5 Gründe für Finanzinvestor Icahn, warum Apple viel wertvoller sein muss

US-Investor Carl Icahn gilt für Aktiengesellschaften und deren Manager als unbequemer Geist. Mit wenig Aktien zieht er dennoch sämtliche Register, um seine (oft schwachen) Kontrollrechte auszuüben. Und hin und wieder kosten seine medial inszenierten Initiativen auch die Köpfe mancher Vorstandschef – ganz im Sinne seiner eigenen Kurspflege.

5 Gründe für Finanzinvestor Icahn, warum Apple viel wertvoller sein muss

Carl Icahn ist für sein Poltern bekannt. Steigt er in einem Unternehmen als Aktionär ein, nimmt er sich kein Blatt vor den Mund. Neben den Kennzahlen knüpft er sich auch die Vorstandschefs vor – und kritisiert manchmal die Strategie, die seiner Meinung nach zu geringen Ausschüttungen von Dividenden, zu hohe Barreserven oder auch verhaltenes Agieren der Vorstände, wenn es etwa darum geht Teile von Unternehmen abzuspalten oder andere Unternehmen aufzukaufen, um den Wert zu steigern.Und sollte er mit Abfindungsangeboten wie im vorigen Jahr bei Dell, nicht zufrieden sein, hat er schon auch mal die Axt auf den Tisch. Und blockiert so Milliarden-Deals. Nicht ganz uneigennützig: Die Wertsteigerung trifft ja auch seine Veranlagung, wenn er sich im Namen der Aktionäre inszeniert und auf den Tisch haut. Kurspflege würde man dies in Europa nennen, wenn ein Investor derart sich ins Geschehen einmischt.

Icahn-Attest: Apple unterbewertet

Bei Apple hat Icahn erneut eine Medienoffensive mit einem offenen Brief an Apples CEO Tim Cook gestartet. Einfacher Grund: Der US-Konzern sei unterbewertet. Statt dem aktuellen Börsenkurs von 101,02 Dollar müsste Apple fast doppelt so hoch notieren – bei 203 Dollar. Apple müsste nach den Vorstellungen von Icahn also schon 1,2 Billionen Dollar an der Börse wert sein – bei 604,9 Milliarden war das Marktkapitalisierung am Donnerstag. Apple-CEO Cook hat Icahn nun abermals empfohlen, Aktien zurückzukaufen. 100 Millionen Dollar sollte Apple dafür zunächst in die Hand nehmen.

133 Milliarden Dollar hat Apple derzeit auf der hohen Kante. Die Zeit für den Aktienrückkauf sei auch aufgrund der Unterbewertung jetzt günstig. Die investierten Anleger würden es Apple und ihm danken – und weiterhin investiert bleiben, so Icahn. Der 78-Jährige, auch als Raubein verschrien, hält eigenen Angaben zufolge 53 Millionen Apple-Aktien, das sind gerade einmal 0,86 Prozent aller Apple-Aktien. Der Wert von Icahns Aktienpaket beläuft sich derzeit auf 5,36 Milliarden Dollar. Heuer hat sein Apple-Paket alleine um 26 Prozent an Wert hinzugewonnen.

Enormes Wachstumspotenzial

Trotz einem noch nicht passenden Aktienkurs sieht Icahn Apple vor einem enormen Umsatzwachstum. Dank etlicher neuer Produkte würden die Umsätze massiv steigen. Für 2015 rechnet Icahn mit einem Gewinnanstieg um 44 Prozent, in den folgenden Jahren um jeweils um 30 Prozent. Beim Umsatz würde Apple um 25 Prozent im kommenden Jahr zulegen. In den darauffolgenden Jahren bis 2017 soll der Umsatz noch um 21 Prozent steigen.

Hier liegt Icahn weit vor den Einschätzungen der Analysten. Sie kalkulieren die Zuwächse für 2015 doch weit darunter: Die Umsätze sollen erstmals die 200-Milliarden-Dollar erreichen – ein Plus von 12,0 Prozent auf 202 Milliarden Dollar steht in der Kalkulation. Etwas mehr als die Hälfe der Umsätze sollen aus dem Verkauf des neuen iPhone 6 kommen.

5 Top-Segmente

Icahn streut bei der Produktpolitik CEO Cook Rosen. Fünf klare Umsatztreiber will Icahn erkannt haben.
Umsatztreiber Nummer 1 soll Apples iPhone sein, das wie ein „Mercedes-Benz“ die „Luxusklasse bei Smartphones“ anführen werde. Trotz des hohen Preises glaubt Icahn das die Apple-Mobiltelefone für die breite Masse weiter erschwinglich bleibt. Apple werde hier weiterhin Markteanteilen von Anbietern abholen, die auf Googles Betriebssystem Android setzen.

Umstztreiber Nummer 2 wird die ‚Apple Watch sein. 20 Millionen Apple-Uhren sollen 2015 verkauft werden. 2016 und 2017 sollen es 120 Millionen sein. Icahn rechnet mit einem Preis von 450 Dollar pro Stück.

Umsatztreiber Nummer 3 wird das iPad sein. Große Hoffnungen setzt Icahn auf die im Frühjahr angekündigte Kooperation mit IBM. Dies werde den Absatz der verkauften Stück nochmals um 13 Prozent pro Jahr in den kommenden drei Geschäftsjahren erhöhen.

Umsatztreiber Nummer 4 sei laut Icahn Apple- TV. Und zwar rechnet Icahn damit, das Apple bald eigene TV-Geräte mit dem Ultra-High-Definition-Standard verkaufen wird. TV-Geräte gehören laut Icahn zum „Ecosystem“ von Apple als zentrale Einheit eines jeden Wohnzimmers. 12 Millionen dieser Apple-TVs mit Diagonalen von 55 bzw. 65 Zoll werde der US-Konzern 2016 verkaufen. 2017 sollen es 25 Millionen TV-Geräte sein, glaubt Icahn.

Umsatztreiber 5 ist das neue Zahlungsystem von Apple. Über das mobile Zahlungssystem via Apple-Smartphone sollen 2,5 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr 2017 erzielt werden – das wären nach Rechnung von Icahn rund 30 Prozent des Zahlungsverkehrs im Kredit- und Debitkartengeschäft. Icahns begründet seinen Optimismus wie folgt: „Apple ist dominant im Premium Markt. Und hat Kunden, die mehr als der Durchschnitt konsumieren.“ Daher sei Apple mit der Zahlungslösung schon bestens positioniert, wo andere es nicht sein können.