Nokia-Flop verhagelt Microsoft das Ergebnis

Nokia-Flop verhagelt Microsoft das Ergebnis

Noch nie in seiner rund 40-jährigen Geschichte hat Microsoft so viel Verlust eingefahren. 3,2 Milliarden Euro Quartalsverlust verbucht der Quasi-Monopolist von Bürosoftware. Mit Windows 10 soll der Neustart erfolgen. Und vieles anders und effizienter werden.

Microsoft galt bisher als die Cashmaschine der Technologiebranche. Schließlich wird in gut 90 Prozent der Unternehmen die Bürosoftware des Konzerns genutzt. Ein Umstieg auf Alternativen der Konkurrenz ist mittlerweile zu mühsam. Microsoft hat mit seinen Betriebssystem Windows sowie dem Bürosoftware-Paket Office einen Standard gesetzt. Und braucht sich ob seiner Quasi-Monopolsituation keine große Gedanken über die Geldflüsse machen, die in Strömen dem US-Konzern zufließen.

Angesichts dieser Tatsache erstaunt es dennoch, dass der Windows-Hersteller mit seinem aktuellen Ergebnis einen Systemfehler produziert hat, der das Ergebnis verhagelt. 3,2 Milliarden Dollar Verlust muss Microsoft für das abgelaufenen Quartal (Ende Juni) bilanzieren. Der Umsatz fiel gleichzeitig um fünf Prozent auf knapp 22,2 Milliarden Dollar. Der starke US-Dollar war dabei eine zusätzliche Belastung. Ohne die Wechselkursschwankung wäre der Umsatz lediglich um zwei Prozent gesunken.Vor Jahresfrist hatte der US-Konzern noch den üblichen Milliardenprofit eingefahren: 4,6 Milliarden Dollar Gewinn füllten die Kassen und Geldbörsel der Aktionäre.

Nokia wird komplett abgeschrieben

Im Sommer 2015 ist jedoch alles anders. Es ist die Zeit des Aufräumens, der Wertberichtung und Neuausrichtung. Dass Microsoft ein schlechtes Ergebnis abliefern würde, hat sich bereits Anfang Juli abgezeichnet. Der Nokia-Milliarden-Deal von 2014 wurde nun komplett abgeschrieben: 7,5 Milliarden Dollar wurden nun auf einmal wertberichtigt. Und 7800 Mitarbeiter aus der Mobilfunksparte werden bis Jahresende mit einem "Golden Handshake" gekündigt.

Microsoft steht vor dem größten Umbau in der Geschichte des Unternehmens. Microsoft CEO Satya Nadella, erst seit Februar 2014 in Amt und Würden, hat alle Hände voll zu tun, um das offenbar in die Jahre gekommene Softwareimperium wieder auf den richtigen Kurs zurückzuführen und auf die Zukunft auszurichten. Die Nokia-Handysparte hatte er mit der Übernahme der Chefposition geerbt. Ex-Chef Steve Ballmer hatte die Milliardenübernahme noch vollzogen. Microsoft zahlte Nokia insgesamt rund sechs Milliarden Euro und hatte 25.000 Nokia-Mitarbeiter übernommen.

Der große Schnitt

In der Zwischenzeit ist der Name Nokia aus der Microsoft-Produktpalette verschwunden. Der Verkauf der Microsoft-Smartphones mit Nokia-Know ist ein Flop. Bloß 2,7 Prozent Marktanteil stehen zu Buche. Das ist umso erstaunlicher, weil Nokia lange Jahre Handy-Weltmarktführer war.

Doch Microsoft-CEO Nadella fackelt nun nicht mehr lange. Stephen Elop, einst von Microsoft gekommener Nokia-CEO, der nach der Übernahme bei Microsoft wieder die Mobile-Abteilung leitete, wurde im Juni gefeuert. Nach dem Abbau der 7800 Mitarbeiter der Mobilfunksparte wird Microsoft noch rund 110.000 Beschäftige haben.

Das quasi vorhersehbare schlechte Ergebnis hat die Anleger dennoch beeindruckt. Die Microsoft-Aktie gab im nachbörslichen Handel 3,5 Prozent nach.

Microsoft-Chef Nadella will nun den Konzern verstärkt wieder auf das Kerngeschäft ausrichten: Software und Cloud Computing sind die beiden Steckenpferde, die Nadella bei jedem seiner Auftritte geradezu beschwört. Bei Cloud Computing, dem Zugriff auf Daten und Software via Internet auf externe Server, scheint die Richtung zumindest zu stimmen. Die Umsätze wurden hier verdoppelt. Auch hier hatte Vorgänger Ballmer allzu lange gezögert, um das Geschäftsmodell auf die Zukunft auszurichten.

Wie es im Mobilfunkgeschäft weitergehen soll, hat Nadella nur in groben Umrissen beschrieben. Weiterhin wird Microsoft unter eigener Marke Handys auf den Markt bringen. Auch am sogenannten "Eco-System", über das Nutzer sogenannte Apps abrufen können, die großteils auch von Drittentwicklern programmiert wurden, will Nadella festhalten. Die Geräte werden künftig höchstwahrscheinlich von Auftragsfertigern gebaut werden.

Frischer Wind mit Windows 10

Einen kräftigen Schub soll jedoch mittelfristig das neue Betriebssystem Windows 10 bringen, das Ende Juli auf den Markt kommt. Vor allem auch die Integration der Suchmaschine Bing sowie von Spielen in Windows 10 sollen neue Impulse geben. Die im Vorjahr vom Xbox-Hersteller gekaufte Firma Mojang und damit den Erfinder von Minecraft (Kaufpreis rund zwei Milliarden Dollar) soll ebenso der Spiele- und Unterhaltungssparte neuen Auftrieb geben.

Windows 10 ist das erste Betriebssystem, das für die unterschiedlichsten Endgeräte - PC, Laptop, Tablet oder Smartphones - entwickelt wurde. Microsoft steht hier auch unter Druck: Die Umsätze mit Windows sind um ein Fünftel gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Und auch der Umsatz mit PCs und Laptops stagniert derzeit. Die Umsätze können außerdem mit dem Verkauf von Tablet-Rechnern, die sich unverändert einer großen Nachfrage erfreuen, nicht aufgeholt werden.

Apple und Google habe außerdem Microsoft zuletzt stark zugesetzt - gerade mit Smartphones und Tablets sowie dem dazugehörigen Verkauf von Apps in deren "Eco-System".

Finanzen

Schon 75 Millionen Kunden: Netflix revolutioniert das Fernsehen

Börse

US-Konzerne: Quartalsgewinne brechen ein - Droht Rezession?

Finanzen

Zalando steigert Umsatz um ein Drittel - Gewinn ist aber noch unklar