Nach Zwangspause: Athener Börse stürzt zur Eröffnung ab

Nach Zwangspause: Athener Börse stürzt zur Eröffnung ab

Nach fünf Wochen Tiefschlaf öffnet am Montag die Athener Börse wieder - mit Rekordverlusten.

Schwarzer Montag in Athen: Nach fünfwöchiger Zwangspause öffnet die Börse wieder und stürzt zu Handelsbeginn massiv ab: Der Athener Leitindex gibt um fast 25 Prozent auf 615 Punkte nach. Der griechische Bankenindex fiel um 29,9 Prozent. "Die Wahrscheinlichkeit, dass auch nur eine einzige Aktie steigen wird, ist gleich Null", sagte etwa Takis Zamanis vom Wertpapierhändler Beta Securities. Die Gespräche zwischen den Gläubigern und der griechischen Regierung werden indes heute fortgesetzt.

Am ersten Tag nach ihrer fünfwöchigen Zwangspause ist die griechische Börse so stark eingebrochen wie nie zuvor. Der Athener Leitindex fiel zur Eröffnung am Montag um fast 25 Prozent auf ein Drei-Jahres-Tief von 615,12 Punkten. Er folgte damit den Vorgaben des börsennotierte US-Fonds (ETF) auf griechische Aktien, der während der Zwangspause in Athen weiter gehandelt werden konnte. Dieser hatte seit Ende Juni etwas mehr als 20 Prozent verloren.

Besonders hart traf es am Montag die griechischen Banken: Drei der fünf im heimischen Branchenindex notierten Aktien fielen um die täglich maximal möglichen 30 Prozent. Anschließend wurde der Handel mit diesen Papiere wieder vorübergehend ausgesetzt. "Es gibt noch nicht ausgeführte Verkaufsorders im Volumen von 100 Millionen Euro", sagte Anlageberater Theodore Mouratidis. Daher müsse für Dienstag mit einem weiteren Kursrutsch gerechnet werden, falls nicht einige Anleger die Gelegenheit zum Einstieg nutzten.

Wie von den Händlern erwartet sackte der Athener Leitindex kräftig ab.

Dax und EuroStoxx50 weitgehend unbeeindruckt

Der Kurssturz in Athen ließ die Anleger anderer Börsen weitgehend kalt. Dax und EuroStoxx50 legten unter anderem dank ermutigender Firmenbilanzen jeweils 0,3 Prozent zu. Der Euro kostete mit 1,0973 Dollar ungefähr so viel wie am Freitagabend.

Constantine Botopoulos, Präsident des Kapitalmarkt-Kommitees, sagte Skai Radio, dass man bis Ende der Woche warten müsste, bis sich die Märkte etwas beruhigen. Die Inhaber griechischer Aktien hätten über Wochen nicht auf schlechte Nachrichten reagieren können und daher gebe es nun entsprechend Nachholbedarf, sagten Händler. So habe sich die Lage der Wirtschaft inzwischen verschlechtert. Zudem seien die Aussichten für das Land trotz der Vorgespräche für ein drittes Hilfspaket von 86 Mrd. Euro keineswegs klar.

Börse im Tiefschlaf

Die Börse ist seit 26. Juni geschlossen. Damals wurden auch die Banken des Landes dichtgemacht, weil Kunden aus Sorge vor einer Staatspleite ihre Konten räumten. Um die Kapitalflucht zu begrenzen, wurden Kapitalverkehrskontrollen eingeführt. Mittlerweile sind die Banken wieder geöffnet, es gelten aber noch Einschränkungen. So gelte nach wie vor ein Tageslimit bei den Abhebungen von 60 Euro.

Die Europäische Zentralbank hatte der Wiedereröffnung des Aktienmarktes bereits Anfang vergangene Woche zugestimmt. Da der Handel für Griechen aber eingeschränkt wird, gab es Verzögerungen. Hintergrund waren Probleme mit den IT-Systemen der Banken, die die Beschränkungen umsetzen müssen. Für ausländische Investoren sollen diese nicht gelten.

Einkaufsmanager-Index fällt auf Rekordtief

Nach den wochenlangen Bankenschließungen liegt die Industrie in Griechenland am Boden. Der am Montag vom Markit-Institut veröffentlichte Einkaufsmanager-Index fiel auf ein Rekordtief. Mit einem Wert von 30,2 Zählern ist der Wachstumsbereich oberhalb von 50 Punkten weit entfernt. Einen niedrigeren Stand haben die Forscher seit Beginn der Umfragen in dem Ägäis-Land 1999 noch nicht gemessen. Zudem sackten auch die Teil-Barometer für die Produktion und die Auftragseingänge jeweils auf Rekordtiefs ab.

Der Einkaufsmanager-Index fällt auf ein historisches Tief.

Seit dem Regierungswechsel in Athen Anfang des Jahres hat sich die dortige Wirtschaftslage Experten zufolge massiv verschlechtert. Zuletzt kamen viele Unternehmen nur schwer an Geld, eine Pleitewelle wird befürchtet. Die Industrie Griechenlands stellt nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin allerdings nur 12,6 Prozent der Wirtschaftsleistung und damit weit weniger als der Tourismus, auf den ein Anteil von 16,4 Prozent entfällt.

Steuerthemen im Zentrum der Verhandlungen

Indessen werden die am Freitag begonnenen Gespräche zwischen den Gläubigern und der Regierung in Athen über Reformschritte am Montag fortgesetzt. Im Mittelpunkt stehen Steuerthemen. Am Dienstag sollen dann die Privatisierungen unter die Lupe genommen werden. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen. Bei der Bahn gab es am Montag einen Streik gegen eine Privatisierung des Unternehmens. Die griechische Eisenbahn steht ganz oben auf der Liste der Staatsunternehmen, die privatisiert werden sollen.

Mit den anvisierten Reformen sollen die Voraussetzungen für ein neues Hilfsprogramm in Höhe von bis zu 86 Mrd. Euro geschaffen werden. Bis zum 20. August muss Athen 3,2 Mrd. Euro an die Europäische Zentralbank (EZB) zurückzahlen. An den Verhandlungen nehmen Experten der EU, der EZB, des Europäischen Sicherheitsmechanismus (ESM) sowie des Internationalen Währungsfonds (IWF) teil.

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