Niedringszinstag statt Weltspartag: Das Sparbuch dient nur noch als Notgroschen

"Die Zeiten des Sparbuches als Killer-App sind vorbei", sagt Peter Bosek, Privat- und Firmenkundenvorstand der Erste Bank. Stattdessen weichen vor allem Haushalte mit einem Einkommen über 2900 Euro nun auf Alternativen aus - etwa auf Aktien.

Niedringszinstag statt Weltspartag: Das Sparbuch dient nur noch als Notgroschen

Rund drei Viertel der Österreicher befürchten, dass sich Sparen angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen - niedrige Zinsen und sinkende Reallöhne - weniger auszahlt. Allerdings machen sich erst 35 Prozent Gedanken über alternative Veranlagungen, während 20 Prozent auch darauf verzichten und ihr Geld gleich ausgeben. Alternativen werden in immer risikoreicheren Veranlagungen gesucht.

"Die Zeiten des Sparbuches als Killer-App sind vorbei", stellte Peter Bosek, Privat- und Firmenkundenvorstand der Erste Bank am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Wien unmissverständlich klar. Angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen müsste man den "Weltspartag" eigentlich in "Niedrigzinstag" umbenennen.

Das Sparbuch sei nur mehr als "Notgroschen" zur finanziellen Absicherung von besonderer Bedeutung, führte Bosek aus. Ein Produkt für Alles gebe es nicht mehr, weshalb Beratung wichtig sei. Bereits für geringe Renditeverbesserungen müssten derzeit wesentlich höhere Risiken eingegangen werden. Bosek geht nicht davon aus, dass sich dies in naher Zukunft ändern wird und erwartet keine raschen und "gigantischen" Zinserhöhungen. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde ihre kurzfristigen Zinsen noch lange tief lassen. Die österreichischen Sparer werden sich deshalb noch intensiver mit den Themen Vorsorge und Veranlagungen auseinandersetzen müssen.

Wenige Tage vor dem Weltspartag am 31. Oktober hat neben der Erste Bank auch die Bank Austria von Marktforschern die Stimmung unter den österreichischen Sparern erheben lassen. Demnach sind trotz des Niedrigzinsumfeldes das klassische Sparbuch und das Bausparen noch immer die beliebtesten Sparprodukte der Österreich. Deutlich im Aufwind befinden aber Wertpapiere, Investmentfonds und Investitionen in Firmen.

Pro Monat werden rund 200 Euro gespart

Laut der vom Marktforschungsinstitut Imas für die Erste erhobenen Daten stehen den Österreichern heuer im Durchschnitt monatlich 188 Euro zum Sparen zur Verfügung, laut Bank Austria-Studie (Spectra-Marktforschung) sind es 207 Euro. Die Sparquote - in Prozent des Einkommens - ist gemäß beiden Instituten von über 11 Prozent im Jahr 2007 auf aktuell 6,8 bzw. 6,1 Prozent zurückgegangen.

Real haben die Österreicher mit 1.667 Euro pro Kopf und Monat heuer auch deutlich weniger im Börsel als in den Jahren davor. 2009 waren es beispielsweise noch 1.753 Euro. Da gleichzeitig ein großer Teil des Lohnes für Konsum und Gebührenerhöhungen drauf gehe, sei eine private Vorsorge deutlich herausfordernder geworden, so Bosek.

Alternativen gesucht

35 Prozent der von der Erste Befragten suchen bereits nach Alternativen für das Sparbuch, und jeder Vierte hat sich auch schon Alternativen überlegt, mit denen er den Wertverlusten gegensteuern will. Am beliebtesten sind dabei Wertpapiere, Aktien, Fonds und Anleihen sowie Immobilien mit jeweils 26 Prozent der Nennungen. Mit Abstand folgen Gold und Edelmetalle (9 Prozent) und Bausparen (8 Prozent). Lebensversicherungen kommen auf 4 Prozent und Pensionsvorsorge auf 2 Prozent.

Insbesondere bei höheren Haushaltseinkommen über 2.900 Euro sei das Interesse an Wertpapieren und Investmentfonds deutlich gestiegen, so die Bank Austria. 38 Prozent der von ihr Befragten sparen nun weniger als früher und geben das Geld lieber aus. 32 Prozent weichen auf Produkte mit höheren Erträgen aus.

Nicht nur die Zinsen sind gesunken, sondern auch das Interesse der Österreicher, am Weltspartag die eigene Bankfiliale zu besuchen. Laut Bank Austria-Umfrage gaben nur 10 Prozent der Befragten an, am 31. Oktober "sicher" in die Bank zu gehen. Vor zwei Jahren waren es noch 17 Prozent. Weitere 8 Prozent "haben vor" in die Bank zu gehen, vor zwei Jahren waren es 6 Prozent. Beides hochgerechnet auf alle Österreicher wären das rund 1,32 Millionen. Zugpferd für einen Bankbesuch bleiben die Geschenke. Für viele ist es auch einfach Tradition, an diesem Tag Erspartes zur Bank zu bringen und den persönlichen Kontakt zu pflegen.