Ölpreis fällt auf tiefsten Stand seit sechs Monaten

Ölpreis fällt auf tiefsten Stand seit sechs Monaten

Bohrtürme dicht an dicht in Dickinson, North Dakota. Der US-Bundesstaat ist der zweitgrößte Ölproduzent der USA.

Anfang Mai kostete ein Barrel (159 Liter) Öl 67 Dollar - ein Anstieg von von mehr als 40 Prozent seit Jahresbeginn. Derzeit dümpelt der Preis bei 52 Dollar - der tiefste Stand seit einem halben Jahr. Täglich werden zwei Millionen Fässer Rohöl zu viel produziert.

Der Verfall der Ölpreise hat sich auch am Dienstag fortgesetzt. Nordseeöl der Sorte Brent verlor bis zu 2,2 Prozent auf 52,28 Dollar je Barrel (159 Liter) und kostete damit so wenig wie zuletzt Anfang Februar. US-Leichtöl der Sorte WTI notierte mit 46,68 Dollar 1,5 Prozent niedriger. Fallende Aktienmärkte sorgten für negative Stimmung unter den Marktteilnehmern, erläuterten die Analysten der Commerzbank mit Blick auf die Fortsetzung der Talfahrt an den chinesischen Börsen. Da diese aber etwas abgebremst wurde und die europäischen Börsen nach den Vortagesverlusten etwas aufholten, begrenzten auch die Ölpreise ihre Verluste. So lagen Brent und WTI gegen Mittag nur noch 0,9 und 0,5 Prozent im Minus.

Aktuelle Brent- Ölpreis-Entwicklung und Chart

Viele Anleger fürchten, dass sich die Turbulenzen am Aktienmarkt negativ auf die chinesische Konjunktur auswirken und damit die Öl-Nachfrage aus der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft dämpfen könnte. Experten sehen den Abwärtstrend noch nicht beendet: "Es sieht nicht so aus, dass wir wie bei den Ölpreisen schon in der Nähe der Tiefpunkte sind", sagt etwa der Experte Michael McCarthy vom Handelshaus CMC Markets mit Verweis auf die weiter hohen Fördermengen.

Ölschwemme hält an

Der Markt ist überschwemmt von Öl: Etwa zwei Millionen Fässer täglich werden zu viel produziert. Der Überschuss hat dem Handelsunternehmen PVM Oil Associates zufolge das höchste Niveau seit 1998 erreicht. In diesem Zusammenhang warteten die Anleger mit Spannung auf die wöchentlichen Lagerdaten aus den USA. Analysten rechneten mit einem leichten Rückgang der Rohöl-Bestände und einem Anstieg der Benzin-Vorräte. Der Branchenverband API wird am Dienstagabend (MESZ) seine Schätzungen vorlegen, am Mittwochnachmittag (MESZ) folgt die Energiebehörde (EIA) in Washington.

Mit Stichtag 17. Juli lagerten 463,9 Millionen Barrel Rohöl in den USA - ein Anstieg von 20 Prozent oder 92 Millionen Barrel im Vergleich zum Juli 2014. Das vergangene Jahr entwickelte sich in den ersten sechs Monaten weit unter dem Niveau von 2015.

Leichter Anstieg von Bohrungen in den USA

Zuletzt belastete ein Anstieg der Bohrungen in den USA den Ölpreis. Von 17. bis 24. Juli wurden in den USA 19 neue Ölbohrungen aufgemacht - so viele wie zuletzt im April. Derzeit sind in den USA 876 Bohrtürme aktiv: Mehr als tausend Bohrtürme weniger als noch vor einem Jahr, aber rund 200 mehr als noch am ersten Mai (679).

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