Meinl-Banker: "Anleger sind verunsichert"

Meinl-Banker: "Anleger sind verunsichert"

Die Meinl-Bank-Topmanager Peter Weinzierl (i.Bild re.) und Robert Lagler über die Vorzüge einer professionellen Vermögensverwaltung und das heiße Thema Immobilien.

FORMAT: Die Meinl Bank ist seit 2012 wieder im Immobiliengeschäft tätig. Hat die Bank die Krise, die 2007 durch die Ereignisse bei der Immobilienfirma MEL ausgelöst wurde, überwunden?

Peter Weinzierl: Seit 2007 ist die Situation für alle Banken generell schwieriger geworden. Die Meinl Bank hatte zusätzlich spezifische Probleme. Wir hatten 11.000 Anleger, die Ansprüche gestellt haben. Drei Viertel der Fälle sind nun erledigt. Die Meinl Bank hat mehr als 30 Millionen Euro bei Vergleichen mit Kleinanlegern bezahlt. Auf strafrechtlicher Seite wurde die Anklage der Staatsanwaltschaft Wien vom Oberlandesgericht zurückgewiesen. Das ist ein Meilenstein für uns. Die schwierigen Zeiten sind vorbei: Wir verzeichnen in unserer Geschäftsentwicklung einen Aufwärtstrend. Die Meinl Bank verwaltet derzeit 1,3 Milliarden Euro Kundenvermögen und hat wieder 100 Mitarbeiter. Am Tiefstand waren es nur 55 Mitarbeiter.

FORMAT: Wann erwarten Sie den Abschluss all der laufenden Verfahren?
Weinzierl: Eine Vorhersage ist schwierig. Das strafrechtliche Verfahren erhielt viel Aufmerksamkeit und läuft bereits seit acht Jahren. Das ist, objektiv gesehen, zu lange, was auch das Justizministerium so sieht. Bezüglich der zivilrechtlichen Verfahren hoffe ich, dass alle 2016 erledigt sind. Die Vergleiche werden fortgeführt, ein Gesamtvergleich unter Beteiligung von Atrium (früher MEL, Anm.) wird für einen Abschluss aber nötig sein.

FORMAT: Sie haben in den letzten Jahren sehr stark auf Kunden aus dem russischen Raum gesetzt. Wie sehr schadet die Krise in Russland ihrem Geschäft?
Weinzierl: Wir spüren die schaumgebremste russische Wirtschaftsentwicklung nur leicht. Viele Russen und Osteuropäer suchen nach wie vor eine Veranlagung für ihr Kapital

FORMAT: Was haben Sie in Österreich vor?
Weinzierl: Erstens möchte die Meinl Bank im institutionellen Bereich wachsen. Vor 2007 war unser Geschäft stark auf institutionelle Kunden ausgelegt. Wir haben in diesem Geschäftsfeld Marktanteile verloren. Doch die Zeiten, in denen wir zu keinem Pitch eingeladen werden, sind vorüber. Institutionelle Kunden treten uns wieder ohne Vorurteile gegenüber. Und zweitens möchten wir bei österreichischen Privatkunden wieder stärker Fuß fassen. Hier soll das Wachstum über personelle Verstärkung gelingen. Wir suchen seit Jahresbeginn Kundenbetreuer für den österreichischen Markt.

FORMAT: Mit welchen Instrumenten wollen Sie neue institutionelle Kunden gewinnen?
Weinzierl: Unsere hauseigene Kapitalanlagegesellschaft, die Julius Meinl Investment GmbH, verfügt über eine breite Palette an attraktiven Investmentfonds. Seit Dezember 2014 bieten wir mit dem "Meinl ATX Fonds" ein Indexpapier auf den ATX an, das keine Wertpapierleihe betreibt und besonders bei Institutionellen stark nachgefragt wird, aber auch für Privatkunden interessant ist. Mit diesem Produkt sind wir die Ersten auf dem Markt. Des Weiteren punkten wir bei Institutionellen, weil wir sehr flexibel reagieren und maßgeschneiderte Lösungen anbieten können, zum Beispiel berechnen wir für einen Kunden Risikomodelle, mit denen die optimale Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen ermittelt wird. Wir übernehmen auch die Absicherungsmaßnahmen über Futures, wenn es erforderlich ist. Unsere Expertise im Immobilienbereich wird bei den Institutionellen ebenfalls geschätzt, wo wir im derzeitigen Niedrigzinsumfeld attraktive Veranlagungsmöglichkeiten bieten können.


"Unsere Kunden in der Vermögensverwaltung können ab 100.000 Euro investieren. Das ist für viele attraktiv." Robert Lagler, Private Banking der Meinl Bank

FORMAT: Die Meinl Bank hat seit 2015 die Vermögensverwaltung neu ausgerichtet. Wie ist dieser Bereich nun aufgestellt?
Robert Lagler: In den letzten Monaten sind viele Anleger, die bislang ihr Vermögen selbst verwaltet und damit gute Jahre hinter sich haben, verunsichert worden: Die Zinsen sind gestiegen, auf den Aktienmärkten rechnen sie nach dem langen Bullenmarkt mit Turbulenzen. In dieser Marktphase kommt eine professionelle Vermögensverwaltung gut an. Unsere Kunden im Bereich Vermögensverwaltung können ab 100.000 Euro investieren. Bei anderen Banken ist diese Schwelle viel höher. Gerade in diesem Segment gibt es viele österreichische Kunden, auch für osteuropäische ist das attraktiv: Viele haben wenig Erfahrung mit Kapitalmärkten und schätzen die im Vergleich niedrige Einstiegssumme. Damit knüpfen wir an unsere historischen Wurzeln an. Seit den 1920er-Jahren hatte jede Meinl-Lebensmittelfiliale auch eine Bankfiliale dabei. Früher war das innovativ, und Meinl bediente damit das kleine Spargeschäft.

FORMAT: Was können Sie Ihren Kunden in der Vermögensverwaltung bieten?
Lagler: Bei Neukunden analysieren wir in einem Beratungsgespräch zunächst intensiv die Risikoneigung. Je nachdem wie risikoaffi n oder risikoavers ein Kunde ist, wird investiert. Wir bieten Veranlagungsstrategien mit unterschiedlichen Ertrags-Risiko-Profilen in den beiden Hauptwährungen Euro und US-Dollar an, wobei als Beimischung auch in andere Währungen mit entsprechendem Renditepotenzial investiert wird. Generell setzen wir auf eine offene Architektur, das heißt, uns stehen alle Fondsanbieter zur Verfügung. Außerdem setzen wir viele Indexfonds ein. Sie sind sehr transparent, und die Kunden können im Internet ganz einfach nachsehen, welche Wertpapiere enthalten sind. Zudem sind Indexfonds sehr kostengünstig. Aktives Fondsmanagement nutzen wir in speziellen Märkten wie etwa dem Hochzinsanleihenmarkt oder bei Investitionen in Schwellenländern.


"Sicherheit, Ertrag und Liquidität sind derzeit die drei wichtigsten Kriterien in der Vermögensverwaltung." Peter Weinzierl, Vorstand der Meinl Bank

FORMAT: In den letzten Jahren waren vor allem Immobilien als sichere Anlage gefragt. Ist das nach wie vor so?

Weinzierl: Die Veranlagungsstrategien sind sehr verhalten geworden. Sicherheit, Ertrag und Liquidität sind derzeit die drei wichtigsten Kriterien in der Vermögensverwaltung. Ein Veranlagungshorizont von zwei bis drei Jahren ist manchmal schon zu lange. Und was die Sicherheit betrifft, gibt es wenige Assetklassen, die relativ sicher sind. Gold ist volatil, und das Vertrauen in europäische Staatsanleihen ist gemischt. Bleiben nur mehr Immobilien. Sie sind immer noch ein heißes Thema.

FORMAT: Seit 2012 bieten Sie Ihren Kunden unter dem Produktnamen "Prague Prime Homes" Immobilieninvestments in Wohnhäuser in Prag an. Wie laufen diese Projekte?
Weinzierl: Die Verkäufe gehen sehr gut. Derzeit haben wir sieben Wohnobjekte, bei denen die einzelnen Wohnungen abverkauft werden. Die tschechischen Banken sind gerne bereit, dem aufstrebenden Mittelstand einen Wohnungskauf zu finanzieren.

FORMAT: Bauen Sie das Immobiliengeschäft aus?
Weinzierl: Ja, wir planen, das Modell in anderen Städten zu replizieren. In Warschau und Wien haben wir bereits konkrete Projekte im Auge. Voraussichtlich werden wir diese im Sommer, spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2015 vorstellen. Ich halte Warschau für sehr interessant, weil es in den vergangenen Jahren zwar viele Immobilienprojekte auf der "grünen Wiese" am Stadtrand gab, aber wenig Investitionen in innerstädtische Revitalisierungen flossen. Dabei ist die Nachfrage nach hochwertigen, zentral gelegenen Wohnungen groß. Wir holen das nun nach und haben dabei eine gute Marktposition. Und Wien wird von vielen Kunden nachgefragt. Hier sehen wir uns derzeit nach Lagen innerhalb des Gürtels um.

Die Personen:

Peter Weinzierl (rechts), 49, startete seine Karriere als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Institut für Höhere Studien. 1992 stieg er bei der Meinl Bank ein und ist seit 1999 Mitglied des Vorstands der Bank.
Robert Lagler , 29, ist Senior Manager im Private Banking der Meinl Bank. Zuvor war der gebürtige Niederösterreicher im Asset & Wealth Management der Deutschen Bank Österreich tätig.

So investieren Sie nachhaltig

Finanzen

So investieren Sie nachhaltig

Finanzen

15 Top-Aktien und 15 Fonds aus Euroland

Neuer Dreh am Immobilienmarkt

Finanzen

Neuer Dreh am Immobilienmarkt