"Gold behält seinen Wert"

"Gold behält seinen Wert"

Sie haben sich vor einiger Zeit aus dem „Mainstream-Alltag“ zurückgezogen. Keine Handys, Autos, Supermarkt – viele Menschen gehen nicht ganz so weit, aber manche ziehen sich aus dem monetären Mainstream zurück und kaufen Gold und andere Realwerte. Können Sie ein solches Verhalten nachvollziehen?

Roland Düringer: Was ich derzeit mache, ist in Wirklichkeit kein Rückzug, denn das würde bedeuten, dass ich mich in den Wald zurückziehe und meinem Beruf nicht mehr nachgehen oder mit niemandem was zu tun haben will. Das ist nicht der Fall. Ich lebe ganz normal mein Leben, wie vorher, nur verwende ich andere Werkzeuge – das ist der entscheidende Punkt. Es ist in Wahrheit auch kein Verzicht oder ähnliches.
Betreffend Gold kann ich sehr gut nachvollziehen, dass Menschen jetzt versuchen, ihre Werte irgendwo zu bunkern, weil es spürbar ist, dass schön langsam alles ein bisschen den Bach runter gehen wird und sich die Leute zunehmend mit dem Thema „Was ist Geld überhaupt?“ beschäftigen.
Heutzutage ist es auch um Einiges leichter, sich Informationen zu holen. Es gibt Bücher, man kann sich Vorträge anhören oder man kann im Internet suchen. Das sind zwar auch alles nur Meinungen, aber immerhin hat man die Möglichkeit, zu verstehen, was Geld eigentlich ist und dass ein Geldschein in Wirklichkeit keinen Wert hat. Jetzt wird natürlich behauptet, dass Gold oder Silber einen Wert hat. Das ist, wenn man die Geschichte nachverfolgt, auch glaubhaft. Ich glaube zu wissen, dass man im alten Rom für 1 Unze Gold eine Herrenausstattung bekommen hat und heute bekommt man es auch noch. Das heißt, Gold behält seinen Wert.
In meinem Programm kommt eine Stelle vor, wo ich über einen 100-Euro Schein rede – dann sage ich: “Jetzt zeige ich Ihnen was anderes“ und dann hole ich einen Silberzehner heraus und alle sagen, „Jö, 10 Schilling!“. Die Münze ist im Unterschied zum Papiergeld tatsächliches Geld, aber nicht weil Schilling drauf geprägt ist, sondern weil es Silber ist und Silber einen Wert hat. Ich erinnere mich nur zu gut, dass ich damals alle Silberzehner hergegeben habe, weil man weitläufig meinte, sie wären bald wertlos. Ich habe für einen Zehner damals 70 Cent bekommen. Jetzt habe ich mir den Silberzehner wieder kaufen müssen, um ihn als Requisit zu zeigen; die Bank hat mir dafür EUR 3,50 verrechnet. Also was wäre gewesen, wenn ich damals meine Münzen nicht alle umgetauscht hätte? Ich frage die Leute dann, warum hat Silber einen Wert? Weil es selten ist. Also hat alles, was selten ist, einen Wert?
Das hieße, wenn der Nagelpilz immer seltener wird, will ich den dann auch haben? Daran allein kann es also nicht liegen. Dann müsste man jemanden fragen, der mit Silber zu tun hat, zum Beispiel jemanden, der in einer Silbermine schürft, untertags. Der weiß, warum Silber einen Wert hat, weil es eine schwere Arbeit ist, dieses Zeug aus dem Berg herauszuarbeiten. Wenn aber jemand Mobiltoiletten ausräumt bei 40 Grad im Sommer, ist das auch eine Drecksarbeit, dafür hat das darin aber noch immer keinen Wert. Es ist schon so, weil wir es behaupten. Und diese Behauptung hält sich so lange wir daran glauben.
Werte sind subjektiv, werden von Traditionen in ihrer Wahrnehmung verstärkt; Gold und Silber haben eine lange Tradition. Ich kann durchaus verstehen, dass man jetzt versucht, Werte zu bunkern und zwar in Edelmetallen, das ist vollkommen nachvollziehbar. Einer Illusion dürfen wir uns nicht hingeben: dass man, wenn es wirklich einmal sein sollte, dass unser Geld keinen Wert mehr hat, mit Gold oder Silber einkaufen gehen kann. Das, glaube ich, wird nicht funktionieren. Man wird viel weniger dafür bekommen, als man glaubt. Das weiß ich noch von meinen Großeltern. Nach dem Krieg sind sie mit Silber zu den Bauern gefahren, um einen Sack Kartoffeln zu kaufen. Da sieht man, was Silber für einen Wert hat, wenn man Hunger hat. Wenn man einen wirklichen Wert braucht – nämlich was zu essen.

Gut, aber sie haben was zu essen dafür bekommen, das war damals wichtig.

Düringer: Naja, wäre das mit Zigaretten und Kaffee nicht auch möglich gewesen? Und das wäre vorher billiger zu haben gewesen, als Silber und Gold. Außerdem denke ich, es ist sicherer mit Zigaretten und Schnaps Kartoffeln zu tauschen, als mit Silber oder Gold. Denn die Gefahr, dass dich mit Silber und Gold jemand sieht und dir nachgeht, ist groß.

Was halten Sie von unserem aktuellen Wirtschaftssystem, bei dem alles auf Wachstum ausgerichtet ist?

Düringer: Es hat eine Zeit lang sehr gut funktioniert. Ich bin ein Kind der 70er- als 63er Jahrgang. Auch damals war alles auf Wachstum ausgerichtet. Meine Eltern waren der Meinung, ich soll es einmal besser haben als sie und mehr Wohlstand haben als sie. Das war eine ganz klare lineare Entwicklung. Immer mehr, immer größer, immer schneller – kurz: Wachstum. In allen Bereichen des Lebens, ob im Sport, in der Wirtschaft oder in kleineren Bereichen. Wie bei den Rennautos, die sind jetzt auch schneller, die Rennen waren aber damals spannender. Nur weil etwas schneller ist, heißt das nicht, dass es besser ist. Unsere Kommunikation ist auch schneller als früher, deshalb haben wir aber kein gemütlicheres Leben – im Gegenteil, unser Leben ist stressiger. Was aber viele übersehen haben, ist, dass wir gerade einen Planeten plündern und irgendwann ist es vorbei, was ist denn dann? Jetzt sind wir gerade an dem Punkt, wo wir das extremste Bevölkerungswachstum haben, dass es je auf diesem Planeten gegeben hat. Wenn ich richtig informiert bin, hat sich die Menschheit seit dem Tod Kennedys verdoppelt, das ist in der Geschichte einmalig. Zugleich verbraucht jeder mehr Energie, immer mehr Ressourcen. Wir wollen mehr Wachstum, wissen aber, dass mehr Wachstum auch mehr Dreck bedeutet. Deshalb sind wir an einem komplizierten Punkt unserer Geschichte angelangt, wo wir nicht wissen, wie wir da wieder heraus kommen. Jeder der heutzutage noch von Wirtschaftswachstum spricht, meint es vielleicht gut. Er meint damit Arbeitsplätze usw., aber weiter denkt er nicht. Vor allem muss er uns erklären, warum wir ein Wachstum brauchen… und somit landen wir beim Geldsystem. Weil wir Zinsen zahlen müssen – deshalb müssen wir wachsen.

Sie haben gemeinsam mit Herrn Rahim Taghizadegan und Eugen Maria Schulak das Buch „Das Ende der Wut“ verfasst, in dem der Anspruch gestellt wird, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo man sich, ob der sich zuspitzenden Staatsschuldenkrise, wieder generell auf Realwerte besinnt?

Düringer: Ich merke das schon in meiner Umgebung, dass man das Schlaraffenland, dass man sich aufgebaut hat, nicht mehr so ernst nimmt und weiß, dass es irgendwann ein Ende haben wird. Die Menschen fangen langsam an, sich Berufe zu suchen, bei denen Sie mit den Händen wieder etwas machen können. Den Eisschnellläufer Michael Hadschieff habe ich vor kurzem in Salzburg getroffen. Er hat mir gesagt, er ist jetzt 50 und er macht jetzt eine Landwirtschaftsschule, nachdem er in der Immobilienbranche tätig war, weil er endlich was Sinnvolles machen will. Mit realen Werten meine ich einfach Sachen, die produziert werden, und in der näheren Umgebung verbraucht werden.

Es gibt eine Theorie, die besagt, wir haben jetzt das größte Verschuldungsausmaß, dass es je gab, also die westliche Industrie ist so stark verschuldet, wie es das zu Friedenszeiten noch nie gab. Jetzt gibt es die Theorie, dass einige sagen, der Staat und die Zentralbanken sollen die Schulden aufkaufen, dann ist das Schuldenproblem weg. Was halten Sie von so einem Ansatz, also einfach die Schulden zu streichen?

Düringer: Ich muss mir zuerst die grundsätzliche Frage stellen, ob Schulden etwas sind, was tatsächlich existiert. Oder ob es nur in unserer Wirklichkeit etwas Gebautes ist, mit dem wir bis jetzt zwar gut funktioniert oder auch operiert haben. Eine Schuld ist ja nichts Reales. In der Natur, in der Welt, wie sie jetzt ist, gibt es keine Schulden. Entweder es ist etwas da oder es ist nicht da.
Ich kann nicht im Garten einen Karottensamen in die Erde stecken und am Freitag oder Sonntag eine Karotte aus der Erde ziehen, weil ich weiß es kommt eine in 3 Monaten. Das funktioniert nicht. Damit das funktioniert, muss ich mir ein System bauen und das ist unser Schuldensystem, das zurzeit noch funktioniert. Denn ich habe jetzt die Möglichkeit mein Konto zu überziehen. Ich habe die Möglichkeit mit 5000 Euro am Konto zum Mediamarkt zu fahren und mir dort einen Fernseher um 7000 Euro zu kaufen. Ich muss nur die Karte quietschen lassen, muss mir aber überlegen, wo bekomme ich die 2000 Euro her, damit ich wieder auf 0 bin. Die hole ich mir aus der Zukunft, indem ich mir zum Beispiel einen Vorschuss geben lasse vom Weihnachtsgeld, oder ich nutze meinen Überziehungsrahmen, oder kaufe auf Raten. Das ist eine Art zu denken, die nicht real ist.
Das würde bedeuten, wenn 5 beim Lagerfeuer sitzen, und 7 gehen weg, dann müssen 2 kommen, damit keiner mehr dasitzt. Und wenn der ganze Planet verschuldet ist, muss man sich die Frage stellen, bei wem. Denn wo Schulden sind, müssen logischerweise auch Guthaben sein. Also: bei wem sind wir verschuldet? Beim Mann im Mond, bei den Klingonen – also wer ist das eigentlich?

Es gibt vielfach Angst vor Inflation. Viele Leute haben Angst, dass unser Vermögen wieder auf irgendeine Art und Weise stark entwertet wird. Können Sie das nachvollziehen? Haben Sie vielleicht selbst auch Angst, dass irgendwann die Inflation kommt und uns alle heimsucht?

Düringer: Vor so was habe ich keine Angst. Das betrifft mich nicht. Ich habe mein Leben jetzt so eingerichtet, dass, wenn rundherum alles zusammenbricht, mir das zumindest wirtschaftlich vollkommen egal ist. Ich könnte autark leben, mich selbst versorgen, bin energieunabhängig, also würde sich für mich nicht wirklich viel ändern.
Die Angst vor der kommenden Inflation ist ja etwas nicht Reales. Das ist etwas, was vielleicht in der Zukunft passiert, also ist es nicht mehr gefährlich. Dadurch werden Menschen manipulierbar. Wenn ein Ereignis wirklich eintritt, zum Beispiel eine Naturkatastrophe, dann wachsen die Menschen zusammen. Aber Angst vor etwas, das nicht real ist, kreuze ich meistens auseinander. Die Angst vor einer kommenden Inflation ist ein vollkommener Blödsinn, weil wir mitten drin stecken.
Wir müssen nur schauen: was kostet unser Leben mittlerweile. Wir haben immer mehr Geld in der Tasche und können uns immer weniger kaufen. Und alle Zahlen, die uns erzählt werden sind Lügen. Alles ein Blödsinn, die Statistiken usw. Die reale Inflation ist sicher viel, viel größer.

Geld

Edles Metall: Gold wird wieder glänzen

Gold

Goldpreis: Glänzende Performance

Gold

Goldpreis: Eine Wette auf 1.000 Dollar