Das große Hedgefonds-Sterben

Allein bis Jahresmitte mussten weltweit 461 Hedefonds aufgeben. Die Branche reibt sich zwischen schwankungsarmen Märkten, die wenig Chancen auf Kursgewinne bieten, niedrigen Zinsen und gescheiterten Wetten auf die makroökonomische Entwicklung auf. Zwei besonders blutige Jahre liegen hinter der Branche.

Spekulationen auf Rohstoffe und globale makroökonomische Entwicklungen sind beliebt, aber auch sehr riskant.

Spekulationen auf Rohstoffe und globale makroökonomische Entwicklungen sind beliebt, aber auch sehr riskant.

Schon die erste Jahreshälfte war für Hedgefonds ein Desaster. Nach Angaben des US-Beratungsunternehmens HFR Hedge Fund Research mussten alleine bis Jahresmitte 461 Hedefonds aufgeben. Bereits im Vorjahr ging 904 Fonds wegen nachhaltig mangelnden Erfolgs die Luft aus. Noch schlimmer war es nur 2009 als 1.023 von der Finanzkrise hinweggefegt wurden.

Das jüngste Opfer im vergeblichen Kampf um Renditen: Brevan Howard Asset Management. Der von Stephane Nicolas gemanagte Fonds hatte 630 Millionen Dollar zur Verfügung um das Geld der Investoren zu vermehren. Nur die Gewinne blieben, trotz teilweise riskanter Anlagestrategien, aus. So haben die Investoren in den Fonds in den vergangenen beiden Jahren laut Daten des Wall Street Journals jeweils mehr als vier Prozent verloren. Bevor der Fonds die Reißleine gezogen hat, ist die Rendite im September sogar noch einmal um zehn Prozent zurückgegangen. Zwei Fonds der Gesellschaft haben heuer bereits geschlossen. Einer der bekanntesten Fälle im deutschsprachigen Raum, in dem ein Hedgefonds geschlossen wurde, war die DWS, die sich bereits 2010 aus dem Hedgefonds-Geschäft zurückgezogen hat.

Makroökonomische Strategien brachten viele Fonds zu fall

Viele Hedgefonds, die auf makroökonomische Trends spekuliert haben und heuer durchschnittlich auf weniger als ein Prozent Ertrag kamen, haben aufgegeben. Als einer der Hauptgründe nannten sie meist, das in einem Umfeld mit niedrigen Zinsen und wenig Preisvolatilität es schwierig sei, Geld zu verdienen.

Geringe Beschränkungen, hohes Risiko

Viele der Fonds, die nicht in der Lage waren, Anlegern positive Renditen zu bieten, verfolgen laut Bloomberg eine Global-Macro-Strategie, zu der auch Spekulationen auf die Zinsentwicklung zählen. Global-Macro-Fonds legen sich die geringsten Beschränkungen auf. Sie wollen weltweit von ökonomisch nicht gerechtfertigten Preisunterschieden profitieren. Grundsätzlich stehen ihnen weltweit dafür sämtlichen Märkten offen. Allerdings konzentrieren sich viele Fonds auf Devisen- und Zinsmärkte. Der berühmteste Vertreter dieser Zunft: George Soros und sein Quantum-Fonds. Er hatte sich damit auf Wechselkurs-Spekulationen spezialisiert und so ganze Regierungen wie etwa jene Englands, die dadurch gezwungen war, das Pfund kräftig abzuwerten, in heftige Turbulenzen gestürzt. Soros verdiente mit der Wette auf das fallende Pfund damals rund eine Milliarde Dollar.

45 Milliarden Dollar werden derzeit auf einen steigenden Dollar gewettet

In der jüngsten Vergangenheit haben diese Global-Macro-Fonds beispielsweise auf eine Abwertung des Euro spekuliert. Doch seit zwei Jahren wertet die Währung koninuierlich und kräftig auf. Doch die Hedgefonds-Manager geben nicht auf. Die Hoffnung auf eine Abwertung scheinen endlich wieder zum Greifen nahe. In der ersten Woche im November haben die bullischen Wetten auf den Dollar weiter zugenommen und erreichten einen Rekordwert von 45,7 Milliarden Dollar. Das geht aus aktuellen Daten der Futures-Aufsicht CFTC hervor. Der Euro wird dagegen massiv verkauft. 28 Milliarden Dollar werden auf Short-Positionen gesetzt. Das entspricht rund 62 Prozent der Dollar-Wetten. So pessimistisch war der Markt seit August 2012 nicht mehr. Eine weitere beliebte Spekulation zu Beginn der Griechenland-Krise: Die Wette auf die Staatspleite. Das Problem: Sie verstärken durch ihre erhebliche Finanzkraft einen Trend, was einen negativen Effekt auf die ökonomische Situation eines ganzen Landes haben kann.

Viele Austro-Hedgefonds im Minus

Auch viele Fonds für den kleinen Mann, die hierzulande erhältlich sind und alternative Hedgefonds-Strategien verfolgen, sind betroffen. So ist die Bilanz vieler hierzulande beliebten Dachhedgefonds auf Jahresbasis tiefrot. Der Espa Alternative Global Markets der Erste Sparinvest verlor heuer bereits 6,6 Prozent, der Strategic Commodity Fund der Spängler Bank verbucht ein Minus von 6,5 Prozent. Aber es gibt auch Hedgefondsmanager, die ihr Schiff erfolgreich durch den Sturm manövieren. Der Salus Alpha Directional Marke der Valartis Bank hat heuer 16,8 Prozent gemacht, im Vorjahr waren es 15,4 Prozent. Der Fonds versucht Tendenzen an den globalen Märkten (Zinsen, Währungen, Anleihen, Rohstoffen und/oder Aktien) gewinnbringend auszunützen.