Mehr Licht in grüne Investments

Fondsgesellschaften wenden zur Auswahl nachhaltiger Aktien unterschiedliche Kriterien an. Die Experten der Investors Challenge erklären, welche Vor- und Nachteile die einzelnen Ansätze haben.

Mehr Licht in grüne Investments

Fondsgesellschaften wenden bei der Auswahl der grünen Aktien, in die sie investieren, verschiedene Kriterien an. Je nachdem kann das Portfolio breiter - und damit eventuell auch ertragreicher - oder enger - aber dadurch vielleicht auch ökologisch eindeutiger - ausfallen. Die Experten der trend Investors Challenge, Stefan Walde, Leiter des Portfolio Managements bei der Hypo Tirol Bank, und Florian Hauer, Nachhaltigkeitsverantwortlicher bei der Kepler Fonds Gesellschaft, erklären, welche Vor- und Nachteile die einzelnen Bewertungsansätze für Anleger haben, um so den individuell besten Investmentweg wählen zu können.


Ausschlusskriterien

Florian Hauer

Florian Hauer, Kepler Fonds: "Besonders kritisch werden bei uns auch Unternehmen beurteilt, die gegen Arbeitsrecht verstoßen oder Kinder beschäftigen."

Wie der Name schon sagt, werden hier bestimmte Regeln definiert und jene Titel, die diese Vorgaben verletzen, aus dem Portfolio ausgeschlossen. Ein klassisches Beispiel sind Unternehmen aus der Tabak- oder Waffenproduktion. Kepler-Nachhaltigkeits-Verantwortlicher Hauer: "Besonders kritisch werden bei uns auch Unternehmen beurteilt, die gegen Arbeitsrechte verstoßen und systematisch Kinder beschäftigen." Größter Vorteil des Ansatzes ist die simple Ausgestaltung und die leichte Nachvollziehbarkeit der Kriterien. Hypo-Tirol-Experte Walde: "Der größte Nachteil ist jedoch das explizite Schwarzweiß-Denken, das keine Veränderungsprozesse bei Unternehmen fördert und den Kapitalmarktzugang für ganze Branchen erschwert."


Nachhaltigkeitsbilanz

Bei diesem Auswahlansatz wird in jeder Branche vermehrt in jene Titel investiert, die über vergleichsweise bessere Nachhaltigkeitswerte verfügen. Der Vorteil dieser Strategie ist, dass eine breite Streuung gewährleistet werden kann, da beispielsweise immer noch in Unternehmen der Erdölbranche investiert wird, jedoch lediglich in jene mit einer besseren Nachhaltigkeitsbilanz. Das kann natürlich als Nachteil gesehen werden. Denn immerhin leidet darunter die Gesamtbilanz des Portfolios. Weiters werden hier vor allem Unternehmen ausgewählt, die bereits über einen guten Nachhaltigkeitsscore verfügen.

Stefan Walde, Leiter des Asset Managements bei der Hypo Tirol Bank

Stefan Walde, Hypo Tirol Bank: "Reines Schwarz-weiß-Denken erschwert es Unternehmen, Kapital für Investitionen in Umweltschutzmaßnahmen zu erhalten."

Das sind oft Tech-Unternehmen, da diese in aller Regel leichter ein gutes Nachhaltigkeitsrating erhalten können. Gleichzeitig honorieren derartige Ausschlusskriterien keine Bemühungen, die eigene Nachhaltigkeit zu erhöhen. Unternehmen, die sich beispielsweise in einem Transformationsprozess befinden, werden erst ins Portfolio aufgenommen, wenn dieser bereits abgeschlossen ist. Experte Walde: "Damit entgehen Anlegern eventuell interessante Chancen."

Der Best-of-Class-Ansatz verwendet ein zusätzliches Branchenrating. Das heißt, dass ökologisch "schlechte" Branchen generell ausgeschlossen werden und das Portfolio mit Titeln aus den "vorbildlichen" Branchen bestückt wird. Dies ist zwar aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten interessant, jedoch verändert sich dadurch der Branchenmix auch stark - besonders in Richtung Healthcare und Technologie. Bei konsequenter Verfolgung würde dieser Ansatz Unternehmen in "schmutzigeren" Branchen gänzlich den Zugang zu den Kapitalmärkten verwehren. Dadurch wäre es für diese Unternehmen kaum noch möglich, etwaige Transformationsprozesse in Gang zu bringen.


ESG-Integration

Bei konsequenter Umsetzung werden hier beim Auswahlprozess die ESG-Risiken jedes einzelnen Titels getrennt und möglichst umfassend bewertet. Dieser Ansatz stellt das aufwändigste Auswahlverfahren dar. ESG-Kriterien werden auf allen Ebenen berücksichtigt und fließen in die gesamte Risikobewertung mit ein. Es findet eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse statt. Das bedeutet, dass Titel mit einem schlechteren ESG-Rating durchaus in den Fonds aufgenommen werden, sofern der Nutzen daraus für die Verbesserung der Umwelt als auch die Rendite für Investoren als hoch genug eingeschätzt wird. Unternehmen, die sich auf einem Transformationspfad befinden, werden am ehesten durch diesen Ansatz gefunden und belohnt. Für Anleger ist es schwerer, abzuschätzen, welche Portfoliozusammensetzung sich aus diesem Ansatz ergibt. Hypo-Experte Walde: "Aber sie wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer breiten und transparenten Zusammensetzung von grünen Aktien führen."


5 Fakten zum ESG-Rating

  • AUSSCHLUSS. Branchen wie Waffen- oder Tabakproduzenten werden ausgeschlossen.
  • BEST-IN-CLASS. Hier wird in jene Aktien investiert, die in ihrer Branche die besten Öko-Ratings aufweisen.
  • BEST-OF-CLASS. Hier wird der Best-in-Class-Ansatz mit einem zusätzlichen Branchenrating kombiniert. Das heißt, dass ökologisch "schlechte" Branchen ausgeschlossen und bessere bevorzugt werden.
  • ESG INTEGRATION. Jeder einzelne Titel wird bewertet und einer Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen: Welche Vorteile bringt der Titeln Anlegern und was bringt diesem Titel der Zugang zum Kapitalmarkt?
  • TRANSFORMATION. Werden weniger grüne Aktien in Ökofonds aufgenommen, erhalten sie Kapital für mehr Umweltschutzmaßnahmen.

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