"Mittelfristig wird es zu einer Teilung des Euro kommen"

"Mittelfristig wird es zu einer Teilung des Euro kommen"

Die Weltwirtschaftskrise 2008/09 war, das Resultat von Exzessen, im Konsum, im Immobilienbereich, von Fehlinvestitionen und spekulativen Blasen, ausgelöst durch ein Überangebot an billigem Geld über einen langen Zeitraum hinweg. Wurden Ihrer Meinung nach diese Fehlentwicklungen in ausreichendem Maße bereinigt?

Josef Bucher : Nein, bislang wurde es verabsäumt die Finanzmärkte neu zu ordnen. Dazu würde unserer Meinung nach zunächst einmal die Einführung des Trennbankensystems, d. h. die Trennung in Geschäfts- und Investmentbanken notwendig sein. Derzeit existieren in
Europa hauptsächlich gemischte Bankenkonzerne, die ständig gerettet werden müssen, obwohl das für den Investmentbankenbereich nicht notwendig wäre.

Das Ausmaß der Verschuldung in den OECD-Staaten hat ein historisch einzigartiges Ausmaß angenommen und beträgt teilweise ein Vielfaches des jeweiligen BIP. Der Grund dafür war, dass die Verschul-dung von der Privatwirtschaft – vor allem aus der Finanzindustrie - in die öffentlichen Haushalte transferiert wurde. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Bucher : Diese Entwicklung ist fatal, deshalb wäre eine Neu-ordnung des Finanzsektors in Europa auch so dringend. Nur wenn es gelingt diesen Teufelskreis zu durchbrechen, wird auch wieder die notwendige Stabilität für ein geregeltes Wirtschaftswachstum einkehren.

Die Währungen der großen Industrienationen – vor allem US-Dollar und Euro – haben im letzten Jahrzehnt deutlich gegenüber Sachwerten wie Gold abgewertet. Wie sehen Sie die Zukunft des Euros?

Bucher : Der Euro in seiner heutigen Form hat sich offensichtlich nicht bewährt, da wirtschaftlich schwächere Länder sehr unter der Stärke des Euro leiden. Deshalb wird es mittelfristig zu einer Teilung des Euro kommen und zwar in einen starken Kerneuro und einen schwächeren Euro oder Einzelwährungen für jene Staaten, die wirtschaftlich nicht mit den Ländern der Kernzone mithalten können.

Was halten Sie von der Annahme zahlreicher Verfechter eines Goldstandards, dass es unter einem mit goldgedeckten Währungssystem mehr Planungssicherheit (über langfristige Zeiträume hinaus) gäbe und die ungezügelte Geldmengenausweitung nicht mehr möglich wäre?

Bucher : Wenn sich die Golddeckung bewährt hätte, so würde sie auch noch heute bestehen. Es ist aus unserer Sicht gefährlich sich hier einer gewissen Nostalgie hinzugeben. Unabhängig davon, hat sich das jetzige System auch nicht bewährt. Es wird also eine der großen Aufgaben der Politik sein, in den kommenden Jahren ein neues System zu entwickeln, das wiederum eine festen Bezugspunkt ausweist, aber auch flexibel genug ist, um Krisen auszugleichen.

Die Konvergenzkriterien für die Euromitglieder würden de facto die Rahmenbedingungen eines modernen Goldstandards erfüllen (keine ausufernde Gelmengenausweitung, Verschuldungsgrenzen etc.). Was halten Sie davon, dass die Konvergenzkriterien immer mehr aufgeweicht werden?

Bucher : Diese Entwicklung ist sehr schlecht, da die Aufweichung zu einem erheblichen Vertrauensverlust geführt hat, was sich auch in den zunehmenden Problemen mit den Ratings der großen Ratingagenturen zeigt.

Welche Rolle könnte Ihrer Meinung nach Gold in einer modernen Wirtschafts- und Finanzwelt spielen?

Bucher : Als Bezugsgröße und Fluchtmöglichkeit spielt es auch heute eine große Rolle, als Bezugspunkt für die Wechselkurse hat es sich nicht bewährt, da es in seiner Menge begrenzt ist, so dass notwendige Anpassungen nicht vorgenommen werden können, dazu ist es notwendig die Geldmenge im Bedarfsfall zu erhöhen und der gegenüberstehenden Warenmenge anzupassen.

Viele Leute haben Angst vor Inflation, flüchten daher in Sachwerte wie Gold, können Sie dieses Verhalten nachvollziehen?

Bucher : Ja, aber eine Gefahr besteht natürlich auch bei der Flucht ins Gold, nämlich dass es zu Überbewertungen mit entsprechend nachfolgendem Preisverfall kommt.

In den USA, der Eurozone, Großbritannien und in Japan repräsentieren Zentralbanken 60 Prozent des Kreditvolumens, die öffentlichen Haushalte nehmen 75 Prozent der gesamten Kreditaufnahme in Anspruch. Befinden wir uns auf dem Weg zu einer zentralen Wirtschaftsplanung?

Bucher : Wahrscheinlich weniger zu einer zentralen Wirt-schaftsplanung, als zu einer weiteren Kreditverknappung für die Wirtschaft. Diese Entwicklung ist schlecht und kann nur durch verstärkte Haushaltsdisziplin der Staaten verbessert werden.

Es gibt Wirtschaftstheoretiker die meinen Zentralbanken sollten die gesamte Staatsverschuldung aufkaufen, mit Liquidität die sie selbst schaffen, um dann sämtliche Schulden abzuschreiben. Wäre das eine Lösung?

Bucher : Wenn man das Vertrauen in die Währungen unbedingt schmälern will, ja. Wenn man wieder eine Wirtschaft auf gesunder Basis und Staaten mit entsprechender Haushaltsdisziplin will, nein.

In Japan wird ein riesiges Konjunkturprogramm bereits direkt von der Zentralbank finanziert; was halten von einem derartigen Ansatz?

Bucher : Wenig. Vor allem auch deshalb, weil trotz der Auswei-tung der Geldmenge Japan mit Deflation kämpft, also offenbar genau das Gegenteil erreicht.

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Das Interview würde zur Verfügung gestellt von philoro .