Dramatische Kursverluste - Panik an Chinas Börsen

Dramatische Kursverluste - Panik an Chinas Börsen

Der Börsencrash in China zieht seine Kreise in unmittelbarer Umgebung.

An den großen Börsen Chinas in Shanghai und Shenzhen herrscht Panik. Chinas Leitindex ist um 5,9 Prozent gefallen. Andere Fernost-Börsen wurden in den Abwärtsstrudel mitgerissen. Selbst die Interventionen von Chinas Notenbank sind verpufft. Die Regierung rät weiterhin Aktien zu kaufen.

Wenn der "kleine Mann" auf Aktien spekuliert ist das im Prinzip nicht verwerflich. Sind doch Aktien durchaus auch Anlagewerte für Privatanleger. In China hat das zuletzt zu einer Erhitzung des Aktienmarkts geführt. Am 12. Juni 2015 verzeichnete der Leitindex der Börse in Shanghai sein Alltime-High mit 5176 Punkten. Seither ging es steil abwärts: bis heute hat der Index um fast 30 Prozent verloren.

Am Mittwoch gipfelte der Absturz an den Börsen in China, Hongkong sowie Japan erneut mit massiven massiven Kursverlusten. Zeitweise ist der Shanghai CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen aus dem Reich der Mitte um minus 8,2 Prozent abgestürzt. Zum Handelsende waren es nach Interventionen der Notenbank gerade noch 6,75 Prozent minus - und noch immer ein veritabler Börsencrash.

Die Aktien von über 1300 Unternehmen wurden am Mittwoch vom Handel ausgesetzt, nachdem es zu einem regelrechten Börsencrash gekommen war. Das entspricht immerhin 45 Prozent der Aktien im Shanghai Composite und im Shenzhen Component Index, die nicht mehr gehandelt wurden - teils auf Antrag der betroffenen Unternehmen selbst. Die von Chinas Notenbank angekündigten Maßnahmen konnten den Kursabsturz kaum bremsen. Laut Bloomberg hatte die Notenbank mehr als 500 Milliarden Yuan (73 Milliarden Euro) in den Aktienmarkt gepumpt. Weitere Geldspritzen hat die Notenbank bereits angekündigt, um die Börsen zu stützen. Regierungsnahe Unternehmen unterstützen sollen ebenso mit Stützungskäufen aktiv geworden sein. Analysten bezweifeln allerdings, ob die Märkte in Shanghai und Shenzhen zur Ruhe kommen.

Andere Börsen betroffen

Aber nicht nur in China, auch in Hongkong wurden die Aktienmärkte in die Abwärtsspirale mitgerissen. Der Leitindex Hang Seng ist um 5,84 Prozent auf 23.516 Punkte eingebrochen. Mitgerissen wurde auch der Nikkei 225-Index in Japan, der ebenso bis zum Handelsschluss 3,14 Prozent auf 19.737 Punkte verlosen hatte. Außerhalb Chinas wird befürchtet, dass die Nachfrage nach ausländischen Produkten zurückgehen könnte. Die Verlangsamung des Wachstums in der Industrie in China wird ebenso mit größter Sorge beobachtet.

Selbst im fernen Deutschland sind die Kurse bei den stark exportorientierten Unternehmen unter dem Eindruck der Börsenpanik im Reich der Mitte zurückgegangen. Der DAX notiert am Mittwoch zwar mit rund einem Prozent stärker. Aber VW, BMW und Daimler verzeichnen Kursverluste zwischen 0,5 und fast zwei Prozent. Volkswagen verkauft immerhin rund 46 Prozent seiner rund 1,5 Millionen produzierten Autos nach China. Bei BMW entfallen auf China 26 Prozent, bei Mercedes-Benz (Daimler) 18 Prozent der Produktion. Die VW-Töchter Audi und Porsche verkauften 30 bzw. 26 Prozent ihrer Autos nach China.

Gebremstes Wachstum

Die Wachstumsziffern der zweitgrößten Wirtschaft deuten daraufhin, dass der Börse in China die Luft ausgehen könnte. Chinas Wirtschaft wird laut offiziellen Angaben nur noch um sieben Prozent wachsen - so schwach wie seit dem Jahr 2009 nicht mehr. Laut Experten sei das die absolut "unterste Grenze". Für das Jahr 2014 konnte China noch 7,9 Prozent Wirtschaftswachstum melden.

Finanzexperte Mark Möbius von Franklin Templeton hatte schon vor Wochen gewarnt, dass es mit der Aufwärtstendenz in China bald vorbei sei. China-Kenner und Fondsmanager hatte vor der Überhitzung geradezu gewarnt, nachdem der Shanghai Composite Index binnen Jahresfrist 150 Prozent zulegen konnte, in Shenzhen konnten die Kurse um das dreifache zulegen.

Kleiner Mann - was nun?

Getragen war der Börseboom in erster Linie von dem "kleinen Mann". Aktienkäufe auf Pump erfolgen, viele Anleger geradezu ermuntert werden, dann ist eine Überheizung so gut wie absehbar. Chinas Regierung hatte gemeinsam mit den Banken Privatanleger geradezu ermuntert in Aktien anzulegen, nachdem die Rendite auf Immobilien im Jahr 2014 massiv zurückgegangen war.

Und auch nach dem Börsencrash rät die Regierung staatlichen Banken und Versicherern von Panik-Verkäufen ab. Sie sollten stattdessen die Gunst der Stunde nutzen und ihre Anteile an börsennotierten Unternehmen ausweiten, erklärte das Finanzministerium der Volksrepublik am Mittwoch. Die Kurse seien "unterhalb eines angemessenen Niveaus".

Was die Regierung den vielen Privatpersonen nun rät, die zum Teil auf Pump, also kreditfinanzierte Wertpapierkäufe getätigt hatten, ist bisher noch nicht bekannt. In den vergangenen Jahren hatte selbst die Regierung dem "kleinen Mann" immer wieder die Veranlagung von Aktien geradezu schmackhaft gemacht. Viele Taxifahrer, Studenten, Teenager und Pensionisten hatten mit dem Blick auf steigende Aktienkurse sich sogar verschuldet, um an der Börsenrally dabei zu sein.

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