Ölpreis-Absturz: Staatsfonds in Bedrängnis

Ölpreis-Absturz: Staatsfonds in Bedrängnis

Einigen Staatsfonds brechen wegen des erneut abgestürzten Ölpreises die Einnahmen weg. Deshalb plündern finanzschwache Regierungen zum Teil die Kassen ihrer Fonds, um Haushaltslücken zu schließen. Die Renditen der Fonds werfen derzeit allerdings zu wenig ab, um die Defizite auszugleichen.

Dies könnte wiederum dazu führen, dass die Fonds andere Beteiligungen wie Aktien in größerem Stil abstoßen müssen, um an Bargeld zu kommen. Fachleute befürchten, dass sich dieser Prozess beschleunigen und sogar in einem Teufelskreis münden könnte.

Daten der US-Investmentbank Morgan Stanley zufolge ist das Vermögen der Staatsfonds in den vergangenen 20 Jahren insgesamt auf bis zu 7 Billionen Dollar angewachsen. Doppeltes Pech haben jetzt aber vor allem Fonds, deren Gelder hauptsächlich aus dem Ölgeschäft stammen. Dazu zählen etwa die Investmentvehikel aus Saudi-Arabien, Russland und Norwegen. Denn die Ölpreise sind seit Juni 2014 um mehr als 60 Prozent auf unter 40 Dollar (36,42 Euro) je Fass gefallen. Damit brechen den Staatsfonds die Einnahmen weg. Dazu kommen mäßige Renditen im laufenden Geschäft, weil die Weltwirtschaft schwächelt.

In den ersten neun Monaten dieses Jahres zogen laut eVestment, einem führenden Anbieter von globalen Investment-Datenanalysen, Vermögensverwalter rund 27 Mrd. Dollar aus Staatsfonds ab. Allein im dritten Quartal waren es 19,5 Mrd. Dollar.

Der Preis für die Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) fiel erstmals seit Februar 2009 unter die 35-Dollar-Marke.

Saudi-Arabien zapft Reserven an

Große Ölförderer wie Saudi-Arabien haben angesichts der Misere bereits damit begonnen, ihre Reserven anzuzapfen. Das Vermögen des saudischen Staatsfonds Sama sank im Oktober auf den niedrigsten Stand seit Ende 2012. "Diese Zahlen lassen mich nachts nicht mehr schlafen", sagt Sony Kapoor, Chef der Denkfabrik Re-Define und Gastdozent an der London School of Economics. Und auch der Internationale Währungsfonds warnt: Saudi-Arabien könnte seinen finanziellen Fundus in weniger als fünf Jahren aufbrauchen, wenn das Königreich seine Staatsausgaben nicht in den Griff bekommt.

Ähnlich sieht es in Russland aus. Die dortige Regierung kündigte bereits an, 2017 seinem Staatsfonds Gelder entziehen zu müssen, um das Haushaltsloch zu stopfen. Sogar Norwegen dürfte sich wegen des Ölpreis-Verfalls im nächsten Jahr erstmals beim Staatsfonds bedienen, der vor mehr als zwei Dekaden gegründet wurde und ein Volumen von 835 Milliarden Dollar hat. Im zweiten und dritten Quartal schrieb er jetzt aber jeweils einen Verlust: Alleine im dritten Quartal waren es 29 Milliarden Euro. Über den Fonds hält Norwegen Anteile an 9000 Unternehmen und verfügt über 1,3 Prozent sämtlicher Aktien auf der Welt. Der größte Staatsfonds der Welt speist sich aus den Einnahmen der Öl- und Gasförderung.

"Man sollte einem Fonds nur Kapital in Höhe der Rendite entziehen", erklärt Sven Behrendt, Chef der Genfer Beratungsgesellschaft GeoEconomica. "In dem Moment, wo man mehr Geld nimmt, stellt man den Zweck dieser langfristigen Anlagefonds infrage." Vermögensverwaltern zufolge könnten die Öl-basierten Staatsfonds ihre besten Zeiten bald hinter sich haben. Andere Staatsfonds aus Asien sind indes aufgrund ihrer Aufstellung nicht oder nicht so stark vom Rückgang der Ölpreise betroffen.

Der Kampf um Marktanteile treibt den Ölpreis derzeit von einem Tief zum nächsten. Die Opec-Staaten fluten den Weltmarkt regelrecht mit Öl, um Konkurrenten mit höheren Förderkosten aus dem Markt zu drängen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Daher erwarten die Experten der US-Investmentbank Goldman Sachs, dass sich der Preis für die US-Ölsorte WTI 2016 auf 20 Dollar je Barrel (159 Liter) nahezu halbiert.

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