Warum Zypern für den Gold-Preis irrelevant ist...

Experten sehen darin allerdings eine Über-Reaktion des Marktes. "Die angedachte Menge von zehn Tonnen Gold ist nicht groß", betont Macquarie-Analyst Matthew Turner.

Warum Zypern für den Gold-Preis irrelevant ist...

Dies entspreche in etwa der Menge, die börsennotierte Gold-Fonds (ETFs) derzeit durchschnittlich jede Woche verkauften. Allein von Dienstag auf Mittwoch hatten sich diese von 16,8 Tonnen des Edelmetalls getrennt.

Am Mittwoch war der Goldpreis zeitweise um knapp zwei Prozent auf 1,555,39 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) abgerutscht, nachdem die Nachrichtenagentur Reuters gemeldet hatte, die Vereinbarung über weitere Hilfen für Zypern sehe unter anderem vor, dass der Inselstaat als Gegenleistung den größten Teil seiner Goldreserven verkaufen muss. Bis zum Donnerstag stabilisierte sich der Preis des Edelmetalls bei knapp 1560 Dollar.

US-Geldpolitik ist gewichtiger Faktor

"Der Preissturz beim Gold war im übrigen nicht nur auf Zypern zurückzuführen, sondern auch auf die Veröffentlichung des Protokolls der letzten Fed-Sitzung", sagt Daniel Briesemann, Rohstoff-Analyst bei der Commerzbank. "Daraus ging hervor, dass sich einige FOMC-Mitglieder für die Beendigung des Anleihenankaufprogramms zum Jahresende ausgesprochen haben."

Auch für LBBW-Analyst Thorsten Proettel sind die Verkaufspläne für das zyprische Gold allenfalls ein vorübergehender psychologischer Belastungsfaktor. "So lange nicht Frankreich oder Italien gezwungen sind, größere Mengen ihrer Goldreserven zu verkaufen, hat dies keinen längerfristigen Einfluss auf den Preis." Dem World Gold Council (WGC) zufolge besitzen diese beiden Staaten jeweils knapp 2500 Tonnen Gold und liegen damit auf der Weltrangliste auf den Plätzen vier und fünf hinter den USA, Deutschland und dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Zypern kommt gerade einmal auf 13,9 Tonnen, Griechenland auf 111,9 Tonnen und Spanien auf 281,6 Tonnen.

Keine größeren Goldverkäufe zu erwarten

Selbst wenn andere Staaten ihre Schulden durch den Verkauf von Goldreserven abbauen wollten, müsse nicht mit einer Edelmetall-Schwemme gerechnet werden, betont LBBW-Analyst Proettel. Schließlich limitiere das "Washington Gold Agreement" die jährlichen Gold-Verkäufe der Notenbanken, die die Vereinbarung unterzeichnet haben, auf insgesamt 400 Tonnen.

Der Fall Zypern taugt auch für seinen Kollegen Briesemann nicht zur Blaupause für den Weg aus der Schuldenkrise. "Der wirtschaftliche Effekt von Goldverkäufen wäre gering und sie würden nur unwesentlich zum Abbau der Staatsschulden beitragen. Zypern ist erst einmal als Einzelfall zu sehen, weil kein anderes Land derzeit so sehr auf Biegen und Brechen Geld braucht wie der Inselstaat."

Gold in Yen – so teuer wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr

Allgemein sehen Experten die Geldpolitik der Zentralbanken als den entscheidenden Faktor für die langfristige Richtung des Goldpreises. Wegen der immer schneller rotierenden Notenpressen bleibe das Edelmetall als Sicherheit gegen eine galoppierende Inflation interessant. "Wie sehr die Abwertung der Währung den Goldpreis in die Höhe treibt, ist besonders in Japan zu sehen", sagt Briesemann. In Yen gerechnet kostete Gold am Mittwoch zeitweise 157.704 Yen je Feinunze. Das ist der höchste Stand seit mehr als drei Jahrzehnten.