Ethische Investments: Gute Gewinne mit gutem Gewissen

Ethische Investments: Gute Gewinne mit gutem Gewissen
Ethische Investments: Gute Gewinne mit gutem Gewissen

Die Welt retten und dabei auch noch Geld verdienen? Wer in nachhaltige Fonds investiert, hat für beides zwar keine Garantie, aber ganz gute Chancen.

Beim Essen auf Bio und glückliche Tiere setzen, dem Kind keinen Schnuller mit Bisphenol A in den Mund stecken und sich die Frisur nicht beim Ausflug mit dem Cabrio, sondern durch den Fahrradhelm ruinieren - im Alltag setzen immer mehr Menschen auf einen nachhaltigen Lebensstil. Da ist es nur eine logische Folge, auch die Anlagestrategie zu vergrünen.

Die Zahlen machen den Trend deutlich: Laut aktuellem Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) stieg das Volumen auf dem nachhaltigen Anlagemarkt 2014 in Österreich auf 9,5 Milliarden €, was einem Anstieg um mehr als ein Drittel im Vergleich zu 2013 entspricht. Erstmals ist auch ein Überblick über zehn Jahre möglich, denn der Marktbericht des FNG ist 2005 erstmals erschienen. Das Österreich-Volumen lag damals bei 1,2 Milliarden €. Betrachtet man den D-A-CH-Raum mit Deutschland, Österreich und der Schweiz, so ist das Volumen innerhalb eines Jahrzehnts sogar um das 15-Fache angestiegen.

2014 lag es dem Marktbericht des FNG zufolge bei 197,5 Milliarden €. Der Betrag enthält sowohl Kundeneinlagen und Eigenanlagen (76,6 Milliarden) als auch Mandate (70,6 Milliarden) sowie Investmentfonds (50,3 Milliarden).

Getrieben wird die Entwicklung sehr stark von den institutionellen Investoren, insbesondere von Vorsorgekassen, aber auch von Pensionskassen und anderen Versicherungen. "Und der Anteil der privaten Investoren ist stärker geworden", sagt Wolfgang Pinner, Österreichvorstand des FNG sowie Head of Sustainable & Responsible Investments bei Raiffeisen Capital Management. Konkret ist der Privatinvestoren-Anteil innerhalb eines Jahres von 14 auf 23 Prozent gestiegen - allerdings lag der Anteil 2010 schon einmal bei 26 Prozent.

Schattierungen

Doch was genau ist mit nachhaltigem Investieren eigentlich gemeint? Die Palette der ethischen Fonds reicht von Mindestmaß über "hell-" bis hin zu "dunkelgrün".

Wolfgang Pinner, FNG-Vorstand: "Da in Österreich Sicherheit zentral ist, geht die Nachfrage in Richtung gemischte Produkte."

Der FNG-Marktbericht etwa versteht unter nachhaltigen Geldanlagen nachhaltiges, verantwortliches, ethisches, soziales, ökologisches Investment und alle anderen Anlageprozesse, die in ihre Finanzanalyse den Einfluss von Umweltsozialen und Governance-Kriterien einbeziehen. In der Praxis definieren die Banken Ausschlusskriterien, nach denen sie die Staaten und Unternehmen auswählen, die sie in die Fondspakete einbeziehen.

Das top Ausschlusskriterium in Österreich für Unternehmen ist Kernenergie, gefolgt von Waffenhandel und -produktion sowie Menschenrechts-und Arbeitsrechtsverletzungen. Häufige Ausschlussfaktoren sind zudem Pornografie, Korruption, Tabak, Gentechnik, Tierversuche und Glücksspiel. Doch auch wenn das Angebot an Öko-Fonds stetig wächst und die Banken damit prahlen, dass nachhaltiges Investieren sich von einem Nischensegment zu einem breiten Markt entwickelt habe: Der Anteil der Öko-Fonds am gesamten österreichischen Fondsmarkt ist zwar gestiegen, lag 2014 aber trotzdem erst bei 5,7 Prozent.

Setzt man als Mindestmaß die Ausschlusskriterien Streumunition und Antipersonenminen sowie Nahrungsmittelspekulationen an, trifft das in Österreich sogar auf Produkte mit einem Volumen von 44 Milliarden Euro zu.

Was für grüne Investments spricht, ist nicht zuletzt, dass sie bei der Rendite mit konventionellen Produkten mithalten können. Auch hier gibt es reine Aktienund reine Anleihen-sowie Mischfonds. "Die Nachfrage geht in einem Land wie Österreich, wo Sicherheit im Mittelpunkt steht, stark in Richtung gemischte Produkte", sagt Wolfgang Pinner.

Auch Ernst Krehan, Geschäftsführer von Schelhammer & Schattera, bestätigt diesen Trend: "2014 waren von der Kundenseite ganz stark Mischfonds nachgefragt." Besonders der konservative Fonds mit maximal 20 Prozent Aktien sei das Produkt des Jahres gewesen -am besten performt hat allerdings der reine Aktienfonds, Superior 4. Zum Stichtag 30. April lag seine Einjahres-Performance bei 32,74 Prozent. Krehan: "In einer Gesamtveranlagungsstrategie sollte weder die Rendite noch die Nachhaltigkeit Priorität haben, sondern ethische und ökonomische Anforderungen sollten eine Symbiose bilden."

Mehr als ein Feigenblatt

Die meisten Banken haben lediglich eine Handvoll ethischer Fonds im Angebot. Schelhammer &Schattera bildet eine Ausnahme: Das Bankhaus, das bis zum kurz bevorstehenden Eigentümerwechsel noch mehrheitlich der römisch-katholischen Kirche gehört, hat bereits vor Jahren alle Publikumsfonds auf Nachhaltigkeit umgestellt. Die Ethik-Fonds Superior 1 bis 5 wurden kürzlich auch mit dem österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet.

Ernst Krehan, Geschäftsführer von Schelhammer & Schattera: "Ethische und ökonomische Anforderungen sollten eine Symbiose bilden."

Einzig Superior 6 weist eigene Kriterien auf, denn er lehnt sich an den Global Challenges Index an, in dem 50 Unternehmen enthalten sind, welche sich mit den großen Themen der Zukunft befassen, darunter die Bekämpfung des Klimawandels, die Sicherstellung der Wasserversorgung, die Armutsbekämpfung und der Erhalt der Artenvielfalt.

Wer besonders hohe ethische Ansprüche hat, könnte allerdings mit Fonds falsch beraten sein. Wenn Banken transparent sind und regelmäßig über die Zusammensetzung ihrer Fonds Auskunft geben, ist das für kritische Kunden zwar ein Vorteil. Dennoch können ethische Fonds beispielsweise auch Papiere von Auto-oder Ölfirmen enthalten. Und auch gute Überprüfungen können etwa Fehltritte des Managements der Unternehmen, die im Fonds enthalten sind, nicht völlig ausschließen.

Bei manchen Banken haben Kunden die Möglichkeit, nachzufragen, warum eine bestimmte Aktie enthalten ist. Wer eigenen hohen Ansprüchen gerecht werden will, sollte am besten Aktien einzelner Unternehmen kaufen, denen er vertraut.

So investieren Sie nachhaltig

Finanzen

So investieren Sie nachhaltig

Finanzen

15 Top-Aktien und 15 Fonds aus Euroland

Neuer Dreh am Immobilienmarkt

Finanzen

Neuer Dreh am Immobilienmarkt