Schon 75 Millionen Kunden: Netflix revolutioniert das Fernsehen

Schon 75 Millionen Kunden: Netflix revolutioniert das Fernsehen

Netflix-Chef Reed Hastings muss sich gegen Konkurrenten wie Amazon und Alibaba wappnen.

Weil bereits jeder zweite US-Haushalt Netflix-Kunde ist, will die größte Online-Videothek der Welt nun vor allem international wachsen. Allein im ersten Quartal sollen sechs Millionen Kunden hinzu kommen. Doch die globale Expansion drückt auch auf den Gewinn, wie aktuelle Zahlen zeigen.

Fernsehen ist ein Relikt aus dem vergangenen Jahrhundert, die Zukunft hingegen gehört dem Streaming: Über kostenpflichtige Websites und Apps suchen Zuschauer aus, welche Filme und Serien sie auf ihren Computer, Tablet, Smartphone oder smarten TV schauen wollen. Dadurch sind sie – im Gegensatz zum herkömmlichen Fernsehen – nicht mehr an den strikten zeitlichen Programmablauf des Anbieters gebunden, sondern können selbst bestimmen, wann sie wo auf welchem Gerät welche Inhalte konsumieren. Netflix (ISIN: US64110L1061), ein Pionier in dieser noch jungen Branche, setzt derzeit zur Eroberung der Welt an.

Mit Ende vergangenen Jahres hatte die Online-Videothek 75 Millionen Kunden, allein in den vergangenen zwölf Monaten kamen 17 Millionen hinzu. Anfang Jänner hatte Netflix den geographischen Markt von 60 auf 190 Staaten ausgebaut, darunter Russland, Indien und Saudi Arabien – einzig China fehlt in der Liste der größten Märkte. Basierend auf dieser Verbreiterung des Markts verkündet das Unternehmen, allein im laufenden ersten Quartal 2016 die Nutzerzahl um sechs Millionen ausbauen zu wollen.

Die geographische Ausweitung hat verschiedene Gründe. Erstens ist inzwischen auch die Konkurrenz in das Rennen um das Fernsehen der Zukunft eingestiegen – so etwa der US-Onlinehändler Amazon (ISIN: US0231351067) und der chinesische Web-Marktplatz Alibaba.com (ISIN: US01609W1027), der sich auf seinen Heimmarkt konzentriert und dort eine Kooperation mit dem Entertainment-Schwergewicht Disney eingegangen ist. Zweitens ist der Heimmarkt von Netflix beinahe gesättigt: In den USA ist inzwischen jeder zweite Haushalt Netflix-Kunde, das Wachstum bremst sich hier ein.

Mehr Umsatz – auch außerhalb der USA

Dies zeigt sich auch in den aktuellen Zahlen. Der Umsatz im vergangenen Quartal lag bei 1,6 Milliarden Dollar, nach 1,3 Milliarden Dollar im Vergleichsquartal des Vorjahres. Zwar machen die USA mit 1,1 Milliarden Dollar (917 Millionen Dollar im Q4/14) noch den Löwenanteil des Umsatzes aus, mit 566 Millionen Dollar (388 Millionen Dollar im Q4/14) sind die internationalen Märkte aber stark im Kommen. Die weltweite Expansion drückt zugleich auf den Gewinn: 111 Millionen Dollar betrug das EBITDA im vierten Quartal 2015 – der schlechteste Quartalsgewinn des Jahres und nur geringfügig mehr als im Vergleichsquartal des Vorjahres (110 Millionen Dollar).

Unter den Investoren kamen die Zahlen gut an: Im nachbörslichen Handel am Dienstag zog die Aktie um acht Prozent an, wiewohl sie am Mittwoch während der ersten halben Stunde wieder 5,78 Prozent an Wert verlor.

Am Mittwoch bestätigten etliche Analysten ihre Kauf- und Halteempfehlung. Derzeit empfehlen 52,2 Prozent der beim Finanz-Informationsdienst Bloomberg gelisteten Analysten die Aktie zum Kauf, 39,1 Prozent raten zum Halten der Aktie und nur 8,7 Prozent zum Verkaufen. Der 12-Monate-Zielkurs für die Netflix-Aktie liegt bei 126,55 Dollar, was beim Kurs von Dienstagabend einem Ertragspotenzial von 17,3 Prozent entspricht.

Im Verlauf der vergangenen zwölf Monate hat sich der Wert der Netflix-Aktie mehr als verdoppelt (plus 104 Prozent). Die Marktkapitalisierung von Netflix liegt bei 46,11 Milliarden US-Dollar – und das bei nur gut 2000 Mitarbeitern. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist mit 379,51 extrem hoch – hier setzen Investoren offenbar darauf, dass sich die Investitionen des Unternehmens mittel- bis langfristig rentieren und in höheren Gewinnen widerspiegeln wird. Solche Zukunftsinvestitionen sind bei Tech-Aktien nicht ungewöhnlich: Auch der Netflix-Konkurrent Amazon hat seit jeher ein hohes KGV, weil Amazons CEO Jeff Bezos gerne in neue Geschäftsfelder investiert – dennoch hat der Wert des Amazon-Papiers in den vergangenen zwölf Monaten über 90 Prozent zugelegt.

Netflix und seine Konkurrenten im Vergleich
Name Marktkapitalisierung (Mrd. USD) Schlusskurs 19.1. Anzahl Mitarbeiter KGV Empfehlungskonsens (1=starker Sell; 5=starker Buy)
Netflix 46,11 107,89 2000 379,51 3,87
Amazon 269,29 574,48 154.000 832,58 4,66
Alibaba 173,64 70,13 35.000 57,78 4,79
Quelle: Bloomberg/format.at/Stefan Mey

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