Max Deml: "Grüne Variante zu jedem Produkt"

Max Deml: "Grüne Variante zu jedem Produkt"
Max Deml: "Grüne Variante zu jedem Produkt"

Max Deml - Experte für Öko-Investments

Im deutschsprachigen Raum gibt es bereits 300 nachhaltige Fonds. Sowohl konventionelle Anleger als auch neue Zielgruppen investieren "grün".

FORMAT: Seit wann sind nachhaltige Investments in Österreich ein Thema?
Max Deml: Die meisten Banken haben um das Jahr 2000 herum mitbekommen, dass das ein Trend ist. Nur die Bawag ist erst rund zehn Jahre später aufgesprungen. 1998 hatten die Zentralsparkasse und Raiffeisen schon grüne Produkte. Aber die Zeit war damals für Österreich noch nicht reif, und beide wurden wieder eingestellt. Wenn ein Fonds unter fünf bis zehn Millionen Euro Volumen hat, rentiert sich das für eine Bank nicht mehr.

FORMAT: Aus wie vielen Öko-Fonds kann man in Österreich wählen?
Deml:

FORMAT:
Deml: Allein im deutschsprachigen Raum gibt es rund 300 Fonds, zirka 30 davon kommen aus Österreich. Aber fast alle 300 sind in Österreich zugelassen. Sie finden heute zu jedem Finanzgeschäft eine grüne Variante, bei der es bei der Rendite keine Abstriche gibt.


Es ist für Normalbürger sehr schwer zu erkennen, wie grün ein Fonds wirklich ist

FORMAT: Kommt jetzt eigentlich eine neue Zielgruppe auf den Markt, die zuvor Finanzprodukte wie Aktien und Fonds aus Prinzip abgelehnt hat?
Deml: Es gibt durchaus neue Zielgruppen, die wissen wollen, was mit ihrem Geld passiert. Manche, die mit breit gestreuten Fonds beginnen, kommen dann auf die Idee, eine bestimmte Aktie zu kaufen, die ihnen gefällt. Als dritte Stufe investieren manche direkt in Unternehmen, weil ihnen bewusst wird, dass in dem Moment, wo sie eine Aktie kaufen, nur Geld zwischen ihnen und dem früheren Eigentümer der Aktie umgeschichtet wird. Das Unternehmen hat ja nur bei der Erstausgabe Geld bekommen.
Zum Beispiel investieren sie 10.000 Euro in eine Windparkbetreiberfirma und ermöglichen dadurch einen Bankkredit über 50.000 Euro - davon profitiert die Firma tatsächlich. Aber das Risiko bei solchen Investments ist höher als bei einem Standardsparprodukt mit Einlagensicherung.

FORMAT: Steigen auch konventionelle Anleger auf nachhaltige Produkte um?

Deml: Ja, besonders die Best-in-Class-Fonds haben die normalen Anleger erreicht. Hier werden zum Beispiel von jeder Branche die zehn Prozent der Unternehmen herausgesucht, die die besten Nachhaltigkeitskriterien aufweisen. Da kann aber auch die Automobilbranche vertreten sein. Wenn es dabei nicht zu einem Renditeverlust kommt, nehmen konventionelle Anleger lieber diesen Fonds.

FORMAT: Kann man überhaupt sicher sein, dass die Unternehmen und Länder, in die man durch Fonds investiert, absolut sauber sind?
Deml: Es ist für Normalbürger sehr schwer zu erkennen, wie grün ein Fonds wirklich ist. Er kann sich den jährlichen Rechenschaftsbericht mit der Liste aller Aktien anschauen. Aber viele davon sind keine Konsumtitel, sondern haben unbekannte Namen. Man ist daher auf die Berichte in Internetportalen oder Medien wie "Konsument" oder "Finanztest" angewiesen. In Österreich gibt es das Umweltzeichen auch für Fonds, aber dort wird nicht unbedingt bei jedem einzelnen Titel überprüft, ob er den Kriterien entspricht. Ein Fonds kann durchaus das Umweltzeichen haben, aber dann wechselt zum Beispiel das Management, und es kommt zu illegalen Transaktionen. Es ist also nichts zu 100 Prozent sicher.

FORMAT: Sie haben 2003 den nx-25 geschaffen, einen Index aus 25 ökologisch agierenden Unternehmen, der sehr gut performt. Gibt es ihn schon als Fonds?
Deml: Nein, noch nicht. Ich habe verschiedene Angebote bei mir und bin noch am Verhandeln. Ich möchte sehr günstige Gebühren für den Fonds erreichen.

Zur Person.

Max Deml ist ein Pionier der grünen Geldanlage und hat schon 1990, als nachhaltiges Investieren in Österreich noch ein Fremdwort war, das Handbuch "Grünes Geld" geschrieben, das er seither regelmäßig neu auflegt. Er gibt außerdem alle zwei Wochen die Zeitschrift "Ökoinvest" heraus. Seit der Krise 2008 tritt er auch als Finanzkabarettist auf.

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