Griechenland: Lichtblick nach Kursrutschen an Athener Börse

Griechenland: Lichtblick nach Kursrutschen an Athener Börse

Tag Vier an der Athener Börse nach der Zwangspause: Die Kurse stabilisieren sich.

Vier Tage nach der Wiedereröffnung scheint sich die griechische Börse am Donnerstag etwas erholt zu haben. Nachdem manche Werte seit Montag um bis zu 60 Prozent an Wert eingebüßt haben, legte der Leitindex Athex Composite um gut zwei Prozent zu. Erstmals seit Montag konnten sich auch die Kurse von zwei der systemrelevanten Banken deutlich erholen. Die Arbeitslosigkeit ist etwas zurückgegangen.

Nach dem Kursrutsch der vergangenen Tage hat sich die griechische Börse etwas stabilisiert. Der Athener Leitindex gewann am Donnerstag 3,2 Prozent, der griechische Bankenindex legte in der Spitze 13 Prozent zu. Seit Wochenbeginn hatten die Finanztitel mehr als 60 Prozent an Wert eingebüßt, der Leitindex verlor rund 19 Prozent. Die Berg- und Talfahrt dürfte wohl noch eine Weile anhalten, prognostizierte ein Börsianer.

Die Aktien der Nationalbank und der Eurobank erzielten um die Mittagszeit Gewinne von 18 beziehungsweise 9,6 Prozent. Die Piräus Bank nahm etwas Schaden (minus fünf Prozent), die Aktie zeigte aber im Verlauf Tendenzen nach oben, berichteten Börsenmakler. Die Alpha Bank verlor dagegen etwa 11 Prozent.

Viele Bankenwerte sind inzwischen auf das Niveau von Penny-Stocks gefallen, kosten also weniger als einen Euro. Die Aktien der vier wichtigsten Geldhäuser National Bank of Greece, Bank of Piraeus und Alpha Bank, Eurobank notierten an der Börse am Donnerstag zwischen 0,57 und 0,06 Euro.

Der Kurs der National Bank of Greece.

Arbeitslosigkeit zurückgegangen, aber immer noch hohes Niveau

Vom griechischen Arbeitsmarkt kommen indes etwas bessere Nachrichten. Das von der Pleite bedrohte Land hat die Zahl der Arbeitslosen auf das niedrigste Niveau seit Juni 2012 gedrückt. Nach den jüngsten verfügbaren Daten des Statistikamtes Elstat sank die Quote im Mai auf 25 Prozent. Im April waren es noch 25,6 Prozent gewesen. Trotz der Verbesserung ist die Quote noch immer mehr als doppelt so hoch wie in der Euro-Zone mit 11,1 Prozent. Auch die Langszeitarbeitslosigkeit (siehe Grafik) ist mehr als 13 Prozent höher als in der EU. Die Wirtschaft in dem Ägäisland war im ersten Quartal um 0,2 Prozent geschrumpft und damit nach einer Erholungsphase im vorigen Jahr wieder in die Rezession abgerutscht.

Schleppender Anlauf nach Zwangspause

Der Handel an der griechischen Börse ist nach einer fünfwöchigen Zwangspause seit Montag wieder möglich. Die Athener Regierung hatte Banken und Börse Ende Juni geschlossen, als die monatelangen Verhandlungen um die Bedingungen für weitere Finanzhilfen kurz vor dem Scheitern standen. Mitte Juli einigte sich Griechenland mit seinen Gläubigern auf ein neues Hilfspaket und entging damit der Staatspleite um Haaresbreite.

Die Lage der Geldinstitute bleibt jedoch prekär, weil die Griechen aus Angst vor einem Ausscheiden ihres Landes aus der Euro-Zone ihre Konten leer räumten. Die Finanzinstitute werden mit Nothilfen der Notenbank über Wasser gehalten, die die EZB in Frankfurt genehmigen muss. Der normale Zugang zu frischem EZB-Zentralbankgeld ist ihnen bereits seit Februar versperrt. Die Banken benötigen schätzungsweise 25 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung.

IWF entscheidet wohl erst im Herbst über Beteiligung an Hilfspaket

Derzeit verhandelt die griechische Regierung mit Vertretern von EU-Kommission, EZB, ESM und IWF in Athen die Details eines dritten, bis zu 86 Milliarden Euro schweren Hilfspakets. Zwar würde laut Angaben der EU-Kommission der Internationale Währungsfonds an den Gesprächen teilnehmen, doch nach den Worten des schwedischen IW-Vertreters Thomas Östros würde der IWF erst im Herbst über eine Beteiligung am neuen Hilfsprogramm entscheiden. Die Organisation in Washington fordert von Griechenland die Umsetzung weiterer Reformen.

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