OPEC-Treffen: Öl-Produktion könnte sogar ausgeweitet werden

OPEC-Treffen: Öl-Produktion könnte sogar ausgeweitet werden
OPEC-Treffen: Öl-Produktion könnte sogar ausgeweitet werden

In den USA sind wieder mehr Bohrtürme in Betrieb, die Förderung läuft dort wie auch in Saudi-Arabien auf Hochtouren. Das Treffen der OPEC in Wien wird mit Spannung erwartet.

Weiterhin wird weltweit viel mehr Öl gefördert, als verbraucht wird. Der Brent-Ölpreis hat sich seit Jahresbeginn erholt und pendelt um die Marke von 65 US-Dollar. Am Freitag treffen sich die OPEC-Mitglieder in Wien: Insider vermuten eine gleichbleibende Förderquote, manche Beobachter glauben sogar an eine Ausweitung der Ölförderung.

Das Treffen der OPEC (Organisation Erdöl exportierender Länder) an diesem Freitag in Wien rückt immer stärker in den Fokus. Insidern zufolge werde das Ölkartell mit seinen zwölf Mitgliedsstaaten an seiner hohen Förderung festhalten. "Unter OPEC-Mitgliedern aus der Golf-Region und anderen Gegenden herrscht Einigkeit darüber, die Förderquoten unverändert zu lassen", sagte ein hochrangiger Insider der OPEC. Der Ölreis stieg seit Jahresbeginn um 40 Prozent an, er hält sich relativ stabil um die Marke von 65 US-Dollar. Derzeit kostet ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent rund 65,17 US-Dollar, die leichtere Sorte WTI (West Texas Intermediate) notiert mit rund 60 US-Dollar.

Auch Rohstoffexperten der Commerzbank halten eine Kürzung des Produktionsziels für "ausgeschlossen". Es mehren sich die Gerüchte, dass die Produktion vielleicht sogar ausgeweitet werden könnte. Damit würde die OPEC seinen Kampf um Marktanteile intensivieren, insbesondere gegenüber US-amerikanischen Schieferölfirmen. Experten der Barclays Bank halten Unruhen und Kämpfe im Nahen Osten und die davon ausgehenden Risiken für den Rohöl-Nachschub auch eine Aufstockung der Fördermengen für möglich.

Bereits Anfang Mai nahmen die Spekulationen zu, der Ölpreis könnte wieder anschwellen. Doch seither zeigte der Ölpreis kaum eine nennenswerte Veränderung. "Der Ölpreis beruht in erster Linie auf Erwartungen", schreiben die Analysten der Commerzbank. Nach wie vor sei ein Überangebot des schwarzen Goldes vorhanden. Die Bank Goldman Sachs schätzt das Überangebot an Öl in der zweiten Hälfte des Jahres bei rund 1,9 Millionen Barrel pro Tag.

Im Mai schwankte der Ölpreis zwischen 61 und knapp 68 US-Dollar.

Aktuelle Brent-Ölpreis-Entwicklung und Chart

Wieder mehr Bohrtürme in den USA in Betrieb

Die Vereinigten Staaten wollen sich mit der exzessiven Schieferöl-Förderung von den arabischen Ölstaaten unabhängig machen. Seit Monaten quellen die US-amerikanischen Lagerstätten über: Laut US-Energieministerium (EIA) lagerten Ende Mai rund 479 Millionen Barrel Rohöl - ein leichter Rückgang gegenüber dem Monatsanfang (487 Millionen Barrel Rohöl). Dennoch befindet sich die Lagermenge seit dem Jahr 1930 auf einem Rekordhoch.

Gemessen an der Zahl der aktiven Bohrtürme scheint sich die Produktion wieder verstärkt zu haben. Laut Zahlen des Öldienstleisters Baker Hughes wird derzeit (Stand: 3. Juni 2015) an 875 Bohrtürmen in den USA Öl gefördert. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von 53,1 Prozent. Anfang Mai waren es hingegen noch 679 aktive Bohrtürme, die Förderung steigt wieder etwas an.

Nicht nur in den USA, auch in Saudi-Arabien, dem Land mit den weltweit zweithöchsten Ölreserven - läuft die Produktion weiterhin auf Hochtouren. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg pumpte das Mitgliedsland der OPEC im Mai im Schnitt 10,25 Millionen Barrel Rohöl pro Tag an die Erdoberfläche. Damit bleibt die Fördermenge auf dem Rekordwert vom Vormonat und sorgt weiter für ein Überangebot an Erdöl auf dem Weltmarkt. Im Schnitt erwartet die OPEC 2015 einen Tagesbedarf von 92,5 Millionen Fass Öl.

Der saudiarabische Minister Ali al-Naimi kurz vor dem Treffen in Wien von "sehr positiven" langfristigen Aussichten. "Wir befriedigen derzeit die weltweite Nachfrage, und ich sehe nicht, dass sich dies ändert." Sein Kollege aus Katar, Mohammed al-Sada, sagte: "Die weltweite Konjunkturerholung zeigte ermutigende Signale, und die Öl-Nachfrage zieht an." Der Markt dürfte im zweiten Halbjahr ausgeglichener sein, sagte al-Sada.

Heuer mehr Ölbedarf als 2014

2015 werde sich laut OPEC der weltweite Ölbedarf beschleunigen. 2014 kletterte der Ölbedarf um fast eine Millionen Barrel pro Tag, heuer soll der Zuwachs rund 1,18 Millionen Barrel betragen.

Die OPEC hatte sich bei ihrem Treffen Ende November 2014 trotz eines weltweiten Überangebots bei gleichzeitig schwächelnder Nachfrage gegen eine Senkung der Fördermenge entschieden. Die Obergrenze für die Mitgliedsländer des Kartells betrug weiter 30 Millionen Barrel am Tag.

Ziel der OPEC ist es, die Erdölpolitik ihrer derzeit zwölf Mitglieder gegenüber den internationalen Ölkonzernen zu koordinieren. Zur Organisation gehören Algerien, Angola, Libyen, Nigeria, Irak, Iran, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ecuador und Venezuela.Die OPEC-Länder fördern mehr als 40 Prozent des Rohöls weltweit und besitzen etwa drei Viertel der bekannten Reserven.

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