OMV trotzt Ölpreisverfall mit guten Raffineriegeschäft

OMV trotzt Ölpreisverfall mit guten Raffineriegeschäft
OMV trotzt Ölpreisverfall mit guten Raffineriegeschäft

Raffinerie der OMV in Schwechat.

Die niedrigen Ölpreise setzen der OMV auch im zweiten Quartal zu: Der Umsatz bricht um 38 Prozent auf 5,726 Milliarden Euro ein, das EBIT fällt mit 222 Millionen Euro um 4 Prozent geringer aus im Vergleich mit dem Vorjahresquartal. Während die Erträge in der Öl- und Gasförderung massiv sinken, läuft das Geschäft mit der Weiterverarbeitung von Öl zu Treibstoffen auf Hochtouren.

Wie viele andere Ölkonzerne und Dienstleister der Ölbranche hat auch die OMV (ISIN AT0000743059) mit dem niedrigen Ölpreis zu kämpfen. "Im zweiten Quartal 2015 zeigte der Ölpreis eine geringe Verbesserung im Vergleich zum Beginn des Jahres, trotzdem bleibt das operative Umfeld für OMV herausfordernd", sagt OMV-Generaldirektor Rainer Seele. So brach der Umsatz im zweiten Quartal um 38 Prozent auf 5,726 Milliarden Euro ein. Die Produktion stieg hingegen um 4.000 Barrel auf 307.000 Barrel pro Tag, obwohl im jemen und Libyen aufgrund von Konflikten die Produktion stillsteht. Dafür stieg die Produktionsmenge in Norwegen. Das Betriebsergebnis (EBIT) fiel mit 222 Millionen Euro 4 Prozent geringer aus als im zweiten Quartal 2014.

Der um Lagereffekte bereinigte Betriebsgewinn (CCS Ebit) blieb mit 375 (Vorjahr: 369) Millionen Euro etwa stabil. Unter dem Strich stieg der Gewinn des teilstaatlichen Konzerns jedoch um 80 Prozent auf 309 Millionen Euro. Dieser Gewinnsprung sei hauptsächlich auf die höheren Ergebnisbeiträge des Kunststoffherstellers Borealis zurückzuführen, an dem die OMV 36 Prozent hält.

Die OMV-Aktie notiert aktuell bei rund 23 Euro.

Vor allem in seinen Raffinerien hat der Wiener Konzern so viel verdient wie schon lange nicht mehr. Auch große Ölkonzerne wie etwa BP oder Repsol haben zuletzt dank ihres Raffineriegeschäft mehr verdient. Während der stark gesunkene Ölpreis die Gewinne im Geschäft mit der Öl- und Gasförderung schmälert, läuft das Geschäft mit der Weiterverarbeitung von Öl und hochwertigen Treibstoffen wie geschmiert. Mit 269 Millionen Euro verdreifachte sich das CCS EBIT vor Sondereffekten im Vergleich zu 71 Millionen Euro im zweiten Quartal 2014. Doch wegen Überkapazitäten in Europa erwartet OMV im zweiten Halbjahr einen Rückgang der Raffinerie-Margen gegenüber der ersten Jahreshälfte.

OMV will nicht um jeden Preis im Iran investieren

Im ölreichen Iran, das nach dem Wegfall der Sanktionen zahlreiche internationale Investoren anzieht, will die OMV nur unter gewissen Voraussetzungen investieren. Derzeit seien die Rahmenbedingungen für ausländische Investoren nicht attraktiv genug, sagte Konzernchef Rainer Seele. "Ich kann aber erkennen, dass es einen sehr starken Willen gibt, attraktive Konditionen zu setzen", sagte der Manager.

Um in die Ölförderung zu investieren, müsse der Iran einerseits wirtschaftlich attraktive Konzessionsverträge anbieten und andererseits der Ölpreis wieder anziehen, sagte Seele. Ölkonzerne stehen derzeit wegen des stark gesunkenen Ölpreises bei Großinvestitionen auf der Bremse. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, sei der Iran für das österreichische Unternehmen aber eine "große Möglichkeit".

Um sich vor Ort ein Bild zu machen, will der seit Juli amtierende OMV-Chef gemeinsam mit einer österreichischen Wirtschaftsdelegation Mitte September in das islamische Land reisen. Die Gruppe wird von Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer angeführt. Österreichs Industrie erhofft sich in den kommenden vier bis fünf Jahren eine Verdreifachung der Exporte auf rund 600 Millionen Euro.

Ölpreise weiter unter Druck

Im Geschäft mit der Öl- und Gasförderung brach der bereinigte Betriebsgewinn wegen des starken Rückganges des Ölpreises um 67 Prozent auf 116 Millionen Euro ein. Ein Fass Öl der Nordsee-Sorte Brent kostet derzeit knapp 49 Dollar und damit etwa halb so viel wie vor Jahresfrist.

Grund dafür ist neben den enormen Überkapazitäten am Markt auch die Konjunkturflaute in China. Die chinesische Zentralbank hat die Landeswährung Yuan am Mittwoch zum zweiten Mal abgewertet. Ein Barrel (159 Liter) kostete zur Lieferung im September 48,87 US-Dollar. Der US-Ölpreis steht damit nur knapp über dem Sechs-Jahrestief bei 42,03 Dollar.

Der Ölpreis steht derzeit nur wenige Dollar über dem Sechs-Jahres-Tief von 42,03 Dollar.

Neben der schwachen Wirtschaft in China setzte auch eine Meldung der OPEC dem Ölpreis zu: Demnach befindet sich die Fördermenge der Mitgliedsstaaten der OPEC im Juli auf dem höchsten Stand seit drei Jahren. Das Fördervolumen stieg um durchschnittlich rund 100.000 Barrel pro Tag auf täglich 31,5 Millionen Fass Öl.

Große Ölkonzerne wie Shell oder Chevron haben auf den niedrigen Ölpreis bereits mit einem massiven Jobabbau reagiert. Auch bei OMV stehen die Zeichen auf Sparen. Die Österreicher wollen aber ohne einem größeren Stellenabbau auskommen. Seine Investitionen hat der Konzern bereits gekürzt: Im laufenden Jahr will OMV dafür noch 2,7 Milliarden Euro ausgeben nach 3,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

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