Online-Anzeigenmarkt Scout24 holt über eine Milliarde von der Börse

Online-Anzeigenmarkt Scout24 holt über eine Milliarde von der Börse

Die Papiere des Online-Portals Scout24 debütierten am Donnerstag auf dem Parkett in Frankfurt.

Der Internet-Kleinanzeigenbetreiber Scout24 hat den Sprung an die Börse geschafft: Der Aktienkurs lag leicht über Ausgabepreis - Altaktionäre kassierten den Löwenanteil des Erlöses.

Berlin/München. In einem zuletzt volatilen Umfeld hat der Internetportalanbieters Scout24 den Sprung an die Börse geschafft. Die Aktie startete am Donnerstag bei ihrem Debüt in Frankfurt bei 30,75 Euro und lag damit leicht über dem Ausgabepreis von 30 Euro. Mit einem Emissionsvolumen von 1,15 Milliarden Euro ist der Börsengang zwar kleiner als im optimistischsten Szenario, aber immer noch einer der bislang größten in diesem Jahr in Deutschland.

Den Löwenanteil des Erlöses kassieren die Altaktionäre, vor allem die Finanzinvestoren Hellman & Friedman und Blackstone sowie die Deutsche Telekom.

Der erste Kurs betrug in Frankfurt im elektronischen Handel 30,75 Euro - zu Mittag lag er bei 30,23 Euro. "Wir sind sehr zufrieden mit dem positiven Feedback der Investoren", sagte Scout24-Vorstandschef Greg Ellis. Sein Unternehmen konnte damit der zuletzt schlechten Stimmung an den Börsen trotzen.

Dickschiffe wie die Bayer-Kunststoffsparte Covestro und der Autozulieferer Schaeffler tun sich bei den derzeitigen Sorgen um die Konjunktur schwer, Investoren anzulocken. Scout24-Chef Greg Ellis stimmte nicht in das Klagelied ein. Er läutete die Börsenglocke auf dem Parkett in guter Stimmung: "Der jetzige Zeitpunkt war genau richtig", sagte er. "Wir haben von den Anlegern ein sehr positives Echo bekommen." Scout24 sei ein stabiles Unternehmen und reif für die Börse.

Die Firma betreibt die Online-Portale ImmobilienScout24 und AutoScout24. Anders als bei den großen Industrieunternehmen ist das Geschäft nicht besonders schwankungsanfällig. Das half im aktuellen Marktumfeld, in dem die Ausschläge nach oben und unten groß sind und andere Börsenkandidaten zittern müssen. Für Scout24 war es bereits der zweite Anlauf. Nun platzierte das Unternehmen insgesamt 38,64 Millionen Aktien in der Mitte der Preisspanne, die auf 29,50 bis 31 Euro eingeengt wurde.

Dem Anbieter von Portalen wie Autoscout24 und Immobilienscout24 selbst fließen aus einer Kapitalerhöhung über 7,6 Millionen neue Aktien damit rund 228 Mio. Euro zu. Damit sollen die Schulden gesenkt und neues Wachstum finanziert werden.

Auf eine Dividende müssen die Anleger deshalb trotz gut laufender Geschäfte noch warten. Das meiste Geld streichen die Finanzinvestoren Hellman & Friedman und Blackstone sowie die Deutsche Telekom ein. Sie brachten insgesamt 26 Millionen Aktien an den Mann. Hinzu kommt eine Platzierungsreserve. Der Streubesitz liegt jetzt bei über 30 Prozent, insgesamt wird Scout24 mit gut drei Milliarden Euro bewertet. An den Aktienmarkt begleitet wurde die Firma von den Banken Credit Suisse und Goldman Sachs.

Die Deutsche Telekom hatte Anfang vergangenen Jahres ein 70-Prozent-Paket an der einstigen Tochter verkauft und damit einen Ertrag von 1,7 Mrd. Euro eingestrichen. Nach dem Börsengang werden die Bonner noch zwischen rund 12,1 und 13,5 Prozent der Aktien halten - je nachdem, wie sehr die begleitenden Banken von der Mehrzuteilungsoption Gebrauch machen.

Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat bei Scout blieben nach wie vor mit einem kleineren Anteil am Unternehmen beteiligt, hieß es.

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Scout24 einen Umsatz von 342 Mio. Euro und verdiente operativ (Ebitda aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit) 149 Mio. Euro. Für Scout24 ist es der zweite Versuch, an die Börse zu gehen. Im Herbst 2014 hatte das Unternehmen seine Pläne wegen der schlechten Stimmung an den Märkten auf Eis gelegt.

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