Sparen und absichern

Sparen und absichern

Versicherungen sind ein wichtiger Bestandteil im Vorsorgemix, um biometrische Risiken abzudecken. Für den Aufbau von Kapital bieten die Assekuranzen breite Anlagemöglichkeiten - von stockkonservativ bis hin zu flexibel und dynamisch.

Erst von wenigen Wochen musste Österreich wieder einmal einen Rüffel aus Brüssel einstecken: Die EU-Kommission bezweifelt, dass die bislang eingeleiteten Reformen ausreichen, das heimische staatliche Pensionssystem langfristig finanziell zu sichern. Das Antrittsalter liege mit 59,7 Jahren weiterhin deutlich unter dem EU-Durchschnittswert von 63,1 Jahren. Dazu kommt als weitere Verschärfung, dass die Babyboomer-Generation der geburtenstarken Jahrgänge 1955 bis 1970 inzwischen das pensionsfähige Alter erreicht.

Die Auswirkungen sind beträchtlich, wie aus einer rezenten Studie der Allianz Gruppe in Österreich hervorgeht: "In den nächsten 20 Jahren gehen mehr als 750.000 Österreicher in Pension -so viele wie in den vergangenen 60 Jahren", mahnt Vorstandsvorsitzender Wolfram Littich.

Die Botschaft ist unmissverständlich klar: Man muss rechtzeitig unabhängig vom Staat vorsorgen, um einen finanziell abgesicherten Lebensabend genießen zu können. Der Aufbau von Kapital und Vermögen lässt sich über Bankprodukte, Investmentfonds oder Immobilien mitunter ertragreicher bewerkstelligen als über eine Lebensversicherung.

Wenn allerdings biometrische Risiken wie Ableben, Unfall, Berufsunfähigkeit, Langlebigkeit oder Pflege abgedeckt werden sollen, dann kommt man an einer Versicherung nicht vorbei. Denn eine lebenslange garantierte Pension führt nur über ein Versicherungsprodukt. Eine Lebens- oder Rentenversicherung sollte daher als fixer Bestandteil eines Vorsorgeportfolios nicht fehlen. Die Palette reicht immerhin von klassisch bis hin zu gänzlich fondsgebunden -dazwischen gibt es Mischformen für jeden Risikotyp.

ZINSVERFALL. Die Renditen österreichischer Bundesanleihen schmolzen seit der Jahrtausendwende (gelbe Linie) auf ein historisch tiefes Niveau (grüne Linie) zusammen.

Mindestverzinsung

Klassische Lebensversicherungen galten aufgrund ihrer risikolosen hohen Verzinsung jahrzehntelang als heißer Anlagetipp. Doch wenn zehnjährige österreichische Staatsanleihen nur noch weniger als ein Prozent Rendite abwerfen, bekommen Versicherungsnehmer das ebenfalls zu spüren: Seit der Jahrtausendwende hat sich die Gesamtverzinsung für Lebensversicherungen im Schnitt auf 3,25 Prozent halbiert.

Manfred Rapf, Vorsitzender der Sektion Lebensversicherung im österreichischen Versicherungsverband VVO: "Der durchschnittliche Garantiezins im Deckungsstock beträgt in Österreich 2,7 Prozent, in Deutschland 3,3 Prozent."

Die maximale Garantieverzinsung ging im gleichen Zeitraum sogar um nahezu zwei Drittel auf 1,5 Prozent zurück.

Nachdem keine Trendwende bei den Zinsen absehbar ist, werde es sicherlich zu einer weiteren Senkung des höchstzulässigen Garantiezinses durch die Finanzmarktaufsicht kommen, ist Peter Eichler, Vorstand Uniqa Österreich und Raiffeisen Versicherung, überzeugt: "Die Frage ist nur, wie groß dieser Schritt ausfällt. Ich erwarte ein Absinken auf bestenfalls ein Prozent, möglicherweise sogar darunter."

Die Sorge, dass heimische Lebensversicherer, ähnlich wie in Deutschland, den Garantiezins nicht verdienen, sei jedenfalls unbegründet, beruhigt Manfred Rapf, Vorsitzender der Sektion Lebensversicherung im österreichischen Versicherungsverband VVO: "In Österreich liegt der durchschnittliche Garantiezins im Deckungsstock bei circa 2,7 Prozent, in Deutschland bei rund 3,3 Prozent." Außerdem sinkt er automatisch weiter ab, wenn alte Verträge ablaufen und neue mit tieferem Zins berücksichtigt werden.

Ganz ohne Garantiezins

Aufgrund der niedrigen Anleihezinsen, aber auch wegen der neuen, strengeren Eigenkapitalunterlegungsvorschriften gemäß Solvency II ab 2016 haben einige Versicherer Anfang dieses Jahres klassische Lebensversicherungsprodukte ganz ohne Garantiezins als Novität eingeführt.

Uniqa und Raiffeisen haben mit ihren Sparprodukten gegen laufende Prämienzahlung, "Leben &Garantie" beziehungsweise "Meine Raiffeisen Pension", zudem eine völlig neue Kostenstruktur etabliert: Die Abschlusskosten werden auf die gesamte Laufzeit aufgeteilt und nicht, wie bislang üblich, zu Beginn angelastet.

Ernst Schneckenleitner, Allianz Österreich: "Kein Garantiezins, dafür 0,3 Prozentpunkte höhere Gesamtverzinsung."

Allianz will mit ihrer neuen "Fixkosten Plus" in erster Linie mit höherer Rendite punkten: "Die gesamte Gewinnbeteiligung bei diesem Produkt liegt um durchschnittlich 0,3 Prozentpunkte höher als bei einer konventionellen Lebensversicherung und damit im Spitzenfeld der Branche", erklärt Ernst Schneckenleitner, Lebensversicherungsexperte der Allianz Gruppe in Österreich. Im Klartext: 3,55 statt 3,25 Prozent.

Fondsgebunden

Chancen auf höhere Renditen bietet freilich eine fondsgebundene Lebensversicherung, bei der die Versicherungsnehmer ihre Veranlagung entweder anhand von Einzelfonds oder Fondsportfolios selbst bestimmen.

Fondspolizzen bringen im Vergleich zu Direktinvestments in Fonds einen attraktiven Steuervorteil, weil im Versicherungsmantel die 25-prozentige KESt auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne entfällt. "Je öfter das Portfolio gedreht wird, umso größer ist der Steuervorteil auf die Kursgewinn-KESt", gibt Doris Eichelburg, Versicherungsexpertin Schoellerbank Private Banking, zu bedenken.

Der Performancevorteil kann, sofern die Kostenstruktur schlank gehalten wird, durchaus zehn Prozent oder mehr betragen. Und dieser Vorteil wird durch die geplante Anhebung der KESt auf 27,5 Prozent sogar noch etwas höher ausfallen. Trotzdem gelten Fondspolizzen seit der Finanzkrise bei den meisten Anbietern als Ladenhüter.

Am meisten begehrt sind immer noch zum einen die klassische Lebensversicherung und zum anderen Mischformen aus klassischer und fondsgebundener. Dazu zählt auch die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge, die vor allem bei der Wiener Städtischen ein Renner ist: "Wir verzeichnen zunehmendes Interesse bei jungem Publikum", konstatiert Generaldirektor-Stellvertreterin Judit Havasi. "45 Prozent der Neuabschlüsse entfallen auf 25-jährige und jüngere Kunden, weitere 25 Prozent auf die Altersgruppe zwischen 26 und 35."

Fazit: Die Jugend ist sich längst bewusst, dass sie privat vorsorgen muss. Vom Staat kann sie wohl keine üppige Rente erwarten.

WENIGER ERTRAG. Seit der Jahrtausendwende hat sich der Gesamtertrag im Schnitt halbiert.

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