Libor-Skandal: Milliardenstrafen für Großbanken

Libor-Skandal: Milliardenstrafen für Großbanken
Libor-Skandal: Milliardenstrafen für Großbanken

Die UBS muss eine halbe Milliarde Strafe zahlen. Weitere Großbanken sollen verurteilt werden.

Sechs internationale Großbanken wurden wegen Manipulationen bei Devisen und Referenzzinsen im Zuge des Libor-Skandals zu Strafzahlungen von sechs Milliarden Dollar verurteilt. Alleine die Schweizer UBS muss 545 Millionen Dollar zahlen. Die US-Banken Citigroup und JPMorgan Chase sowie die britische Barclays Bank und die Royal Bank of Scotland bekannten sich in diesem erneuten Finanzskandal schuldig und wurden ebenfalls mit millionenschweren Strafen belegt.

Die US-Banken Citigroup und JPMorgan Chase sowie die britische Barclays Bank und die Royal Bank of Scotland bekannten sich im Libor-Finanzskandal schuldig und wurden wie die Schweizer Großbank UBS im Rahmen einer branchenweiten Einigung im Devisenskandal zu Strafzahlungen von insgesakt sechs Milliarden Dollar verurteilt.

Auf die Schweizer UBS entfallen 545 Millionen Dollar Strafe. Die Bank solle am billionenschweren und wenig überwachten Devisenmarkt getrickst haben. Die Deutsche Bank wurde in dieser Causa bereits im April wegen der Libor-Manipulation zu einer Strafe von 2,5 Milliarden Dollar verdonnert. Ermittler sehen es als erwiesen an, dass Händler in den betroffenen Instituten versucht haben, an wichtigen Kursen zu schrauben, um eigene Gewinne einzustreichen. "Das Verhalten einer kleinen Anzahl von Mitarbeitenden war inakzeptabel und wir haben entsprechende Disziplinarmaßnahmen ergriffen", erklärten UBS-Präsident Axel Weber und Konzernchef Sergio Ermotti.

Die UBS habe festgestellt, dass die Bank in Zusammenhang mit ihrem Devisengeschäft "unkorrekte" Geschäftspraktiken betrieben habe. Im vergangenen November hatte die UBS bereits 774 Mio. Franken (aktuell 743 Mio. Euro) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz abgeliefert. Ganz vom Haken ist die Bank in dem Bereich zudem nicht. Die UBS kooperiere bei den weiter laufenden Untersuchungen anderer Behörden.

Die nächsten UBS-Probleme

Der UBS stehen weitere teure Rechtsstreitigkeiten bevor. Im jüngsten Quartalsbericht listet die Bank zehn anhängige "Rechtsfälle, regulatorische und ähnliche Verfahren" auf. Die Rückstellungen dafür beliefen sich per Ende März auf 2,7 Milliarden Franken. Eine Übersicht:

UNVERSTEUERTE VERMÖGEN:

- USA: In den USA ermitteln die Börsenaufsicht SEC und der New Yorker Generalstaatsanwalt des Eastern Districts im Zusammenhang mit Inhaber-Wertpapieren (Bearer Bonds), wie im Februar bekannt wurde. Laut Medienberichten geht es um mögliche Beihilfe zu Steuerhinterziehung und Wertschriftenbetrug.

-Frankreich: Ende März 2015 wurde gegen die französische Tochter der UBS in Frankreich offiziell ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Hintergrund sind bereits seit drei Jahren laufende Untersuchungen, ob die Tochter Kunden beim Steuerbetrug geholfen hat. Die Behörden forderten eine Kaution über 40 Mio. Euro. Bereits 2014 hatte die UBS eine Kaution von 1,1 Mrd. Euro hinterlegen müssen.

- Die Einführung des Automatischen Informationsaustausches (AIA) könnte zu weiteren Untersuchungen führen, wie die UBS im Quartalsbericht schreibt.

US-HYPOTHEKENPAPIERE:

- Gegen UBS sind in den USA immer noch verschiedene Klagen im Zusammenhang mit hypothekengesicherten Papieren anhängig, die die UBS zwischen 2002 und 2007 verkauft hat. Die Kläger werfen der UBS vor, sie beim Verkauf dieser Papiere getäuscht zu haben. Sie fordern den Rückkauf der Hypothekenverbriefungen.

DARK POOLS:

- Die UBS-Tochter UBS Securities LLC hat im Jänner ein Verfahren im Zusammenhang mit ihrer anonymen Handelsplattform (Dark Pool) in den USA mit einer Geldzahlung von über 14 Mio. Dollar (12,5 Mio. Euro) zwar beigelegt. Weitere Untersuchungen unter anderem von der US-Börsenaufsicht SEC laufen jedoch. Dark Pools sind außerbörsliche Handelsplätze, an denen Investoren unbemerkt vom Rest der Investoren große Aktienpakete kaufen oder verkaufen können. Die Börsenaufsicht vermutet jedoch Unregelmäßigkeiten auf diesen Handelsplätzen. So sollen Kunden mit falschen Informationen auf diese Dark Pools gelockt worden sein, um ihnen dort möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen. Laut Statistiken der US-Finanzmarkt-Regulierungsbehörde betreibt die UBS gemessen an den Transaktionen den drittgrößten Dark Pool.

LIBOR:

- Weil die UBS an der Manipulation von Referenzzinssätzen wie dem Libor beteiligt war, hat sie unter anderem zwar bereits eine Strafe in der Höhe von 1,4 Mrd. Franken bezahlt. In gewissen Ländern laufen die Untersuchungen im Zusammenhang mit den Libor-Manipulationen aber weiter, weshalb die UBS weiterhin Rückstellungen für allfällige Strafen dafür in ihren Büchern führt.

WEITERE RECHTSFÄLLE:

- Im Geschäftsbericht der UBS sind darüber hinaus weitere große und größere Rechtsfälle aufgeführt, die noch nicht bereinigt sind. Dazu gehören unter anderem Nachwehen der Finanzkrise in der Form des Falls Madoff und eine Klage aus Puerto Rico. Laut Quartalsbericht belaufen sich in diesem Fall die Forderungen der Kläger auf über 1,1 Mrd. Dollar. Der Vorwurf ist, dass die UBS Kunden in Puerto Rico mit falschen Darstellungen Kommunalanleihen angedreht hat.

- Auch ein Streit um Kreditrisikoversicherungen mit den Wasserwerken von Leipzig figuriert seit Jahren in der Liste. Schließlich muss die UBS auch Mittel bereit halten, weil sie in der Schweiz wegen eines Bundesgerichtsentscheid von 2012 Gebühren, sogenannte Retrozessionen, an Kunden rückerstatten muss.

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