Krisenwährung Gold mit kräftigem Durchhänger

Krisenwährung Gold mit kräftigem Durchhänger

Abwärtsbewegung: Der Goldpreis hat angeblich noch Luft nach unten.

Der Goldpreis geht weiter auf Talfahrt. Weder die Krise in Griechenland, der Kursabsturz an den Börsen in China noch eine zu erwartende Zinswende der US-Notenbank Fed können die Anleger überzeugen in Gold zu investieren. Der Goldpreis notiert am Montag auf Fünfjahrestief. Laut Analysten gibt es derzeit "spekulative Käufe".

Steckt die die Krisenwährung Gold nun selbst in der Krise? Am Montag ist der Goldpreis an den asiatischen Börsen jedenfalls auf Talfahrt gegangen: Ein Minus von über vier Prozent auf 1086 Dollar (997 Euro) - damit um 40 Dollar weniger als am Freitag - stand zwischenzeitlich zu Buche. Zum Börsenschluss in Shanghai konnte der Kurs für die Feinunze (31 Gramm) noch etwas aufholen und zumindest das Minus auf rund 1,7 Prozent reduzieren.

Bis Montagmittag hat der Goldpreis fast zwei Prozent verloren und notiert bei einem Preis von 1112 Dollar. Damit ist der Goldpreis auf tiefstem Stand seit fünf Jahren angekommen. Zum Höchststand in den vergangenen fünf Jahren notierte die Feinunze am 5.9.2011 bei 1900,20 Dollar. Heuer war der Höchststand am 22. Jänner 2015 bei 1302 Dollar.

Die Abwärtsbewegung könnte noch weiter gehen. David Baker von Baker Steel Capital Managers erwartet sogar ein Abrutschen des Goldpreises auf 1050 Dollar.

Als Grund sehen Analysten derzeit Spekulationen auf Gold. Analyst Victor Thianpiriya von der ANZ Bank in Singapur kommentierte: "Es sieht so aus, als wenn jemand das Umfeld niedriger Liquidität im Moment ausgenutzt hat."

Andere Analysten meinen, dass einige Trader Stop-Loss-Order gesetzt hatten, die nun beim Erreichen ihrer bestimmten Kurse ausgeführt wurden.

Einige Investoren sollen laut Marktbeobachtern auch dabei sein, ihre Veranlagungen von Gold in Rohstoffe umzuschichten. Vor allem das Verhalten Chinas hat die Edelmetallspekulanten überrascht.

Die Krise in Griechenland sowie zuletzt der kräftige Kursabsturz an den Börsen in China hatten die Hoffnung auf steigende Goldpreise befeuert. Und vile Anleger rechnene mit der Zinswende in den USA ebenso damit, dass dies dem Goldpreis weiter Auftrieb geben könnte. Die Zinswende wird bereits seit November 2014 diskutiert. Die US-Notenbank Fed hält sich weiterhin bedeckt. Für Herbst 2015 wurde bisher auf Seiten der Anleger mit der Zinswende gerechnet. Die US-Notenbanker halten sich jedoch weiterhin zurück, was ihre Pläne betrifft.

Die Flucht

Die jüngsten Angaben Chinas zu seinen eigenen Goldreserven, wie sie von Regierungsseite am Freitag nach Börsenschluss mitgeteilt wurden, hatte die Anleger überrascht. Für einige Anleger war dies offenbar der Startschuss gleich am Montag sich aus Gold zu verabschieden.

Der sinkende Goldpreis hat nun auch die Aktienkurse von Unternehmen im Goldgeschäft kräftig gerupft. Es kam zu Kursverluste von fünf bis 15 Prozent. Newcreast Mining, Australiens größter Goldabbauer, hat zehn Prozent auf 11,87 australische Dollar verloren. Evolution Mining verlor gar 15 Prozent. Die Aktie von Zijin Mining aus Hongkong hat um knapp über fünf Prozent verloren.

Platin und Silber folgen Gold

Goldanleger hatten mit einem größeren Engagement Chinas beim Aufkauf von Gold gerechnet. China ist selbst weltweit führend bei der Goldproduktion. Laut jüngsten Angaben hat China seit 2009 auch rund 604 Tonnen Gold gekauft. Der Gegenwert der Goldkäufe Chinas wird auf insgesamt 26 Milliarden Dollar geschätzt. Das Land mit den fünftgrößten Goldreserven hat somit nur rund 100 Tonnen pro Jahr gekauft, was laut Citigroup "dramatisch weniger" sei, als bisher am Goldmarkt erwartet wurde. Dennoch rechnen die Analysten von Amro Bank damit, dass China weiterhin auf Goldkäufe setzen wird.

Der sinkende Goldpreis hat auch anderen Edelmetallen Kursverluste beschert. Platin verlor gegenüber Freitag um 4,7 Prozent auf 947 Dollar pro Unze. Der Platinpreis ist somit so tief wie zuletzt im Jahr 2009. Gegenüber dem Jahresbeginn hat Platin um 19 Prozent bereits verloren.

Silber hatte zwischenzeitlich um 2,3 Prozent verloren, gegen Montagmittag notierte die Unze rund ein Prozent bei 14,72 Dollar im Minus.

* Mit Daten von Bloomberg und Reuters

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