Hypo: „Spirit of Darkness“ auf Österreich-Mission

Hypo: „Spirit of Darkness“ auf Österreich-Mission

Die mysteriöse Investmentgesellschaft Millhouse Capital will das Balkangeschäft der Kärntner Hypo und Anteile an CA Immo erwerben. Wer aber ist diese Firma?

Die Botschaft ist eindeutig: "Millhouse Capital Investment Group in den USA und Millhouse Capital UK LTD gehören nicht Roman Abramowitsch. Es gibt keinerlei Verbindung!“ So heißt es auf der Website der Gesellschaft gleich eingangs. Weniger eindeutig sind die Hinweise darauf, wem die Gesellschaft wirklich gehört und woher ihr Geld stammt.

Dabei wäre das aus österreichischer Sicht gerade jetzt interessant, tritt doch die mysteriöse Investmentgesellschaft Millhouse Capital aktuell gleich in zwei Fällen als Kaufinteressent auf: bei der Osteuropa-Tochter der Hypo Kärnten und beim UniCredit-Anteil an der heimischen Immobiliengesellschaft CA Immo. In beiden Fällen wäre wohl jedenfalls ein dreistelliger Millionenbetrag auf den Tisch zu legen. Im Fall der Hypo (4.000 Mitarbeiter, acht Milliarden Euro Bilanzsumme) hat Millhouse gar gegenüber Reuters angekündigt, 500 Millionen Euro zahlen zu wollen - deutlich mehr als die zwei anderen Bieter, der US-Investmentfonds Advent und ein Konsortium aus russischer VTB Bank mit der Via Group des bulgarischen Oligarchen Denis Barekov.

Eigentümer von Millhouse Capital soll der deutsche Geschäftsmann Ralf Dodt sein, der aber sowohl in Deutschland als auch in London ein weitgehend unbeschriebenes Blatt ist. Der Karrierestart des 54-Jährigen dürfte in den 80er-Jahren als Motorradhersteller erfolgt sein. Im Internet wird er als Erbauer eines schwarzen Motorrads mit dem Namen "Spirit of Darkness“ bejubelt. 2008 scheint er dann als Direktor der Firma Rado Global Trade auf, die 2010 in den Fokus der britischen Financial Services Authority FSA geriet, was ihr eine offizielle Warnung eintrug. Nach Rado tritt Dodt als Direktor von Rosneft UK - wie der gleichnamige russische Ölriese - in Erscheinung, bevor er 2011 Millhouse Capital UK gründet. Warum er dafür ausgerechnet denselben Namen wählt wie Abramowitsch für seine Firma, bleibt offen.

Sehr enge Russland-Connection

Laut Website von Millhouse Capital hat das Unternehmen aktuell 9,7 Milliarden Dollar Assets under Management. Das Geld wird vorwiegend in Energie, Bergbau, Transport und Finanzen investiert. Und da wieder vorwiegend in Russland. Überhaupt scheint Millhouse eine sehr enge Russland-Connection zu haben: Dodt soll selbst russische Wurzeln haben. Das US-Magazin "Forbes“ lässt sich deshalb auch zu einer Warnung vor einem Verkauf der Hypo an Millhouse hinreißen: "Hinter Herrn Dodt steht etwas Großes, Unappetitliches, Russisches“, heißt es in einem Kommentar. Dodt sei nur ein Strohmann, der russischem Geld - an den Sanktionen vorbei - den Zugang in den Westen ermöglichen soll, wird vermutet. Für einen sehr engen Konnex von Millhouse zu Russland spricht auch ein Eintrag auf der Unternehmensseite, datiert mit Anfang August. Dort heißt es: "Aus politischen Gründen haben wir uns entschlossen, mit unserer Tochtergesellschaft die USA zu verlassen und uns in einem anderen Land niederzulassen.“

Ein Rundruf in Österreich bringt ebenfalls wenig Licht ins Dunkel über die wahren Interessen von Millhouse. Dodt trete sehr hemdsärmelig auf, agiere nicht wie ein Investmentexperte und sei mit Informationen zu seinen Geldquellen sehr zurückhaltend, berichten Leute, die mit ihm zu tun hatten. Eine Kooperation mit dem bulgarisch-russischen Konsortium zum Kauf der Balkan-Hypos ist daran gescheitert, dass Dodt dort unbedingt die Mehrheit übernehmen wollte, so ist zu hören. Für einen Alleingang dürfte er indes etwas zu spät dran sein, die Unterschrift unter den Kaufvertrag soll noch diesen September erfolgen, heißt es aus der Hypo. Außerdem ist bei der Käuferwahl entscheidend, dass der Auserwählte die rund 1,7 Milliarden Euro Kredit an den Bankeigentümer Republik Österreich zurückzahlen kann. Ob das bei Millhouse wirklich der Fall ist, ist schwer zu sagen, solange sich Dodt nicht in die Karten schauen lässt.

Eine Anfrage von FORMAT wird allerdings prompt beantwortet: "Wir sind ein Privatunternehmen und haben nur den englischen Behörden gegenüber eine Offenlegungspflicht! Niemand ist in der Lage, einen wahrheitsgetreuen Bericht über unser Unternehmen zu schreiben.“

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