Schwacher Goldpreis spricht für anhaltende Geldschwemme der Notenbanken

Es herrscht weiter Rätselraten über die Hintergründe für den stärksten Goldpreis-Einbruch seit über 30 Jahren...

Schwacher Goldpreis spricht für anhaltende Geldschwemme der Notenbanken

Enttäuschende Konjunkturdaten aus China und den USA lösten zum vierten Mal in Folge für Sorgen um das globale Wirtschaftswachstum. Und: Investoren haben ihre langjährigen Wetten aufgegeben, dass die geldpolitischen Anreize die Inflation letztlich anheizen werden. Andere Erklärungen reichen von der Ansicht, dass der Goldpreis bestimmte technische Niveaus erreicht hat bis hin zu Sorgen, dass Zypern bei anderen hoch verschuldeten Ländern einen Ausverkauf der Goldreserven auslösen könnte.

Die Kombination aus Wachstumssorgen und verringerten Inflationsängsten stärkt jedenfalls die Position von US-Notenbankchef Ben Bernanke und seinen Kollegen anderswo, die ihre Volkswirtschaften weiterhin mit Geld fluten, in der Hoffnung, die Konjunktur werde Fahrt aufnehmen. Es dürfte ihnen auch helfen, Kritiker in die Schranken zu weisen.

Schwacher Goldpreis feuert Geldflut an

"Zentralbanken können jetzt, da der Goldmarkt in Bezug auf die Ängste vor Hyperinflation eingeknickt ist, opportunistisch sein und mit ihrer quantitativen Lockerung (QE) fortfahren", sagte Edward Yardeni, Präsident und Chef-Investmentstratege bei Yardeni Research in New York. “Sie könnten auch argumentieren, dass die Schwäche der Rohstoffpreise auf Wachstumssorgen deutet, was umso mehr ein Grund wäre, QE fortzusetzen”, fügte er an.

Der Goldpreis ist seit dem 22. August 2011 um über 27 Prozent eingebrochen auf 1,367,71 Dollar die Unze am Donnerstag und befindet sich damit in einem Bärenmarkt. Davor hat sich Gold zwölf Jahre lang verteuert – getrieben nicht zuletzt von Investoren die darauf setzten, zunehmende Inflation und die Zentralbankhilfen würden Gold zu einem sicheren Hafen für ihr Vermögen machen und der Preis würde weiter steigen.

Der Preisrutsch nun kam wenige Tage bevor sich die wichtigsten Finanzmister und Notenbankchefs in Washington treffen , um über Anzeichen einer weltweiten Wachstumsverlangsamung zu reden. Der Internationale Währungsfonds hat in dieser Woche seine Prognose für das globale Wachstum auf 3,3 Prozent zurückgestutzt. Im Januar war der IWF noch von 3,5 Prozent Wachstum ausgegangen.

Die schwächeren Aussichten könnten eine Erklärung dafür sein, weshalb es zu dem Ausverkauf bei Gold und anderen Rohstoffen gekommen ist, meint Igor Arsenin, Leiter Zinsstrategie Schwellenländer Asien bei Barclays in Singapur. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent ist erstmals seit Juli unter die Marke von 100 Dollar je Barrel gesunken. Den Zentralbanken liefere dies eine Rechtfertigung für ihre geldpolitische Lockerung, sagte Jonathan Wright, Professor für Ökonomie an der Johns Hopkins University in Baltimore und früher für die Federal Reserve tätig.

Notenbanken halten Fuß am Gas

“Mit den jüngsten Anzeichen von Konjunkturschwäche halte ich es für unwahrscheinlich, dass die geldpolitischen Anreize in absehbarer Zeit auch nur reduziert werden”, sagte Wright. “Zum vierten Mal in Folge beginnt das Jahr mit Lärm um die bevorstehende Exit-Strategie und dann verläuft alles im Sand”, ergänzte er.

Aus Sicht der US-Notenbank würden die billigeren Rohstoffe die Notwendigkeit verstärken, dieses Jahr weiterhin Anleihen zu kaufen, sagte Joseph Gagnon, Senior Fellow am Peterson Institute for International Economics in Washington und früherer Fed- Mitarbeiter. “Wir haben uns noch nicht erholt und wir erholen uns nicht schnell”, sagte Gagnon, “in keiner Weise haben wir eine adäquate Erholung.”

Nach Ansicht von Neil Mackinnon, Stratege bei VTB Capital in London, deutet der Goldpreiseinbruch daraufhin, dass Investoren infrage zu stellen beginnen, dass billiges Geld eine unkontrollierbare Inflation auslöst. Die weltweite Verbraucherpreisinflation ist im vergangenen Jahr um einen Prozentpunkt gesunken und dürfte sich nach Einschätzung der Volkswirte um Bruce Kasman bei JPMorgan in New York in den zwölf Monaten bis Februar von 2,5 Prozent auf 2,0 Prozent abschwächen.

“Bisher waren die Märkte besorgt, das QE Inflation bedeutet. Aber wir haben QE - nicht nur bei der Fed, sondern auch bei der japanischen Notenbank - und trotzdem sieht die Weltwirtschaft unsicherer aus als noch vor drei oder vier Monaten, sagt Mackinnon, der früher beim britischen Finanzministerium tätig war. Das generelle Bild sei, dass die Inflation sehr gedämpft ist, ergänzte er.

Marcus Grubb, Managing Director der Investmentanalyse beim World Gold Council in London, äußerte in einem Interview mit Bloomberg Television, Gold werde verkauft, weil die Investoren glauben, ‘‘dass die Erholung kommt und Gold dann als Anlage weniger sinnvoll ist’’. Der Preisrutsch um 13 Prozent innerhalb von zwei Tagen - der größte seit Jänner 1980 - wurde zu einem ‘‘Panik-Ereignis’’, dass nicht auf Fundamentaldaten beruhte, sagte Catherine Raw, Fondsmanagerin bei BlackRock Inc. in London, in einem Interview mit Bloomberg Television. Frank McGhee, Chefhändler bei Integrated Brokerage Services in Chicago, berichtete, dass einige Investoren versuchten, Geld zu beschaffen, um Positionen, die sie mit Krediten eingegangen waren, abzudecken.

Goldman Sachs wird zum "Gold-Bären"

Goldman Sachs schrieb am 10. April, die Kehrtwende im Goldzyklus beschleunige sich und Investoren sollten das Edelmetall verkaufen. Besorgnis, dass Zypern gezwungen wird, einen Teil seiner Goldreserven zu verkaufen, hätten den Ausverkauf bei Gold ausgelöst, weil dies ‘‘potenziell eine umfangreichere Monetarisierung der Goldreserven bei anderen europäischen Zentralbanken widerspiegelt’’, hieß es.

‘‘Es gab große Angst, dass eine aggressive Zentralbankpolitik die Inflation anheizen oder die Währung schwächen würde und nichts ist passiert’’, sagte Kit Juckes, Globaler Stratege bei Société Générale in London. ‘‘Die Tatsache, dass wir mitten im Jahr 2013 sind und nichts davon geschehen ist, hat ausgereicht, um für eine übergroße Korrektur bei Gold zu sorgen’’, ergänzte er.