft Kunden, die uns ein paar Millionen testweise zur Veranlagung überlassen, um zu sehen, ob ihre anderen Vermögensverwalter auch wirklich gut sind. Wenn wir besser sind, werden aus den paar Millionen dann mehr."

Euram Bank: Die Nonkonformisten in der Vermögensverwaltung

Doch meistens gehen Privatbanken andere Wege, um zu ihren Kunden zu kommen. Nach Zeitungsberichten von Unternehmensverkäufen häufen sich meist die Anfragen der Berater. Die Capital Bank hat da einen eigenen neuen Weg entwickelt. Constantin Veyder-Malberg, Vorstandssprecher der Capital Bank: "Wir haben den gängigen Weg umgekehrt. Bei uns können sich interessierte Kunden ihre Berater selber aussuchen. Über Internet geben sie ihre Wünsche ein, und danach melden sich drei passende Experten bei ihnen. Der potenzielle Kunde kann dann selber entscheiden, wer am besten zu ihm passt." Dieses fortschrittliche System der Partnerwahl in Vermögensangelegenheiten könnte bald eine unkonventionelle Verbreiterung erfahren. Die einstige Kirchenbank Schelhammer &Schattera wurde vor Kurzem durch einen Kauf der Capital Bank hinzugesellt. Und nun soll sanft modernisiert werden.

Capital Bank: Wo Kunden ihre Berater selbst auswählen könne

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