Zypern: Gold-Verkauf ist nicht in Stein gemeißelt

Zypern setzt bei seinen eigenen Sanierungsbemühungen nicht in erster Linie auf den Verkauf von Gold. Dies sei nicht der wichtigste Punkt, sagte Finanzminister Harris Georgiades der Nachrichtenagentur Reuters.

Zypern: Gold-Verkauf ist nicht in Stein gemeißelt

"Es steht auf der Agenda, aber es ist nichts, was wir jetzt angehen." Sein Land werde tun, was notwendig sei und alle Haushaltsziele erreichen. Er betonte zudem, die Ende März eingeführten Kapitalkontrollen könnten in den "nächsten Tagen oder Wochen" gelockert werden.

Zypern erhält von seinen Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) rund zehn Milliarden Euro zur Abwendung einer Pleite. Das Land muss im Rahmen der 23 Milliarden Euro schweren Rettungsaktion für die Inselrepublik einen Großteil der Sanierungskosten aber selber stemmen. Dies soll etwa über höhere Unternehmenssteuern und eine Abgabe auf Kapitalgewinne gelingen. Etwa 400 Millionen Euro könnten aus Goldverkäufen erlöst werden.

Ökonomen senken Goldpreis-Prognose

Obwohl die Summe relativ niedrig anmutet, hatte die Nachricht, dass eine Notenbank in einem klammen Land der Eurozone zu Verkäufen von Edelmetall gezwungen sein könnte, Schockwellen am Goldmarkt verstärkt. Befördert von den Turbulenzen um Zypern war der Preis des gelben Metalls in einem nervösen Markt gefallen wie ein Stein - die Kurseinbußen waren so drastisch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Einen Teil dieser Verluste machte das Edelmetall in den vergangenen Tagen aber wieder wett. Aktuell notiert es rund 100 Dollar über seinem Zweieinhalb-Jahres-Tief der Vorwoche.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Kurssturzes haben einige Analysten ihre Preis-Prognosen aber gesenkt. Von Reuters befragte Experten rechnen zum Jahresende im Schnitt mit einem Goldpreis zwischen 1450 und 1550 Dollar, nach 1674,34 Dollar Ende Dezember 2012. Dies wäre das erste Minus nach zwölf Jahresgewinnen in Folge, wobei sich der Preis zeitweise versiebenfacht hatte.

Rettungsplan "derzeit alternativlos"

Georgiades schloss nicht aus, dass Zypern auf den Goldverkauf verzichtet, wenn das Geld an anderer Stelle hereingeholt wird. "Alle Möglichkeiten sollten ausgelotet werden", betonte der Minister.

Er zeigte sich zugleich optimistisch, dass das Rettungspaket in Kürze von den Abgeordneten in Nikosia abschließend gebilligt wird. "Das Parlament wird sehen, dass es derzeit keine Alternative dazu gibt", sagte Georgiades in dem am Montagabend geführten Gespräch. Die Wirtschaft des Landes stöhnt weiter unter den Kapitalverkehrskontrollen, die Zypern zur Abwehr einer Staatspleite Ende März eingeführt hat. Damit soll eine massive Geldflucht abgewendet werden, nachdem im Rahmen des Notkredits auch Kontoinhaber mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro zur Kasse gebeten wurden. Zyprer dürfen pro Tag nur noch 300 Euro abheben und bis zu 2000 Euro mit ins Ausland nehmen.