OMV-Chef Seele plant Deal mit Russland

OMV-Chef Seele plant Deal mit Russland

Die leicht gestiegenen Ölpreise und die vorteilhafte Entwicklung des Euro-Dollar-Wechselkurses wirkten sich positiv auf das Quartalsergebnis der OMV aus.

Der neue Vorstandschef Rainer Seele will beim Wiener Öl- und Gaskonzern OMV einen Deal an Land ziehen, der ihm beim Kasseler Konkurrenten Wintershall nicht geglückt ist: die Ausbeutung von Teilen einer Lagerstätte in Sibirien - die zu den weltweit größten Öl- und Gasfeldern gehört - gemeinsam mit dem russischen Energiegiganten Gazprom. Die OMV kann neue Einnahmequellen gebrauchen: Zum Jahresauftakt halbierte sich der bereinigte Betriebsgewinn auf 333 Millionen Euro. Im zweiten Quartal stieg die Gesamtproduktion dank höherer Mengen in Norwegen und Neuseeland leicht um ein Prozent auf 307.000 Barrel pro Tag.

Die Chancen in den riesigen rohstoffreichen Weiten Russlands in die Produktion einzusteigen, stuft Seele inzwischen ungeachtet der andauernden Spannungen mit dem Westen wegen der Ukraine-Krise als gut ein, wie er in einem Video-Blog zu seinem Amtsantritt sagte.

Der neue Mann an der Spitze von Österreichs größtem Industriekonzern will keine Zeit verlieren. Schon bevor er Anfang Juli auf dem Chefsessel Platz nahm, erklärte OMV, künftig mit Gazprom zusammenarbeiten zu wollen. Unterzeichnet wurde die Absichtserklärung formal noch von OMV-Vorstand Manfred Leitner. Die Fäden im Hintergrund zog aber bereits Seele. Konkret geht es um eine Minderheits-Beteiligung an Teilen des Öl- und Gasfeldes Urengoy - exakt jenes Gebiet in der Nähe des Polarkreises, an dem eigentlich Wintershall, Seeles bisheriger Arbeitgeber, einen weiteren Anteil erhalten sollte.

Milliardendeal

Der geplante Milliardendeal zwischen den Deutschen und dem russischen Gasriesen war im Dezember wegen der Ukraine-Krise geplatzt. Wintershall hätte ein Viertel der Lagerstätte erhalten und im Gegenzug das deutsche Gashandels- und Gasspeichergeschäft abgegeben sollen. Kritiker in Deutschland befürchteten damals, dass sich durch das Geschäft die Abhängigkeit von Russland bei der Gasversorgung noch vergrößern könnte.

Seele hat in seiner Zeit bei Wintershall eng mit Gazprom zusammengearbeitet. "Er weiß wie es in Russland läuft. Ohne staatlichen Partner geht gar nichts", sagt ein Insider, der den neuen OMV-Chef gut kennt. Wintershall und Gazprom vereinbarten bereits vor vielen Jahren eine Zusammenarbeit bei der Öl- und Gas-Förderung in Russland. Mit dem deutsch-russischen Joint Venture Achimgaz fördert Wintershall bereits in einem anderen Teil der Urengoy-Lagerstätte in Sibirien.

Kein Neuland

Aber auch für OMV sind Geschäfte mit Gazprom kein völliges Neuland. Österreich war einst der erste westliche Staat, der langfristige Energie-Lieferverträge mit Russland bekam. In den 1990er-Jahren hatte OMV zuletzt versucht, dort Fuß zu fassen. Auch aus der jüngst geplanten Zusammenarbeit der beiden Konzerne bei der Gas-Pipeline South Stream wurde nichts. Russland stoppte die Bauarbeiten für die Pipeline, die die Ukraine umgangen hätte.

Die Verhandlungen zwischen OMV und Gazprom sind nach Darstellung eines Gazprom-Insider noch im Anfangsstadium. Im Falle einer Einigung soll das Geschäft - so wie beim geplatzten Wintershall-Gazprom-Deal - über einen Anteilstausch abgewickelt werden. Welche Anteile OMV hergeben würde, ließ der Konzern bis dato offen.

OMV-Chef Seele kann neue, lukrative Einnahmequellen gut gebrauchen, denn der Ölpreisverfall nagte zuletzt am Gewinn. Zum Jahresauftakt halbierte sich der bereinigte Betriebsgewinn auf 333 Millionen Euro. Die Produktionsausfälle in den Krisenländern Libyen und Jemen konnten hingegen zuletzt gut abgefedert werden. Im zweiten Quartal stieg die Gesamtproduktion dank höherer Mengen in Norwegen und Neuseeland leicht um ein Prozent auf 307.000 Barrel pro Tag. Die Bilanz des ersten Halbjahres will OMV am 12. August veröffentlichen. An diesem Tag wird auch Seele der Öffentlichkeit erstmals Rede und Antwort stehen und seine Pläne - auch die in Russland - erläutern.

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