Milliardär verschwunden: Unruhe an Chinas Märkten

Guo Guangchang gilt als Warren Buffet Chinas. Nun ist der Milliardär und Unternehmer spurlos verschwunden, die Aktien seines Unternehmens Fuson wurden vom Handel ausgesetzt. In den chinesischen Medien ist von Korruptionsermittlungen die Rede, in sozialen Medien wird gar von einer Verhaftung in Shanghai berichtet.

Milliardär verschwunden: Unruhe an Chinas Märkten

Warren Buffett im Reich der Mitte: Milliardär Guo Guangchang.

Rätselraten bei der chinesischen Investmentgesellschaft Fosun: Der milliardenschwere Gründer und Chairman Guo Guangchang ist seit dieser Woche verschwunden. Die Onlinezeitung "Caixin" berichtet, die Fosun-Gruppe habe seit Donnerstagmittag keinen Kontakt mehr zum Unternehmensgründer und Verwaltungsratschef Guo. Fosun International erklärte am Freitag, das Unternehmen habe um die Aussetzung des Handels gebeten. Fosun kündigte zugleich eine Stellungnahme an, ohne einen genauen Termin dafür anzugeben.

Nutzer von sozialen Netzwerken hätten beobachtet, wie er am Flughafen von Shanghai von Polizisten abgeführt worden sei. Das Magazin "Caixin" schrieb von möglichen Korruptionsermittlungen gegen den Investor.

Die Nachricht sorgte nicht nur in China für Unruhe, sondern auch in Frankfurt, wo Fosun derzeit gleich um zwei Bankhäuser buhlt: die Privatbank Hauck & Aufhäuser und das deutsch-britische Institut BHF Kleinwort Benson. Bei letzterem hat allerdings die französische Privatbank Oddo & Cie mit einer höheren Offerte die Nase vorn. Sie bekam inzwischen unter Auflagen grünes Licht der EZB.

Guo gilt als Warren Buffett Chinas

Im August wurden Fosun und Guo von einem chinesischen Gericht im Zusammenhang mit Korruptionsermittlungen gegen den früheren Chef der staatlichen Bright Food Group, Wang Zongnan, genannt. Wang wurde seinerzeit zu 18 Jahren Haft verurteilt.

Guo, der als Warren Buffett Chinas gilt, ist einer der reichsten Männer des Landes. Sein Vermögen wird auf 5,7 Milliarden Dollar geschätzt. Nach Einschätzung von Moody's-Analystin Sally Yim geht die Bedeutung aber weit über die Landesgrenzen hinaus: "Dieser Vorfall dürfte bei den Aufsichtsbehörden im Ausland für Aufsehen sorgen." Immerhin sei Fosun international zuletzt aggressiv auf Wachstumskurs gewesen. "Im Moment ist es aber noch zu früh, um die Auswirkungen auf das Geschäft vorherzusagen." Die deutsche Finanzaufsicht BaFin wollte sich zur Sache nicht äußern.

Guo und der Fosun-Vorstandschef Liang Xinjun gründeten Fosun 1992 zusammen mit zwei Freunden, mit denen sie an der angesehenen Fudan Universität in Shanghai studiert haben. Mit wenig Eigenkapital rufen die vier zunächst eine Marktforschungsfirma ins Leben. Die Regierung in Peking liberalisierte damals eine Branche nach der anderen und Fosun war immer mit dabei: im Pharmasektor, der Immobilienbranche und der Stahl- und Eisenerzindustrie.

Seit Anfang dieses Jahrzehnts setzt die Gruppe verstärkt auf die Finanzbranche und Übernahmen im Ausland. Ganz oben auf der Einkaufsliste stehen Versicherungen und Firmen aus dem Gesundheits- und Konsumsektor. Bekannteste Beispiele: der portugiesische Versicherer Fidelidade, der Ferienanlagenbetreiber Club Med und die Zirkustruppe Cirque du Soleil.