Investieren in eine bessere Welt: So investieren Sie nachhaltig

Banker haben nicht unbedingt das beste Image. Doch in der Branche gibt es auch zahlreiche Vertreter, die nachhaltig und verantwortungsvoll investieren. Zum Wohl der Welt und der Anleger.

Investieren in eine bessere Welt: So investieren Sie nachhaltig

Nachhaltige Investments verzeichnen eine steigende Nachfrage: Seit der Finanzkrise hat sich das Volumen verzehnfacht.

Links abbiegen, dort wo es nach rechts geht. Für Investmentbanker und Broker schien es jahrzehntelang kaum Regeln zu geben, an die sie sich halten müssen. Schlag nach bei Bret Easton Ellis ("American Psycho"), Oliver Stone ("Wall Street"), Martin Scorsese ("The Wolf of Wall Street"). Was sollte auch passieren? Notfalls, so das Kalkül, würde der Staat rettend einspringen.

Schnitt. September 2008. Lehman Brothers. Der Staat springt nicht rettend ein, stürzt Lehman Brothers in die Pleite und löst somit eine weltweite Finanz-und Bankenkrise aus, deren Nachwehen wir immer noch spüren.

Es gibt aber zunehmend auch andere Investoren als die skrupellosen Gordon Gekkos der Wall Street. Solche, die nicht immer den schnellsten Weg zum Geld suchen, sondern in langfristige, nachhaltige Werte investieren. Wolfgang Pinner ist einer von ihnen. "Head of Sustainable & Responsible Investments" steht auf der Visitenkarte des 50-jährigen Managers der Raiffeisen Capital Management.

Seit 15 Jahren beschäftigt er sich mit nachhaltiger Geldanlage. Ehe er vor zwei Jahren in den Raiffeisen-Konzern wechselte, baute er das Thema "Sustainability" bei der Erste Sparinvest auf. "Nachhaltigkeit", sagt er, "beginnt für mich mit dem Begriff. Der bedeutet erstens Verantwortung und zweitens Zukunftsfähigkeit."

Wolfgang Pinner, Raffeisen Capital Investment: "Das Volumen der nachhaltigen Investments hat sich seit der Finanzkrise verzehnfacht.!

Verantwortungsvoll investieren, das bedinge klarerweise, dass bei der Geldanlage klassische Ausschlusskriterien befolgt werden. Dazu gehört, dass nicht in Branchen, Unternehmen oder auch Staaten investiert wird, die sich nicht an bestimmte soziale, ökologische und ethische Kriterien halten. Aktien der Rüstungs-, Glücksspiel -, Tabak-und Alkoholindustrie scheiden aus. Unternehmen, die mit Pornografie, Kinderarbeit oder Tierversuchen Geld verdienen, ebenso. Konzerne aus den Bereichen Kernenergie, Chlor-und Agrochemie sind ebenso tabu wie solche, die Biozide herstellen oder an Genmanipulationen teilhaben. Auch negatives Umweltverhalten oder Korruption sind für nachhaltige Investments Ausschließungsgründe.

Stattdessen wird in Unternehmen, Branchen und Fonds investiert, die langfristig denken, Verantwortung zeigen und das öffentlich dokumentieren. Ohne dass die Investoren dabei Einbußen bei ihrer Rendite hinnehmen müssten.

Pinner stellt sich gerne der Herausforderung, mit solchen nachhaltigen Investments die gleichen Erträge zu erwirtschaften wie Fondsmanager, die diesen Werten im täglichen Geschäft keine Bedeutung beimessen. "Private Investoren wären vielleicht auch mit etwas weniger Ertrag zufrieden, der überwiegende Teil der Anleger kommt aber aus dem institutionellen Bereich und will keine Abstriche hinnehmen", weiß Pinner über die Erwartungen seiner Klienten zu berichten.

Steigende Nachfrage

Die sehr gute Performance nachhaltiger Investmentfonds im Vergleich mit klassischen Anlagefonds hat in den vergangenen Jahren vermehrt Interesse von Investoren für diese Anlageform gebracht. Immer mehr institutionelle Anleger wie Versicherer, Pensionskassen, Unternehmen oder Stiftungen investieren nachhaltig. Laut einer im Juli von der Fondsgesellschaft Union Investment vorgestellten Studie berücksichtigen mittlerweile mehr als die Hälfte dieser Investoren (58 Prozent) Nachhaltigkeitskriterien.

Die Folge: Seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor sieben Jahren hat sich, wie Raiffeisen-Mann Pinner weiß, das Volumen des in diese nachhaltigen Fonds investierten Vermögens bereits mehr als verzehnfacht. Und die Zahl der nachhaltigen Publikumsfonds steigt ständig weiter.

Per Ende Juni 2015 waren den Angaben des Sustainable Business Institutes (SBI) zufolge insgesamt 399 nachhaltige Publikumsfonds in Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Vertrieb zugelassen. Die 399 Fonds verwalten ein Vermögen von circa 45,5 Milliarden Euro.

Das Sustainable Business Institute ist auch Herausgeber von "Nachhaltiges Investment" (www.nachhaltiges-investment.org), einer Onlineplattform mit einer Fondsdatenbank, einer Aktiendatenbank und einer Indexdatenbank für nachhaltige Investments. Darin werden alle Fonds berücksichtigt, die in besonderer Weise soziale, ökologische oder auch ethische Kriterien befolgen.

Im ersten Halbjahr 2015 wurden 24 weitere Fonds in die SBI-Datenbank aufgenommen. Dabei handelt es sich sowohl um neue Fonds aus auch um solche, die ihre Strategien umgestellt und sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Im Fonds-Universum des SBI gibt es Aktienfonds, Rentenfonds, Mischfonds und nachhaltige Exchange Traded Funds (ETF), deren Performances recht unterschiedlich waren. Einerseits konnten recht ansehnliche Gewinne eingefahren werden, bei anderen nachhaltigen Fonds mussten die Investoren allerdings auch Abschläge verkraften.

Bis zu 27 Prozent Rendite

In die 203 vom SBI gelisteten reinen Aktienfonds waren per 30. Juni 2015 insgesamt 24 Milliarden Euro veranlagt. Die Performance der Fonds war sehr unterschiedlich : Sie lag im ersten Halbjahr zwischen plus 27 Prozent und minus fünf Prozent. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die Aktienfonds sehr stark unterscheiden: Zu diesen Fonds gehören sowohl breit aufgestellte internationale Fonds als auch spezialisierte Fonds mit regionalem Fokus sowie Technologie-und Themenfonds, die beispielsweise nur in lokale Windkraftwerke investieren.

In den 81 nachhaltigen Rentenfonds waren 9,1 Milliarden Euro veranlagt. Ihre Performance lag im ersten Halbjahr 2015 zwischen minus vier Prozent und plus neun Prozent. 8,4 Milliarden Euro schwer waren zum Halbjahr die 75 nachhaltigen Mischfonds, und weitere rund 450 Millionen Euro sind in elf Dachfonds investiert. Die Performance der Mischfonds, die bereits Ende 2014 aufgelegt waren, lag von Jänner bis Juni 2015 zwischen plus 15 Prozent und minus sieben Prozent. Die Performance der Dachfonds lag zwischen minus vier Prozent und plus 13 Prozent. Bei den Misch-und auch den Dachfonds ist zu berücksichtigen, dass der Aktienanteil unterschiedlich hoch ist. Mit entsprechenden Auswirkungen auf die für die Investoren erwartbare Rendite und natürlich auch das Risiko bei der Anlage.

In den 17 nachhaltigen ETFs waren insgesamt ca. 1,6 Milliarden Euro investiert. Diese ETFs haben sich im ersten Halbjahr 2015 durchwegs positiv entwickelt. Bei den Ende 2014 aufgelegten Fonds lag die Performance zwischen plus 27 Prozent und plus zehn Prozent. In den sechs vom SBI als nachhaltig gewerteten Microfinancefonds waren per Ende Juni 2015 in Summe 1,4 Milliarden Euro investiert. Ihre Performance lag im ersten Halbjahr 2015 zwischen plus drei und null Prozent. Verluste waren ebenfalls keine zu verzeichnen.

Transparente Anlagen

"Mit gutem Gewissen investieren und dabei auch wirtschaftlich gut abschneiden" ist das Motto von Florian Hauer, Fondsmanager bei Kepler Fonds. Für Hauer gibt es neben der Ausrichtung der Fonds ein weiteres wichtiges Kriterium bei nachhaltigen Investments: die Transparenz. Hauer hält sich daher bei den Investments streng an die im 2008 von EUROSIF, dem European Sustainable Investment Forum, definierten Europäischen Transparenzkodex für Nachhaltigkeitsfonds. Für Österreich, Deutschland und die Schweiz wurden diese Kriterien vom Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG; www.forum-ng.org) definiert. "Das Transparenzlogo des EUROSIF garantiert, dass die Investoren zu jeder Zeit überprüfen können, an welchen Unternehmen sie über ihre Fondsinvestments beteiligt sind", sagt Hauer.

Florian Hauer, Kepler Fonds: "Mit einem guten Gewissen investieren und dabei auch wirtschaftlich gut abschneiden."

Seitens des FNG wird es bald ein ähnliches FNG-Siegel geben, das am 8. Dezember in Berlin präsentiert wird. Auditor dafür ist Novethic, das Forschungszentrum für nachhaltige Geldanlagen mit Sitz in Paris. Laut Hauer wird dadurch das Interesse weiter steigen: "Für die Branche markiert das einen weiteren Meilenstein in der nachhaltigen Geldanlage."

Kennzeichnung:

Das Europäische Transparenzlogo für Nachhaltigkeitsfonds wurde geschaffen, um Investments nachvollziehbarer zu machen. Es garantiert:

  • Qualitätssicherung durch Transparenz
  • Anleger wissen, worin sie investieren
  • Erhaltung des vielfältigen Spektrums in der nachhaltigen Geldanlage
  • Vorgabe ethischer Standards
  • Ethische Kriterien zu Portfolios