Investment mit Rettungsring

Investment mit Rettungsring

Aktienanleihen bieten die Chance, mit begrenztem Risiko von Kursanstiegen an den Börsen zu profitieren.

Für viele Anleger sind Aktien immer noch eine viel zu riskante Angelegenheit. Ihre Kurse können zwar steigen, aber genauso schnell wieder fallen. Und wie es einem geht, wenn man damit seine Vorsorge für die Zukunft aufbauen will, haben die traurigen Beispiele all jener Amerikaner gezeigt, die im blinden Vertrauen auf die Börsen Aktien für ihre Pension gekauft haben - und in den großen Finanzkrisen 1998 und 2008, wenn nicht alles, so zumindest viel Geld verloren haben.

Sparbücher oder Anleihen sind aber auch nicht mehr das Wahre. Wer sein Geld in österreichische, deutsche Staatsanleihen oder in ein Sparbuch steckt, verliert in Wahrheit sein Geld. Bei einer Verzinsung von 0,5 Prozent frisst einem die Inflation mehr weg, als man vom Staat oder der Bank für das geliehene Geld bekommt.

Wie kann man also diesem Anlage-Dilemma entgehen? Für all jene, denen Aktien zu riskant sind und Staatsanleihen zu wenig bringen, gibt es einen Mittelweg: Aktienanleihen. Diese Anlageprodukte vereinen das beste aus zwei Welten: die Möglichkeit, an Kurssteigerungen an den Börsen zu verdienen, aber auch die Sicherheit zu haben, die einem Anleihen bieten. Nämlich am Ende der Laufzeit sein eingesetztes Kapital wieder zurückzuerhalten.

Strukturierte Produkte

So einfach die Funktionsweisen von Aktien und Anleihen sind, ist deren Kombination doch etwas komplizierter. Denn Aktienanleihen sind rein auf dem Papier erdachte "strukturierte Produkte", sogenannte Zertifikate. Der Grundgedanke dabei ist folgender: Ein Emittent begibt eine Anleihe, für die zwar ein fixer Zinssatz bezahlt wird, ob die Anleihe am Ende ihrer Laufzeit aber zum vollen Betrag zurückbezahlt wird, hängt von der Entwicklung des Börsenkurses der Aktie, die ihr zugrunde liegt, ab.

Ein aktuelles Beispiel: Die UniCredit begibt eine Aktienanleihe auf die Aktie der Volkswagen AG. Sie verspricht allen Zeichnern der Anleihe am Ende der Laufzeit (ein Jahr) eine fixe Zinszahlung von 5,2 Prozent. Im Vergleich zu Sparbuchzinsen oder Renditen von Staatsanleihen, selbst von Spanien (2,5 Prozent) oder Portugal (2,8 Prozent), eine gute Verzinsung. Das Ganze hat nur einen Haken: Die Rückzahlung des investierten Betrags hängt davon ab, ob die VW-Aktie die sogenannte Barriere nicht unterschreitet. Notiert die Aktie nach einem Jahr im Fall dieser Aktienanleihe tiefer als 80 Prozent als zum Zeitpunkt der Ausgabe, erhält der Zeichner sein eingesetztes Kapital nicht zurück. In diesem Fall bekommt er den Gegenwert seines Investments in VW-Aktien ausbezahlt.

Das klingt aufs Erste nach einem Verlustgeschäft , muss es aber nicht sein. Denn der Anleger bekommt ja auf alle Fälle die versprochene Verzinsung von 5,2 Prozent. Darüber hinaus muss er die Aktien der Volkswagen AG ja nicht sogleich verkaufen. Zwar bekommt er nun auf dem Papier nur 80 Prozent oder weniger seines ursprünglichen Investments zurück, aber nicht in Geld. Er kann die VW-Aktien behalten und warten, bis der Kurs wieder steigt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass das VW-Papier in einem Jahr um 20 Prozent niedriger notiert als zum Zeitpunkt der Begebung der Aktienanleihe darauf, ist darüber hinaus relativ gering. Deutsche Aktien boomen. Und selbst wenn es beim größten deutschen Autobauer vor Kurzem eine Führungskrise gegeben hat, ist die Wahrscheinlichkeit eines Einbruchs der Aktie in einem Jahr um 20 Prozent relativ gering.

Warum begeben Banken dann aber derartige Produkte wie Aktienanleihen? Weil sie daran in der Regel mehr verdienen als die Zeichner. Oder einfach gesagt: Wenn man gleich eine VW-Aktie kauft, profitiert man von der vollen Kursentwicklung. Man kann selber entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt zum Verkauf gekommen ist. Wer eine Aktienanleihe kauft, muss für das gewisse Mehr an Sicherheit, das er dadurch erhält, einen Preis bezahlen.

Emittenten von Aktienanleihen können aber die Kursentwicklung von Aktien, auf die sie ihre Aktienanleihen begeben, in der Regel sehr gut kalkulieren. Beim konkreten Beispiel der VW-Aktie rechnet die UniCredit wohl mit einer positiven Kursentwicklung. Und die Zinsen, die sie Zeichnern der Aktienanleihe bezahlt, werden weniger ausmachen, als die Wertentwicklung des zugrunde liegenden Papiers bringt -mit dem sich der Emittent natürlich eingedeckt hat. Aber das ist eben der Preis, den Käufer von Aktienanleihen, die ein Mehr an Sicherheit als bei einem reinen Aktieninvestment haben wollen, auch bereit sein müssen, zu bezahlen.

Noch mehr Struktur

Die Kombination der Verzinsung einer Anleihe auf die Entwicklung eines Wertpapiers kann natürlich entsprechend ausgeweitet werden. Es kann die Kursentwicklung mehrerer ausgewählter Aktien für das Ergebnis einer Aktienanleihe herangezogen werden. In diesem Fall spricht man von einem " Basket", einem Korb von Aktien, von deren Kursentwicklung die Höhe der Zinszahlung und die Barriere, bis zu der Rückzahlung des investierten Betrags auch garantiert wird, abhängen. Oder es können Indizes sein, von denen die Konditionen der Aktienanleihen abhängen. Derartige Produkte werden Multi-Aktienanleihen genannt.

Auch hierzu ein aktuelles Beispiel. Die französische Großbank Société Générale begibt eine sogenannte Ethikanleihe mit einer Laufzeit bis zum Juli 2022. Sie verspricht den Anlegern aber keine jährlichen Kuponzahlungen, sondern eine Wertsteigerung ihres eingesetzten Kapitals. Welchen Betrag die Zeichner in sieben Jahren erhalten, hängt von der Entwicklung des Finvex Ethical Efficient Europe 30 Price Index ab. In diesem Index sind 30 europäische Unternehmen enthalten, die nach ethischen und nachhaltigen Kriterien agieren. Dazu zählen beispielsweise die Zurich Versicherung, der Chemiekonzern Henkel, das Pharmaunternehmen Roche oder die Mediengruppe Reed Elsevier. Der Zeichner der Ethikanleihe partizipiert an der vollen positiven Wertentwicklung des Index. Und wenn er in sieben Jahren gesunken ist, ist das eingesetzte Kapital zumindest teilweise geschützt. Die Käufer erhalten dann wenigstens 90 Prozent des Kaufpreises zurück.

Fazit

Aktienanleihen können für Anleger, die einen gewissen Sicherheitsanker suchen, eine interessante Anlageform sein. Auf gewisse Dinge sollte man aber unbedingt achten: Transparenz ist hier besonders wichtig. Es sollten nur Aktien großer und solider Unternehmen sein, auf die sich das Papier bezieht. Auch wenn der Aktienanleihe ein Index zugrunde liegt, sollten darin nur solche Unternehmen enthalten sein, die bekannt sind und deren Geschäftsentwicklung abschätzbar ist.

Auch dem Emittenten, also dem Finanzinstitut, das das Papier begibt, kommt eine große Bedeutung zu. Es sollten nur große und bekannte Banken sein. In Österreich begeben hauptsächlich die Raiffeisen Centrobank, die Erste Bank, Vontobel, UniCredit oder die Société Générale Aktienanleihen. Denn anders als Aktien oder Anleihen, zählen Aktienanleihen nicht zum Sondervermögen. Das bedeutet: Im Falle einer Pleite der Bank sind die Aktien, die der Anleger dort im Depot hat, nicht verloren. Aktienanleihen und andere Zertifikate, die die Bank ausgegeben hat, hingegen schon.

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