Gold: Machen Sie es wie die Briten?

Gold: Machen Sie es wie die Briten?

Die Bestände an börsennotierten Gold-Produkten sind so stark gefallen wie nie zuvor, und der Dollar ist angesichts der Aussichten auf eine US-Konjunkturerholung gestiegen, was die Attraktivität des Edelmetalls als alternatives Investment schmälert. Die Zypern-Frage steht auf der anderen Seite der Gleichung...

Gold notierte am Kassamarkt zuletzt wenig verändert bei 1604,86 Dollar je Unze. In diesem Quartal ist der Preis um 4,1 Prozent gesunken. Damit verzeichnete das Edelmetall erstmals seit 2001 zwei Quartale hintereinander einen Verlust. Am 21. Februar fiel der Goldpreis bis auf 1555,55 Dollar je Unze, den niedrigsten Wert seit Juli 2012.

Die Positionen an börsennotierten Produkten sanken in diesem Quartal um 6,9 Prozent angesichts der Spekulationen, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Stützungsmaßnahmen einschränken wird. Der Dollar Index, der die Entwicklung gegenüber sechs wichtigen Währungen wiedergibt, ist am Mittwoch auf den höchsten Stand seit August geklettert, nachdem der Euro nachgab. Gold bewegt sich in der Regel invers zum Dollar. “Die Zypern-Probleme halten an, was den Dollar anschiebt”, sagte Lelia Kim von Tong Yang Securities. Zusammen mit der erwarteten US-Konjunkturerholung begrenzen der “stärkere Dollar sowie eine schwächere physische Nachfrage die Kursgewinne von Gold”.

Freilich ist Zypern in Zusammenhang mit Gold eher als Preistreiber zu sehen. Schließlich treibt die Frage nach den Folgen der Last-Minute-Rettung Zyperns Sparer und Investoren in ganz Europa um. Der Inselstaat muss etwa die Hälfte der EU-Finanzspritze selbst aufbringen. Der extrem aufgeblähte Bankensektor wird zurechtgestutzt, zusätzlich wird auf Bankkonten oberhalb der 100.000-Euro-Grenze eine Zwangsabgabe fällig. Damit haben Europas Krisenmanager eine Zäsur herbeigeführt - zum Schrecken der Bürger in dem betroffenen Land und weit darüber hinaus.

Flucht in "sichere Häfen"

Einige Anleger flüchten daher offenbar bereits in "sichere Häfen" wie Gold, berichtet das Manager-Magazin. Eine Umfrage in Großbritannien ergab, dass die Nachfrage im Land seit Ausbruch der Zypern-Krise deutlich gestiegen ist. So wollen 11 Prozent der Briten in das Edelmetall investieren, bei Londonern sind es laut einer Umfrage des Meinungsforschers You-Gov im Auftrag des Edelmetallanbieters CoinInvestDirect 23 Prozent.

Der Londoner Edelmetallhändler Jewellers Trade Services Partners (JTS) - der Mutterkonzern der CoinInvestDirect - registrierte eine Verdopplung der Nachfrage nach Goldmünzen. Bei Briten ist laut JTS-Chef Daniel Marburger die Britannia-Goldunze besonders gefragt, internationale Investoren bevorzugen die kanadische Maple-Leaf-Goldmünze. "In Zeiten wie diesen ist Gold die ultimative Krisenwährung", sagt Marburger.

Deutsche fürchten um Ersparnisse

Auch deutsche Sparer lässt die Zypern-Krise nicht kalt. Das Marktforschungsunternehmen GfK, das monatlich den Konsumklimaindex ermittelt, stellt seit geraumer Zeit eine "Flucht in Sachwerte" fest. Verunsicherte Verbraucher geben ihr Geld lieber für Immobilien, Autos oder Gold aus, statt es auf die Bank zu tragen. Zumal es dort derzeit so gut wie keine Zinsen auf das Ersparte gibt.

Die GfK rechnet damit, dass sich die Zypern-Krise stützend auf den privaten Verbrauch auswirkt. "Da ist davon auszugehen, dass die Sparneigung einen weiteren Rückschlag erleiden wird", erläutert GfK-Experte Rolf Bürkl unter Verweis auf mehrere Umfragen, nach denen rund die Hälfte der Bürger aktuell Angst um ihr Erspartes hat. "Und das könnte auf der anderen Seite dem Konsum zugutekommen - dass sich Verbraucher also noch stärker für Anschaffungen entscheiden statt zu sparen."

Immerhin hat sich der Goldpreis nach dem heftigen Preiseinbruch im Februar bereits seit Anfang März wieder verteuert, um dann schließlich die Marke von 1.600 US-Dollar je Feinunze zu erreichen. "Die Nachrichten aus Zypern wecken Zweifel der Investoren, wie stabil die wirtschaftliche Entwicklung in Europa ist", erklärt Bernhard Wenger von ETF Securities. Insbesondere langfristig orientierte Investoren richteten sich offenbar wieder auf ein stärker von Unsicherheiten geprägtes Marktumfeld ein. Vom Höchststand von 1920 Dollar je Feinunze aus dem Jahr 2011 ist der Goldpreis jedoch noch weit entfernt.

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