"Wir verkaufen jetzt viermal so viel Gold"

Das Umfeld für steigende Goldpreise sei nach wie vor vorhanden, meint Gold-Experte und philoro-Chef Rudolf Brenner. Ein Investment in Gold ist seiner Ansicht nach kosteneffizient.

 "Wir verkaufen jetzt viermal so viel Gold"

FORMAT: Der Goldpreis ist in den vergangenen zwei Wochen um gur zwanzig Prozent gefallen. Wie reagieren Ihre Kunden darauf? Gibt es Panikverkäufe?

Rudolf Brenner: Im Gegenteil. Sie nutzen das niedrige Kursniveau und kaufen massiv zu. Das Kaufvolumen ist bei uns in den vergangenen Tagen während des Kurseinbruchs um das Drei- bis Vierfache gestiegen. Das Verkaufsvolumen hat sich dagegen fast auf null reduziert. Besonders die Notenbanken aus China und Russland stocken ihre Bestände in derartigen Korrekturen regelmäßig auf.

Was ist der Grund für dieses konträre Verhalten der Kunden gegenüber dem Markt?

Brenner: Die Kurskorrektur ist rein vom Finanzsektor ausgegangen. In nur wenigen Tagen sind auf diese Weise etliche charttechnische Barrieren gefallen. Das bedeutet, die Handelssysteme lösen automatisch Verkaufsorder aus, sobald die Kurse eine bestimmte Marke unterschritten haben. Davon sind vor allem Derivate auf Gold betroffen. Auch der SPDR, der größte und erste Gold-ETF, hat den Bestand zuletzt um 200 Tonnen reduziert. Das Volumen ist damit auf dem Stand von vor zwei Jahren. Der physische Markt ist von dieser Verkaufswelle jedoch nicht betroffen und weiterhin stark.

Immer mehr Investmentexperten warnen allerdings bereits vor Anlagen in Gold und prognostizieren, wie Goldman Sachs, dass das Ende der zwölfjährigen Kursrally bevorsteht. Sie begründen ihre Meinung etwa damit, dass die US-Wirtschaft, trotz kurzfristiger Rückschläge, an Fahrt gewinnt und ein Katalysator für steigende Preise, wie hohe Inflation, derzeit nicht in Sicht ist.

Brenner: Diese Experten lassen die Risiken, die weiterhin bestehen, außer Acht. Denn das Umfeld für einen steigenden Goldpreis hat sich nicht geändert und ist nach wie vor gut: Die Realzinsen sind niedrig, die Währungskrise dauert an und die Ausweitung der Geldmenge wird irgendwann zu einer höheren Inflation führen und damit zu einer weiteren Flucht in sicheres Gold. Ein weiterer Grund für einen steigenden Goldpreis sind die steigenden Kosten für dessen Förderung. Die Förderung einer Unze Gold wie in den Goldminen Südafrikas kostet heute mittlerweile bis zu 900 Dollar. Das Problem: Physische Ware gibt es nicht im Überfluss und der Rohstoff, der noch gefördert werden kann, ist schwer zugänglich. Schon aus diesem Grund ist das Abwärtspotential für den Goldkurs begrenzt. Auch die Gefahr einer Blase sehe ich nicht. Im Grunde bekommt man heute genauso viel für Gold wie vor tausenden Jahren. In der Römerzeit hat man für eine dreiviertel Unze Gold eine Toga bekommen. An diesem Eintauschverhälnis hat sich bis heute nichts geändert. Auch heute bekommt man für den selben Goldanteil einen schönen Maßanzug.

Manche Goldexperten rechnen bis Jahresende mit einem Goldpreis von 1.375 Dollar. Kurzzeitig wurde die Marke im April sogar bereits unterschritten. Wie ist Ihre Prognose?

Brenner: Andere Goldspezialisten gehen mittelfristig von einem Goldpreis von 2.400 Dollar je Unze aus. Das scheint mir aufgrund der oben genannten Gründe realistischer.

Sie gehen von einer intakten Langzeitperspektive aus. Wie aber sollte man kurzfristig agieren. Zukaufen oder doch noch abwarten?

Brenner: Ein Investment in physisches Gold ist ein Langfrist-Investment. Der richtige Einstiegszeitpunkt ist nicht so entscheidend. Die Entwicklung des Goldkurses korreliert negativ zu anderen Anlageklassen und ist daher ein gut Möglichkeit, das Risiko im Depot zu senken.

Wie hoch sollten Anleger Gold Ihrer Ansicht nach im Portfolio gewichten?

Brenner: Momentan würde ich zu einem Anteil von 20 Prozent raten.

Wie hoch ist denn Ihr persönlicher Goldanteil?

Brenner: Weit über 50 Prozent, aber ich scheue kurzfristige Abwärtsbewegungen nicht, für mich zählen die langfristigen Vorteile meines Goldinvestments.

Gold gibt es in verschiedenen Größen. Wie soll man sein Gold-Depot bestücken?

Brenner: Am besten ist eine Mischung aus Barren und Münzen. Ich rate dazu, kleine Tranchen, am besten Philharmoniker, beizumischen. Für spätere Veräußerungen sind kleinere Einheiten wie Goldmünzen der einfachsten Weg. Ein weiterer Vorteil von Philharmonikern: Sie sind ein offizielles Zahlungsmittel.

Ab welcher Summe lohnt sich ein Einstieg?

Brenner: Wenn man kein Gold besitzt grundsätzlich immer. Ab rund 100 Gramm Gold - die kosten derzeit etwa 3.600 Euro - sind die Kaufspesen von unter zwei Prozent dann nicht mehr signifikant. Ein Investment in Gold ist auf jeden Fall kosteneffizient. Im Gegensatz zu Investmentfonds, wo zum Ausgabeaufschlag, jährliche Managementgebühren und manchmal auch Performancespesen gezahlt werden müssen.

Warum sollte ein Kunde bei Ihnen Gold kaufen, statt bei einer Bank?

Brenner: Ein wichtiges Argument ist natürlich der Preis. Es kommt auf das Produkt an, aber im Schnitt verlangen wir bei philoro für Gold um einen Prozent weniger Aufschlag als die Bank. Bei Silber sind es bis zu acht Prozent. Aber auch ein Prozent Unterschied kann bei höheren Summen eine ordentliche Ersparnis ausmachen. Ein Kilo Gold kostet bei philoro rund 250 Euro weniger als bei einer Bank. Außerdem haben Kunden bei uns den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu einer Bank Gold sofort kaufen können. Wir haben nämlich Gold immer in unterschiedlichsten Größen vorrätig. Die Bank muss die Ware vielfach erst bestellen und fixiert auch dann erst den Preis. Und bei uns sitzen die Kunden Experten gegenüber die langjährige Erfahrung in der Veranlagung in Gold haben.

In der EU wird derzeit diskutiert, ob Kunden, die mehr als 100.000 Euro auf der Bank haben, bei einer Staatspleite zur Kasse gebeten werden. Wären von so einer Maßnahme auch die Goldbestände Ihrer Kunden betroffen?

Brenner: Unser Vorteil ist, dass wir bankenunabhängig sind. Wir haben Safes, in denen Kunden ihr Geld deponieren können, doch der Staat hat darauf keinen Zugriff. Viele Kunden lassen sich das Gold auch nach Hause schicken. In diesen Fällen hat der Staat natürlich auch keine Chance, an dieses Vermögen heranzukommen.

Bei philoro kann man Gold auch online bestellen. Wie sehr wird das Angebot angenommen?

Brenner: Rund die Hälfte der Käufer ordern bei uns online. In Deutschland kaufen nach wie vor rund 80 Prozent der Kunden das Gold in einer Filiale. Das Praktische bei der Onlinebestellung ist, dass man die Ware versichert nach Hause geliefert bekommt. Aber auch Safes werden immer beliebter.

Ist nach der starken Nachfrage nach Gold in der Vergangenheit noch Platz in ihren Safes?

Brenner: Derzeit nicht, aber wir eröffnen am 1. Juni in der Wiener Währinger Straße eine neue Filiale, wo wir zu den bestehenden 30 Safes, 70 weitere Einzelverwahrmöglichkeiten anbieten werden.

Wer sind ihre typischen Kunden?

Brenner: Die meisten Käufer sind zwischen 30 und 50 Jahre alt. Auch bei Pensionisten sind Investments in Gold beliebt. Aber es gibt auch solche, wo man sich fragt, ob sie überhaupt schon über 18 Jahre sind. Und unsere Kunden kommen aus allen Gesellschaftsschichten.

Um wie viel Geld kauft der durchschnittliche Anleger Gold?

Brenner: Im Schnitt im fünfstelligen Bereich. Aber es gibt auch solche, die um 25 Euro einen Silber Philharmoniker kaufen, andere wiederum ordern Gold für eine Million.

Durch den Goldrausch an den Märkten sind viele Goldhändler aus dem Boden geschossen. Warum sollte man bei Ihnen dieses Investment tätigen?

Brenner: Wir agieren sehr konservativ. Im Gegensatz zu so manchem anderen Händler hedgen wir unsere Bestände. In den vergangenen Jahren in denen die Kurse vielfach nur gestiegen sind, haben die Händler, die ihre Käufe nicht abegesichert haben und so Spesen gespart haben, kräftig profitiert und die Extraprämie eingestrichen. Doch wenn wie jetzt die Kurse fallen, steigen umgekehrt die Kosten für solche Händler enorm. Das könnte solchen Anbietern früher oder später zum Verhängnis werden. Das kann bei uns nicht passieren. Wir sichern uns gegen Kursschwankungen ab. Unser Ziel ist es, langfristig zu wachsen und nicht nur in steigenden Phasen abzukassieren. Wir verfügen zudem über eine gute Kapitalbasis und sind neben Filialen in Wien und Salzburg auch in Leipzig und Budaptest vertreten und damit als einer der wenigen auch in mehreren Ländern präsent.

Ihr Unternehmen gibt es seit einigen Jahren. Wie hoch ist ihr Umsatz?

Brenner: Er wird auch 2013 wieder deutlich ansteigen denn wir liegen schon jetzt weit über unseren Prognosen für das erste Quartal. Wir gewinnen sowohl viele neue Privatkunden als auch ständig neue Partner aus dem Bankensektor.