Janet Yellen: Die erste Frau an der Spitze der US-Notenbank Fed

US-Präsident Barack Obama schlug 2013 die langjährige Fed-Mitarbeiterin und Uni-Professorin Janet Yellen als Nachfolerin Bernankes vor. Sie ist die erste Frau an der Spitze der 100-jährigen US-Notenbank.

Ben Bernanke begann seine acht Jahre andauerne Präsidentschaft der Federal Reserve Bank unter Georg W. Bush 2005.

Fed-Vizechefin Janet Yellen folgt Ben Bernanke in den Vorsitz der US-Zentralbank. Die 67-Jährige Ökonomin und Arbeitsmarktexpertin steht für einen lockeren geldpolitischen Kurs. Ihre erste große Herausforderung: Eine Blase bei Vermögenswerten zu entschärfen, ohne die Konjunktur zu schädigen.

Janet Yellen übernimmt ab 1. Februar die Präsidentschaft der mächtigsten Zentralbank der Welt. Als erste Frau and er Spitze der US-Notenbank steht sie vor großen Aufgaben. Was ihre beiden Vorgänger nicht schafften wird nun ihr großer Test: Blasen bekämpfen.

Die Ökonomin mit dem weißen Haar wurde bereits vor ihrer Nominierung von US-Präsident Barack Obama von den Märkten als künftige Fed-Chefin gefeiert, nachdem ihr wichtigster Konkurrent Larry Summers aus dem Rennen war. Sie gilt den Börsianern als Garantin des billigen Geldes, mit dem die Notenbank die Wirtschaft zwischen Chicago und Los Angeles seit Jahren anschiebt und die Börsen weltweit bei Laune hält.

Künftige Herrin über das billige Geld

Kritiker nennen Yellens geldpolitische Position zu weich: Sie fürchten, dass die neue Steuerfrau der Fed mit der Geldflut neue Blasen an den Märkten heraufbeschwören und die Zinsen zu spät anheben wird. Sollte es so kommen, drohen eine neue Finanzkrise und womöglich noch gravierendere Erschütterungen als das Beben der jüngsten Jahre. Nach der Entscheidung von Mitte Dezember, den Stimulus für die Wirtschaft in den kommenden Monaten langsam zurückzufahren, wird man sehen müssen, wie weich Yellen wirklich ist und ob sie bei Bedarf Kante zeigt. Die frühere Professorin der Elite-Universität Berkeley ist eine Arbeitsmarktexpertin. Damit ist die 67-Jährige geradezu prädestiniert für die wichtige Aufgabe an der Spitze der Notenbank, die sich Vollbeschäftigung in den von einer Jobmisere geplagten USA zum Ziel genommen hat. Allerdings wird ihr kein besonders enger Draht zum Weißen Haus nachgesagt.

Yellen war in den 90er Jahren Wirtschaftsberaterin von US-Präsident Bill Clinton, bevor sie zur Fed zurückkehrte und dort 2010 zur Fed-Vizepräsidentin aufstieg. Dabei sorgte sie geräuschlos dafür, dass sich die 100 Jahre alte Institution wandelte - etwa mit einer neuen Kommunikationsstrategie. Der Fed-Chef erläutert inzwischen mehrmals jährlich die Beschlüsse vor der Presse, die sich zuvor mit einem dürren Begleittext zufriedengeben musste.

Neuer Kurs: Ausstieg aus dem billigen Geld

Bernanke hat mit seiner Krisenpolitik des ultrabilligen Geldes seiner Nachfolgerin ein schwieriges Erbe hinterlassen: Sie muss den Kurs für den Ausstieg aus dieser Ära abstecken - und dies den Märkten glaubhaft vermitteln. Auch wenn Yellen als Liebling der Börsen gilt, weist die Vita der mit Wirtschaftsnobelpreisträger George Akerlof verheirateten Ökonomin keine beruflichen Stationen an der Wall Street auf. Als Studentin in Yale stand sie einst im Ruf, die Vorlesungen von James Tobin besonders eifrig zu protokollieren. Der gilt als geistiger Vater der Börsensteuer.

Einen Vorgeschmack auf mögliche Gefahren haben die Anleger in den vergangenen Tagen bekommen. Die Nachricht, dass sich das Wachstum in China verlangsamt, gepaart mit Erwartungen geringerer Konjunkturfördermaßnahmen der Fed, löste einen Ausverkauf an den Schwellenmärkten aus, die zuvor mit dem leichten Geld aus den USA aufgebläht worden waren.

Auf ihrer monatlichen Sitzung - der letzten unter der Leitung des aktuellen Fed-Chairman Bernanke - haben die Notenbanker das Volumen ihrer monatlichen Anleihekäufe um 6 Prozent gesenkt, gleichzeitig sicherte die Fed zu, den Leitzins wahrscheinlich nahe Null zu belassen. Bei der Bekämpfung der Blasen sieht Yellen sich zwei Herausforderungen gegenüber: Sie muss sie identifizieren und Luft ablassen, bevor sie zu groß und gefährlich werden, und sie muss die Geldpolitik führen, ohne dass sie eine Blase so platzen lässt, dass sie Chaos an den Märkten anrichtet und das Wachstum dämpft.

Weder Bernanke, dessen Amtszeit am 31. Januar endet, noch sein Vorgänger Alan Greenspan waren bei der Bekämpfung von Blasen sonderlich erfolgreich. Unter Greenspans Ägide platzte die Internet-Blase am Aktienmarkt, was die US-Wirtschaft 2001 in die Rezession drückte. Daraufhin sah Greenspan zu, wie die Hauspreise auf unhaltbare Niveaus stiegen und ihren Höhepunkt erreichten, als Bernanke 2006 das Ruder übernahm. Anfänglich spielte Bernanke die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der sinkenden Immobilienpreise herunter und erklärte noch im März 2007, die Folgen blieben wohl beschränkt. Die Einschätzung erwies sich als falsch - Ende des Jahres rutschten die USA in die schwerste Rezession seit der Weltwirtschaftskrise ab.

Pluspunkt für Yellen: Gute Konjunktur

Ein Plus für Yellen, die ihr Amt am 1. Februar antritt, ist die Konjunktur. Die US-Wirtschaft hat gerade die beste Entwicklung über sechs Monate seit Ende der Rezession im Juni 2009 hinter sich, schätzen Volkswirte bei Goldman Sachs und Morgan Stanley in New York. Und für dieses Jahr erwarten die Ökonomen eine weiter anziehende Konjunktur. Die Anleger haben bei Yellens Amtsantritt haben sicher weniger Sorgen als 2006, bei der Ablösung Greenspans durch Bernanke, oder als 1987, bei der Übergabe von Paul Volcker an Greenspan. Doch ‘‘der Markt hält immer eine Bewährungsprobe für einen neuen Fed-Chef bereit, auf die eine oder andere Weise’’, versichert Alan Blinder, ehemals Vize-Vorsitzender der Fed.

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