Niedrige Preise machen Ölförderung in der Nordsee unwirtschaftlich

Niedrige Preise machen Ölförderung in der Nordsee unwirtschaftlich
Niedrige Preise machen Ölförderung in der Nordsee unwirtschaftlich

Die Offshore-Erdölförderung wird wegen des niedrigen Ölpreises unrentabel

Der seit Monaten fallende Ölpreis setzt die Offshore-Erdölförderer unter Druck. Ihre Geschäftsmodelle rechnen sich nicht mehr. Mit dem Erdöl, dass aus den Tiefen des Meeres geholt wird, lässt sich wegen des enormen Aufwands und der hohen Förderkosten kaum mehr Geld verdienen. Die jahrzehntelang gut bezahlten Biohrinsel-Arbeiter zittern um ihre Jobs.

Die Ölförderer in der Nordsee schlagen Alarm. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Ölsorte Brent pendelt sich offenbar nachhaltig unterhalb der Marke von 50 Dollar (43 Euro) ein, das ist ungefähr das Niveau von 2009. Und für die Ölindustrie eine Katastrophe.

"Wir stehen kurz vor dem Kollaps", sagt Robin Allan, Chef des britischen Branchenverbandes Brindex, der vor allem kleinere Ölfirmen vertritt. "Beim derzeitigen Ölpreis ist es fast unmöglich, Geld zu verdienen."

Das ist eine dramatische Trendwende für die Nordsee-Ölindustrie und vielleicht der Anfang von ihrem Ende. Noch vor zwei Jahren hatte die Branche Investitionen von 120 Mrd. Dollar in die Nordsee-Ölförderung angekündigt - verbunden mit der Aussicht, die Produktion vielleicht noch einmal steigern zu können. Doch nun stellen die Förderunternehmen, ihre Lieferanten und Dienstleister alle Investitionspläne auf den Prüfstand oder legen sie auf Eis.

Ölpreis-Verfall (Chart vom 22. Jänner 2015)

Aktuelle Brent- Ölpreis-Entwicklung und Chart

Die Ölfelder in der Nordsee sind alt und erschöpfen sich. Zu den besten Zeiten, Ende der 90-er Jahre, wurden mehr als 250 Mio. Tonnen Rohöl pro Jahr in der Nordsee gefördert. Danach war der Zenit überschritten und die Produktion ging immer schneller zurück. Mittlerweile ist die Förderung nicht einmal mehr halb so hoch wie vor 20 Jahren.

Mit immer größerem technischen Aufwand haben es die Förderunternehmen geschafft, weiter Öl aus den Feldern herauszuholen. Speziell die Norweger gelten als Weltmeister darin, die Lagerstätten maximal auszufördern. Aber das kostet auch viel Geld. Seit 2011 sind auf den Ölfeldern vor der Küste Schottlands die Förderkosten um mehr als 60 Prozent gestiegen. Die Zulieferer und Service-Unternehmen haben beim Ölpreis oberhalb von 100 Dollar ihren Teil vom Kuchen abbekommen.

Doch der Ölpreis hat sich seit vergangenem Sommer mehr als halbiert. "Dieser Preisschock wird die Ölwelt langfristig verändern", sagt der Hamburger Energieexperte Steffen Bukold. "Die Renditerisiken teurer Ölprojekte und alternativer Energieangebote müssen nun grundsätzlich anders bewertet werden." Riskante Hochpreisprojekte würden es von nun an schwer haben, Investoren oder Kreditgeber zu finden.

Jobabbau und Existenzsorgen

In der schottischen Ölstadt Aberdeen geht die Angst um. Schon melden die ersten Ölkonzerne, dass sie ihr Personal reduzieren. In Norwegen stehen zehn Prozent der rund 100.000 Arbeitsplätze zur Disposition. Der staatliche Energiekonzern Statoil, dessen Geschäfte weit über die Öl- und Gasförderung in der Nordsee hinausreichen, will seine Kosten bis 2016 insgesamt um 1,3 Mrd. Dollar senken. Die norwegische Krone hat gegenüber dem Euro und dem Dollar schon kräftig abgewertet.

Die deutsche Förderung in der Nordsee ist vergleichsweise gering. Die Bohr- und Förderplattform Mittelplate im schleswig-holsteinischen Wattenmeer trägt rund 1,3 Mio. Tonnen jährlich zur deutschen Ölversorgung bei. "Die Erlössituation hat sich deutlich verschlechtert", sagt nun ein Sprecher des Betreibers RWE Dea. Ein laufendes Bohrprojekt werde noch abgeschlossen. Danach müsse man weitersehen.

Die Fördergebiete in der Nordsee wurden in den 70-er Jahren nach dem ersten Ölpreisschock als Alternative zum OPEC-Öl entwickelt. Heute trägt das qualitativ hochwertige Nordsee-Öl rund ein Viertel zur Versorgung Deutschlands bei, Norwegen und Großbritannien sind nach Russland die wichtigsten Öllieferanten. Seit der Ölkrise wird das Nordsee-Öl auch als strategische Ressource gesehen, um weniger abhängig von Lieferungen aus Russland und der OPEC zu sein.

Die britische Öl- und Gasindustrie hat Schritte formuliert, die jetzt nötig sind, um wettbewerbsfähig zu bleiben. "Wir müssen erstens unsere Kosten senken und unsere Effizienz erhöhen", sagt Malcolm Webb, Chef des Verbandes Oil&Gas UK. Zudem müsse die Besteuerung der Gewinne aus der Öl- und Gasförderung reduziert werden. Britische Förderfirmen zahlten 60 bis 80 Prozent Steuern, gegenüber 20 Prozent in der übrigen Wirtschaft.

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