Italien: Rekord bei faulen Krediten - Warum Anleger trotzdem einsteigen

Die Mailänder Börse hat seit Jahresbeginn um rund 16 Prozent zugelegt.

Die Mailänder Börse hat seit Jahresbeginn um rund 16 Prozent zugelegt.

Rezession und Firmenpleiten bescheren Italien faule Krediten von 185 Milliarden Euro. Der Aktienmarkt legt trotzdem eine Rallye hin. Warum Börsianer auch weiterhin positiv gestimmt sind.

Auf den ersten Blick ist die Lage in Italien düster: Wegen der Rezession und der Firmenpleiten ist die Summe der faulen Kredite weiter gestiegen. Laut der Bankenvereinigung ABI beliefen sich die notleidenden Kredite im Jänner heuer auf 185,5 Mrd. Euro, um 1,8 Mrd. Euro mehr als im Dezember 2014 und 25 Mrd. Euro mehr als im Jänner 2014.
Das entspricht einem Plus von 15,6 Prozent auf Jahresbasis und ist ein Rekordhoch seit 1996. Notleidende Kredite machen 9,7 Prozent aller von Italiens Geldhäusern gewährten Kredite aus, teilte ABI mit. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen stünden weiter unter Druck, deshalb werde eine Entspannung bei den Kreditforderungen der Banken längere Zeit in Anspruch nehmen, hieß es im ABI-Bericht. Italiens Firmen haben derzeit mit der längsten Krise seit Kriegsende zu kämpfen und können deshalb oftmals ihre Kredite nicht mehr bedienen.
Laut dem Forschungsinstitut Cerved wächst inzwischen die Zahl der Firmenpleiten. 15.651 Unternehmen meldeten 2014 den Konkurs, das sind 10,7 Prozent mehr gegenüber 2013.

Alleine diese Angaben könnten ausreichen, um Anleger in die Flucht zu schlagen. Tut es aber nicht. Im Gegenteil: Experten raten zum Einstieg. Isaac Chebar, Manager europäischer Aktien bei der französischen Fondsboutique DNCA hat in seinem DNCA Invest South European Opportunities Fonds Italien massiv übergewichtet. Der Südosteuropa-Fonds besteht aktuell zu knapp 60 Prozent aus italienischen Titeln. Bisher hat sich die starke Übergewichtung gelohnt. Seit Jahresbeginn ist die Börse in Mailand um 16 Prozent gestiegen.
Günther Kastner, Fondschef von C-QUADRAT Wien, setzt ebenfalls auf Werte aus Italien. "Das Land ist einer der größten Profiteure der Geldschwemme und damit des sinkenden Euros".

Gestützt vom sinkenden Ölpreis, vom nachgebenden Euro und den nach wir vor günstigen Kreditbedingungen dürften sich die Reformen und Restrukturierungen positiv auf die Unternehmensgewinne auswirken. Der Liquiditätszufluss der Eurozone seit Jahresbeginn ist erst der Anfang. Wenn die EZB ihr Quantitative Easing erfolgreich umsetzt, kommt es den Aktien zugute.

Renzi macht Hoffnung

Italien hinkt Spanien zwar in Sachen Reformen hinter. Chebar von der Fondsgesellschaft DNCA: "Der Reformwille der Regierung Renzi ist jedoch echt und er hat das Zeug durch seinen Pragmatismus den Arbeitsmarkt deutlich voranzubringen." Das Gleiche gelte für die Reform des Wahlgesetzes und der Regulierung der Genossenschaftsbanken.

Von spanischen Leiden verschont

Die italienische Wirtschaft reagiert empfindlich darauf, dass der Euro und der Ölpreis sinken. Sind beide Werte tief, ist das für das Land ein um so stärkerer Wachstumsturbo, der das Land aus der Rezession führen könnte. Im Gegensatz zu Spanien leidet das Land zudem weder unter einer Immobilienblase noch unter extrem hoher Arbeitslosigkeit. Die Kreditbedingungen mit einer Verzinsung zehnjähriger Anleihen von 1,4 % dürften die konjunkturelle Wiederbelebung ebenso fördern, glaubt man bei DNCA. Diese dürfte sich wiederum auf die Unternehmensgewinne auswirken und die italienische Börse weiter stützen.

Die Aktienfavoriten:

DNCA-Aktieneuropa-Manager Chebar: " Die besten Renditeperspektiven bieten zum einen Unternehmen, die auf den Inlandsmarkt ausgerichtet sind. Dazu gehören insbesondere Banktitel wie Banco Popolare Milano oder Intesa Sanpaolo, die stark vom Konjunktur- und Investitionszyklus beeinflusst werden. Auch halbstaatliche Unternehmen wie Finmeccanica oder ENI mit neuen vom Staat ernannten Managern, die die Restrukturierung vorantreiben sollen, sind interessant.

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