Investment-Tipp von Ken Fisher: Warnung vor der Gier

Gastkommentar vom Investment-Experten Ken Fisher: Die Börsen werden noch weiter steigen. Anleger sollten jedoch nicht in eine grenzenlose Euphorie verfallen. Und vor einem eventuellen Verkauf die Dreimonatsregel beachten: Nie verkaufen wenn es nicht drei Monate vorher höhere Kurse gab.

Ken Fisher ist einer der erfolgreichsten Investmentberater der USA und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.

Ken Fisher ist einer der erfolgreichsten Investmentberater der USA und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.

Der legendäre Investor Sir John Templeton sagte einst: „Bullenmärkte werden im Pessimismus geboren, wachsen in Skeptizismus, werden im Optimismus erwachsen und sterben durch Euphorie.“ Nach dem Absturz 2020 gilt dies mehr denn je: Anleger entdecken immer weniger Aspekte, die den Aktienanstieg aus der Spur bringen könnten; es mehren sich die Anzeichen für eine Euphorie. Aber das ist noch kein Verkaufssignal.

Die freundliche, gar euphorische Stimmung ist zum Ende von Bullenmärkten üblich. Sie sorgt für kometenhaft steigende Renditen. Genießen Sie das, aber werden Sie nicht gierig.

Die jüngste ZEW-Umfrage zeigt, dass europäische Anleger den Euro Stoxx 50 optimistischer bewerten als bei seinem Anstieg um 28 Prozent im Jahr 2019. Die Aktienquote der globalen Fondsmanager steht auf dem zweithöchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen 2001.

Begründeter Optimismus

Vieles an diesem Optimismus ist real, manches nicht. Man denke an die selbst in Europa boomenden Börsengänge oder an das Verhalten der Kleinanleger. Amerikanische Discount-Broker verzeichnen seit Ende 2019 eine Verdreifachung des Handels. Viele jagen mit riskanten Sparplänen dem schnellen Geld nach. Der Tageshandel mit spekulativen „Penny Stocks“ lag im September bei unter 270 Millionen US-Dollar, heute übersteigt er zwei Milliarden US-Dollar.

Seit 1999/2000, dem Höhepunkt der Tech-Blase, haben Kleinanleger nicht mehr derart viel Bewegung in den US-Optionsmarkt gebracht. In den Social Media werden Bitcoin und andere unkonventionelle Assets wie digitale Kunst und Sammelkarten gehyped – mit dem Versprechen auf einfachen Gewinn. Die für einen frühen Bullenmarkt typischen Zweifel existieren nicht.


Die steigende Stimmung ist ein Anzeichen später Bullenmärkte. Es könnte sich bald Euphorie breitmachen.

Warum? Weil der plötzliche Absturz Anfang 2020 eher wie eine überdimensionierte Korrektur wirkt. Die Aktienmärkte verhalten sich daher so, als befänden sie sich noch im seit 2009 anhaltenden Bullenmarkt, nicht in einem neuen Zyklus. Die aufgrund ihrer frühzyklischen Stärke gehypten Value-Aktien dürften daher vermutlich ins Straucheln geraten. Die üblicherweise spät führenden Wachstumsaktien mit hohen Margen wie z. B. Techs werden davon begünstigt.

Die steigende Stimmung ist ein Anzeichen später Bullenmärkte. Es könnte sich bald Euphorie breitmachen. Eine Stimmung allein ist allerdings noch kein Verkaufssignal. Die rasche Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität und niedrige legislative Risiken lassen diese allerdings als angemessen erscheinen.

Verkaufen oder doch noch zuwarten?

Optimistische Anleger zahlen für zukünftige Gewinne, sodass sich gute Jahre eher am Ende von Bullenmärkten häufen. Nehmen wir wegen seiner langen Geschichte den amerikanischen S&P 500 in US-Dollar. Seit dem Tiefststand im Zweiten Weltkrieg gab es elf Bullenmärkte, wobei 2009 bis 2020 wegen der Besonderheit der Pandemie ausgenommen werden.

Wir teilen sie nach ihrer Länge in Sechstel. Das erste Sechstel ist mit 40 Prozent durchschnittlicher Jahresrendite das stärkste. Das letzte Sechstel, wo ich uns gerade sehe, ist mit 24 Prozent das zweitstärkste. Ein zu früher Verkauf kann daher teuer werden.


Wir sind in diesem Bullenmarkt schon weiter, als viele denken.

Selbst einsetzende Euphorie ist kein Verkaufssignal. Sie hält üblicherweise Monate oder sogar Jahre an, bevor die Aktienmärkte ihren Höhepunkt erreichen. Schwierig wird es nur, wenn euphorische Anleger Negatives ausblenden und damit hochfliegende Erwartungen unerreichbar werden. Außerdem müssen Marktspitzen nicht punktgenau bestimmt werden. Abgesehen vom vergangenen Jahr setzen Bärenmärkte üblicherweise langsam ein, mit etwa minus zwei Prozent pro Monat. Rund zwei Drittel des gesamten prozentualen Rückgangs finden zumeist im letzten Drittel eines Bärenmarkts statt.

Machen Sie sich daher meine Dreimonatsregel zunutze: Verkaufen Sie nie, bevor Sie nicht drei Monate zuvor höhere Kurse gesehen haben. Schauen Sie dann: Sind die Rückgänge gering? Können Sie als Einziger ein fundamentales Problem sehen, das noch nicht eingepreist ist? Dann könnte es sich um einen Bärenmarkt handeln – und Aktien sind dann bisher nur leicht zurückgegangen. Ein Absturz mit eingepreister Ursache weist auf eine reine Korrektur hin. Halten Sie still, meist folgt eine schnelle Erholung.

Freuen Sie sich über die hohen Gewinne, die auf den Optimismus folgen dürften. Aber lassen Sie sich nicht von Emotionen mitreißen. Die Gier wächst – ein deutliches Zeichen dafür, dass wir in diesem Bullenmarkt schon weiter sind, als sich die meisten ausmalen.


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