Goldpreis: Es gibt keine "Weisheit der vielen"

Goldpreis: Es gibt keine "Weisheit der vielen"

Die jährliche Goldpreisprognose der LBMA zeigt, dass es doch keine „Weisheit der Vielen“ gibt, selbst wenn es sich um eine Gruppe von führenden Analysten handelt, meint Adrian Ash von BullionVault.

Die London Bullion Market Association befragt jedes Jahr eine Reihe renommierter Analysten von großen Banken und Beratungsunternehmen, wie sich ihrer Meinung nach im nächsten Jahr die Edelmetallpreise entwickeln werden. Dies ist als eine Dienstleistung für den Markt und dessen Akteure gedacht. Jeder Teilnehmer der Umfrage muss eine Angabe machen zu dem von ihm erwarteten niedrigsten Preis, dem Höchstpreis und dem Jahresdurchschnitt von Gold in US-Dollar. Die gleiche Umfrage findet auch für Silber, Platin und Palladium statt.

Zu Jahresende wird dann von der LBMA der Gewinner gekürt, dessen Schätzungen dem wirklichen Kurs am nächsten kamen (mit dem Hoch und Tief als „Tie-Breaker“ im Falle eines Unentschiedens). Dieser gewinnt als Preis - natürlich - etwas Gold (sowie die Möglichkeit, mit diesem Sieg seinen Lebenslauf zu zieren).

Das aktuelle Ergebnis der Umfrage wurde in dieser Woche von der LBMA veröffentlicht. Nein, wir von BullionVault nahmen nicht an dieser Befragung teil. Schlichtweg, weil wir nicht wissen, wie sich die Preise entwickeln werden. Aber als einige der befragten Experten einen Blick auf die durchschnittlichen Preise für 2014 warfen, reagierten sie mit Ausrufen wie „Wie langweilig, so auf Nummer sicher zu gehen!“. Dies fand am Dienstagabend in London beim Umtrunk anlässlich der Pensionierung des LBMA-Geschäftsführers Stewart Murray statt. Nun zum eigentlichen Verfahren. Einige individuelle Vorhersagen sind herausragend. Jeder Analyst erklärt detailliert die Gründe für sein Ergebnis, und die dahinterstehende Kompetenz steht außer Frage. Aber dann aus den sämtlichen Zahlen einen Mittelwert zu errechnen? Nun ja... Wenn man die Jahre von 2008 und 2011 betrachtet, so lagen diese von der LBMA vorausgesagten Mittelwerte um 5% unter den tatsächlichen Kursen. Das Hoch in 2011 erteilte den Analysten eine Lehre, denn selbst die Prognose des Siegers lag mehr als 20 USD unter dem richtigen Goldpreis je Feinunze. Daraufhin war die durchschnittliche Vorhersage für 2012 um 5% zu hoch, während sie, aufgrund des starken Rückgangs der Goldpreise in 2013, im folgenden Jahr sogar um 25% zu bullisch ausfiel.

Das gleiche trifft auch für Silber zu. Die Prognosen zwischen 2008 und 2011 fielen um durchschnittlich 10% zu niedrig aus. In 2011 lag selbst die beste Schätzung noch um 1 USD unter dem echten Wert, satte 3% also. In 2012 schoss die LBMA dann um 10% über das Ziel hinaus, und in 2013 waren es sogar 40%.

Für 2014 sagen die Analysten einen durchschnittlichen Rückgang des Silberpreises um 16% voraus, die zu dem 24%igen Preisverlust vom letzten Jahr hinzukommen. Grund hierfür ist, dass, im Falle eines schwachen BIP-Wachstums, dies zu einem Rückgang der Nachfrage aus der Industrie führen könnte. Zudem wird eine erhöhte Volatilität erwartet.

Bei Gold einigten sich die Experten auf die gleiche Wertentwicklung wie im letzten Jahr, wonach der durchschnittliche Goldpreis um 14% von 1411 USD auf 1219 USD je Feinunze abrutschen würde. Als Gründe werden unter anderem die mögliche Stärkung des US-Dollars sowie die Reduzierung der expansiven Geldpolitik der Fed genannt. Die durchschnittlichen Höchst- und Tiefstwerte liegen bei 1379 USD beziehungsweise 1067 USD.

In anderen Worten, die Stimmung unter den Analysten hat sich letztendlich geändert, so dass diese nun mit einer Baisse rechnen. Wie langweilig, so auf Nummer sicher zu gehen… Aufgrund der Vergangenheit ist diese Tendenz genauso wahrscheinlich wie unwahrscheinlich. Aber das ist nun einmal die Weisheit der Vielen , die versuchen, den Verlauf der Zukunft zu prognostizieren. Völlig unabhängig davon, wie akkurat und kompetent auch der zukünftige Gewinner der Befragung gewesen sein mag.

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