Ölpreis: Saudi Arabien erwartet Absturz auf 60 Dollar

Ölpreis: Saudi Arabien erwartet Absturz auf 60 Dollar

Erdöl: Golfstaaten erwarten einen Preis von 60 Dollar.

Saudi Arabien, der mit Abstand wichtigste Erdölproduzent der OPEC, erwartet ein weiteres Abrutschen des Ölpreises auf 60 Dollar und eine anschließende Stabilisierung bei diesem Wert. Durch den niedrigen Ölpreis wird die Wirtschaftlichkeit vieler neuer Öl- und Gasprojekte in Frage gestellt.

Das Wiener OPEC-Treffen von Ende November, bei dem die Organisation der erdölfördernden Staaten die Fördermengen von 30 Millionen Barrel (á 159 Liter) täglich bestätigte, hat den Verfall des Ölpreises nicht beendet. Im Gegenteil. Ein Barrel der Erdöl-Sorte Brent wird aktuell um 70,31 Dollar gehandelt. Damit kostet das Barrel erneut um knapp sechs Dollar weniger als zum Ende des OPEC-Treffens vor einer Woche (75,94 Dollar). Gegenüber dem Hoch von 144,95 Dollar im Juli 2008 hat sich der Ölpreis mittlerweile sogar halbiert.

Bis zu dem Tiefststand von 34,24 Dollar, der dem unvergleichlichen Absturz des Ölpreises vom Sommer-Hoch des Jahres 2008 folgte und am 30. Dezember 2008 erreicht war, ist es allerdings noch ein weiter Weg. Dafür müsste sich der Ölpreis erneut halbieren.

Zielmarke: 60 Dollar pro Barrel

Saudi Arabien, der wichtigste Erdölproduzent der in der OPEC, erwartet nicht, dass es dazu kommen wird. Dem Wall Street Journal gegenüber erklärte ein Insider aus saudischen OPEC-Kreisen, dass der Verfall des Ölpreises bei etwa 60 Dollar ein Ende haben könnte. "Die Golfstaaten haben kein Preisziel und wenn die Preise weiter unter 60 Dollar fallen, wird das nicht lange andauern”, wird ein Vertreter der Golfstaaten von dem Blatt zitiert.

60 Dollar wären ein Preis, mit dem Saudi Arabien, das wichtigste und bestimmende Mitglied der OPEC, wohl gut leben könnte und mit dem auch die weiteren OPEC-Mitglieder noch zufrieden wären.

Eine Reduzierung der Erdölfördermenge zur Stabilisierung des Ölpreises, die etwa auch von Russland ersehnt wird, ist somit weiter nicht absehbar. Die Strategie der OPEC - und Saudi Arabiens - ist es, mit dem selbst geförderten Öl den Preis so weit zu drücken, dass damit andere Anbieter, die durchwegs höhere Produktionskosten haben - Schieferöl-Förderer in den USA, Europäer, die in der Nordsee nach Öl bohren und Russland - weiter unter Druck zu setzen.

Tatsächlich steht die Entwicklung zahlreicher Öl- und Gasfelder steht einer Studie zufolge wegen des niedrigen Ölpreises bereits auf der Kippe. Projekte im Wert von mehr als 150 Milliarden Dollar könnten 2014 gestoppt werden, wie aus Daten der norwegischen Beraterfirma Rystad Energy hervorgeht. Der niedrige Ölpreis mache diverse Vorhaben weltweit unrentabel.

Laut Rystad Energy stehen 2014 die endgültigen Entscheidungen über 800 Öl- und Gasprojekte im Volumen von 500 Milliarden Dollar an. Bei einem von Analysten prognostizierten Durchschnittspreis für ein Fass Rohöl von 82,50 Dollar im kommenden Jahr könnte die Genehmigung für ein Drittel der Ausgaben ausbleiben. Die Norweger verwiesen auf fraglich gewordene Vorhaben in den verschiedensten Regionen der Erde, von denen viele mit Fracking ausgebeutet werden sollen. Die Erkundung und Entwicklung neuer Felder wird immer kostspieliger. Neu entdeckte Vorkommen sind oft nur mit teurer Technologie zu erreichen.

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