"Hohe Inflation ist früher oder später unausweichlich – das spricht für Gold"

"Hohe Inflation ist früher oder später unausweichlich – das spricht für Gold"

FORMAT : Seit Februar ist der Goldpreis um bis zu 20 Prozent abgestürzt, um seit Anfang Juli wieder mehr als zehn Prozent zuzulegen. Die US-Bank Goldman Sachs hat die Prognosen dennoch bis Jahresende von 1.435 Dollar je Feinunze auf 1.300 Dollar gesenkt. Damit wäre bis Jahresende mit Gold nichts mehr zu verdienen. Im neuen Jahr sollen die Kurse sogar auf 1.000 Dollar je Feinunze sinken. Wie wahrscheinlich ist dieses Szenario?

Rudolf Brenner: Wir beobachten immer wieder, dass Analysten die Prognosen der Preisentwicklung anpassen. Goldman Sachs ist ein gutes Beispiel dafür. Steigt der Preis für Gold, werden die Prognosen angehoben, sinken die Kurse, korrigiert Goldman Sachs die Prognosen nach unten.

Sie glauben also nicht, dass die Kurse bis Ende 2014 um mehr als 20 Prozent einbrechen werden?

Brenner: Das halte ich für unwahrscheinlich. Beim aktuellen Preis hat Gold einen natürlichen Boden gefunden. Der Preis für die Produktion von Gold in den Minen, die Logistik und Prägung liegt bei rund 900 Dollar je Unze. Da ist nicht mehr viel Luft nach unten. Alle Kursrückgänge, die jetzt noch kommen, wären eine Übertreibung nach unten.

Auf dem Goldmarkt gibt es starke Käufergruppen. Könnten diese nun längere Zeit Gold meiden?

Brenner: Durch die starken Kursrückgänge bis Ende Juni ist natürlich viel Schaden angerichtet worden. Der hohe Wertverlust geht auf Trendfolgemodelle von CTAs (Commodity Trading Advisors) zurück, die für einen Großteil der Gold-Transaktionen verantwortlich sind. Wenn eine bestimmte charttechnische Barriere erreicht ist, werden bei diesen Systemen automatisch per Computerhandel Wertpapiere ge- oder verkauft. Zuerst waren CTAs dafür verantwortlich, dass die Kurse so stark gestiegen sind, jetzt dass sie so stark zurückgegangen sind.

Die verbesserten Konjunkturaussichten in den USA und ausbleibende Schreckensmeldungen aus kriselnden Euroländern sind nicht gerade ein ideales Umfeld für das in Krisen bewährte Gold.

Brenner: Dennoch darf man nicht vergessen, dass gerade die US-Konjunktur am Tropf der Nationalbank hängt. Die Fed betreibt einen enormen finanziellen Aufwand um die Arbeitslosigkeit zu senken und trotzdem wurden bisher nur marginalen Erfolg erzielt. Insgesamt ist die Verschuldung der industriellen Welt, also der OECD-Staaten, überdurchschnittlich hoch. Das Fatale daran ist, dass nur ein Bruchteil des Geldes in der realen Wirtschaft landet. Deshalb scheint aus derzeitiger Sicht eine hohe Inflation früher oder später unausweichlich. Das wiederum wäre ein gutes Umfeld für Gold.

Wie schätzen Sie kurzfristig die Entwicklung von Gold ein?

Brenner: Jetzt warten viele noch ab. Denn die zweite Hälfte des Jahres ist bei Gold stets die umsatzstärkste. So beginnt im Herbst in Indien die Hochzeitsaison, bei der hochwertiger Goldschmuck ein Muss ist. Auch in China finden in dieser Zeit einige wichtige Feste statt, auf denen man sich mit Gold schmückt. Und in den westlichen Ländern bereiten sich Schmuckproduzenten auf Weihnachten vor, was traditionell auch dort die Umsätze steigen lässt. Die Märkte antizipieren dieses Verhalten, weshalb die Preise im Herbst regelmäßig steigen.

Die chinesische Wirtschaft schwächelt. Ist da nicht zu befürchten, dass weniger Schmuck gekauft wird?

Brenner: Das wurde bereits für die vergangenen Monate prognostiziert, doch laut Angaben des World Gold Council, das Statistiken für den Absatz von Gold verfasst, ist das gehandelte Goldvolumen weltweit ungebrochen hoch – auch in China und in Indien, dem wichtigsten Abnehmerland für Gold.

Wie ist das Kundenverhalten derzeit?

Brenner: Nach dem ersten Kursrutsch hat es einen Run auf physisches Gold gegeben. Jetzt hat sich die Nachfrage stabilisiert. Doch wir haben viele Stammkunden, die ihr Depot kontinuierlich aufstocken. Wer einmal den Reiz des physischen Besitzes von Gold entdeckt hat, kauft immer wieder nach. Das hat auch gute Gründe, Gold wird nie wertlos und ist die billigste Anlageform. Bei manchen Anlageformen von Banken und Versicherungen machen die Spesen inklusive versteckter Gebühren bis zu 50 Prozent der Einlage aus. Für ein Kilo Gold zahlt man dagegen nur ein Prozent Spesen und das war's.

Gold gilt als krisensichere Investment, doch was passiert, wenn etwa wie in Zypern geplant war, die Einlagen der Sparer besteuert werden? Müssen Anleger die Goldbarren in einem Schließfach deponiert haben, ebenfalls um einen Teil ihres Investments fürchten?

Brenner: In einer Bank ist das nicht auszuschließen. Denn bereits wenn die Bank aufgrund einer Krise zwischenzeitlich schließt, können die Kunden nicht mehr an ihr physisches Gold heran. Das kann bei einer Handelsgesellschaft wie wir es sind, nicht passieren. Wir unterliegen nämlich keinen Bankenregulatorien. Bei uns können Kunden rund um die Uhr zu ihrem Schließfach und ihr Gold zu jeder Zeit entnehmen.

Welche Möglichkeit bietet sich Kunden, die ihr Gold lieber außerhalb der EU deponieren möchten?

Brenner: Mit dieser Frage sind wir immer wieder konfrontiert, weshalb wir vor kurzem in Liechtenstein gemeinsam mit dem Sicherheitsunternehmen ARGUS den größten Tresorraum Europas eröffnet haben. Dort ist Platz für rund 10.000 Schließflächer. Die Räume gleichen einer Festung, werden von rund 40 Personen bewacht und sind praktisch uneinnehmbar. Wir bieten dort die gleichen Sicherheitsstandards wie die Nationalbank.

Was kostet es sein Gold in einem Schließfach zu verwahren?

Brenner: Bei philoro kostet das in Österreich 290 Euro pro Jahr. In Liechtenstein ist es ähnlich hoch. Damit sind die Kosten zwar rund doppelt so hoch wie bei einer Bank, aber dafür sind die Einlagen voll versichert – was bei Banken in der Regel nicht der Fall ist.

Manche Händler bieten auch an, Gold beispielsweise in Hongkong zu verwahren. Ist das noch sicherer?

Brenner: Ich kann von solchen exotischen Destinationen nur abraten. Dort ist man zum einen von der örtlichen Judikatur abhängig, zum anderen ist gerade Hongkong der größte Umschlagplatz für Raubgold und man muss mit starken Wertschwankungen der Währung rechnen.

Goldhändler scheinen sich derzeit mit günstigen Angeboten zu überbieten. Sie zählen nicht zu jenen, die Edelmetalle zu Schnäppchenpreisen anbieten. Warum soll man trotzdem bei philoro kaufen?

Brenner: Weil das Risiko, dass diese Händler Pleite gehen, zu hoch ist. Bei vielen Goldhändlern ist in den vergangenen Monaten der Umsatz stark zurückgekommen. Das Problem bei vielen ist, dass sie – im Gegensatz zu uns - ihre Ware, um Kosten zu sparen, nicht gehedged haben. Jetzt haben sie aufgrund der Kursrückgänge mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen. Indem sie Gold praktisch zu dem Preis verkaufen zu dem sie selbst kaufen, versorgen sie sich, durch die gestiegene Nachfrage, mit ständig neuem frischen Geld. Nur so kommen diese Händler vielfach in die Lage, weitere Käufe überhaupt bezahlen zu können. Eine sehr riskante Strategie, denn irgendwann kann das System zusammenbrechen und der Kunde sieht vielleicht seine Einlage nie wieder. Wir hingegen verfügen über eine starke Kapitalbasis und agieren konservativ.

Online-Shops für Edelmetalle werden immer beliebter. Kann man dort ruhigen Gewissens Gold kaufen?

Brenner: Wir bieten zwar auch Gold online an, aber von reinen Online-Händlern rate ich dringend ab. Dieser enorme Vertrauensvorschuss für eine virtuelle Adresse kann ins Auge gehen. Im schlimmsten Fall ist das eingezahlte Geld weg.

Geld

Goldkurs fällt: Preis rutscht wieder unter 1.500 Dollar

Geld

Der neue Goldrausch: Neues Kurshoch prognostiziert

Geld

Edles Metall: Gold wird wieder glänzen

Gold

Goldpreis: Glänzende Performance