Glanzloses Gold: In drei Jahren 35 Prozent Wertverlust

Glanzloses Gold: In drei Jahren 35 Prozent Wertverlust

Vor genau drei Jahren hatte der Goldpreis sein historisches Allzeit-Hoch von 1920 Dollar erreicht. Seither hat das Edelmetall 35 Prozent seines Werts verloren.

Vielleicht hätte ich es mir damals bereits denken sollen. Denn an dem Tag, als die Spotpreise zum ersten Mal in ihrer Geschichte 1920 USD je Feinunze erreichten – am Dienstag, den 6. September 2011 – gab ich ein Interview in Englands bekanntester Nachmittags-Talkshow. Gold im Vorabendprogramm eines großen Fernsehsenders? Was könnte eine offensichtlichere Warnung sein? Das schreit doch förmlich nach „Verkaufen“, oder? Naja, im Nachhinein ist man wohl immer klüger.

Bedauerlicherweise für die damaligen Anleger wurde die Ausgabe der Alan Titchmarsh Show erst am Donnerstag ausgestrahlt, also zwei Tage nach ihrer Aufzeichnung. Zu diesem Zeitpunkt waren die Würfel bereits gefallen, wie wir rückblickend wissen. Der Preiscrash, der am nächsten Tag beginnen sollte, lag eigentlich auf der Hand.

Die Zentralbanken der Schwellenländer hätten ihre Käufe aussetzen sollen. Und Minenbetreiber hätten zum Rekordpreis bereits ihre zukünftigen Produktionen auf Termin verkaufen müssen. Und Goldanleger? Am besten hätten sie ihre stattlichen Gewinne, die sie bis zu diesem Zeitpunkt gemacht hatten, mitgenommen… und zwar so schnell wie möglich.

Zwischen September 2011 und dem Jahresende verlor Gold rund 20% seines Werts. Im Folgenden erholte sich Gold zwar wieder, aber nur, um im Frühjahr 2013 um weitere 25% zu fallen. In den letzten zwölf Monaten bewegten sich die Preise seitwärts zu rund 35% unter dem Rekordhoch vor drei Jahren.

Hätten wir die Wende damals vorhersehen können?

Ich denke nicht. „Momentan hat Gold viele Anhänger“, sagte mir Paul Tustain, Gründer und Geschäftsführer von BullionVault in jener hektischen Woche in 2011. „Aber man darf dabei nicht vergessen, dass es sich immer noch um einen winzigen Teil des öffentlichen Anlegerpublikums handelt.“

Die große Mehrheit der Menschen besitzt jedoch kein Gold. Und selbst in den meisten Anlageportfolios ist es nicht vertreten. Was wir sahen, ist, dass die Händler auf der Suche nach einem Angebot die Preise in die Höhe trieben.“

„Aber Goldbesitzer möchten ihr Edelmetall nicht einfach verkaufen – nicht solange die wirtschaftliche Situation nach wie vor den Wert ihres Währungsvermögens zu zerstören droht.“

Lesen Sie den letzten Satz ruhig noch einmal. Und dann denken Sie an die Situation im Spätsommer 2011 zurück:

• Die US-Staatsanleihen wurden von den Ratingagenturen herabgestuft
• Die Unruhen in England eskalierten und mehrere Großstädte verzeichneten eine Serie gewalttätiger Ausschreitungen mit Plünderungen und Vandalismus
• Das Experiment der europäischen Einheitswährung schien in einer Welle aus Generalstreiks und Gewalt auseinanderzubrechen

Anders gesagt, die Arbeitslosigkeit in den eigentlich reichen Ländern des Westens stieg auf bis dato unbekannte Höhen. Der Staat verlor die Kontrolle. Und nichts schien mehr ohne Risiko zu sein.

Einige weitsichtige Anleger gaben damals ihre Käuferposition auf. Denn im Allgemeinen fallen die Preise, wenn die Gebotspreise unter den Angebotspreisen bleiben. Und das ist, was wir damals erlebten. Aber mir ist nicht bekannt, dass irgendein Experte oder Analyst damals gesagt hätte, dass Gold seinen Gipfel erreicht hat. Zumindest nicht mit mehr Überzeugung als die „ewigen Bären“, die seit 2009 ständig den Untergang von Gold prophezeiten.


Wie hätten sie das auch gekonnt? Sowohl die soziale als auch die wirtschaftliche und finanzielle Situation war seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr so schlecht wie zu jener Zeit.

Klar, Warren Buffet, der bekannteste Großinvestor der Welt (und auch einer der erfolgreichsten), gab einst den Ratschlag, „vorsichtig zu sein, wenn andere gierig sind und gierig zu sein, wenn andere vorsichtig sind“.

Aber man hätte als Anleger damals schon einen eiskalt berechnenden Kopf gebraucht, um im Spätsommer 2011 nicht in Panik zu verfallen. Vermutlich wäre man von anderen Investoren sogar für verrückt erklärt worden.

Wie groß war damals wirklich die Gefahr eines Zusammenbruchs der Eurozone? Und was wären die Konsequenzen davon gewesen? Diese waren einfach nicht vorstellbar. Auch weil der damals einzige „sichere Hafen“ in Papierform – US-Staatsanleihen – ebenfalls einer ernsthaften Gefahr ausgesetzt war, da in Washington eine hitzige Debatte über die Anhebung der Schuldenobergrenze entfacht wurde.

Demnach stellte der Goldmarkt im September 2011 KEINE Fehlbewertung der damaligen Situation und ihres Risikos dar. Auch hatten die neu hinzugekommenen Käufer nicht Unrecht. Die damalige Gold-Rallye spiegelte vielmehr die Befürchtung vieler wieder, dass es sich bei dem weltweiten Kollaps der Finanzmärkte in 2008 lediglich um einen Vorgeschmack auf dessen gehandelt haben könnte, was nun folgen könnte. Die institutionellen Anleger, Privatpersonen und Medien waren sich einig. Diesmal würde die Finanzkrise richtig zuschlagen.

Von daher spielt es keine Rolle, was man im Nachhinein denkt. Zu dieser Zeit in 2011 war es nicht „falsch“, Gold zu kaufen. Auch wenn sich, aus jetziger Perspektive, die damalige Entscheidung als teuer erwies.

Es gibt auch heute noch nichts, was die damaligen Verluste weniger schmerzhaft machen würde. Aber wenn man bei jeder Entscheidung immer alles auf eine Karte setzen und volles Risiko gehen würde, dann muss jegliche Versicherung wie „herausgeworfenes“ Geld betrachtet werden… zumindest bis wirklich eine Katastrophe eintritt.

Aber was wäre, wenn sich die Krise von September 2011 nicht entschärft hätte? Wäre Ihnen das wirklich lieber?

Wie ich bereits vor drei Jahren zu Alan Titchmarsh sagte: „Falls Sie denken, dass die Finanzkrise wirklich vorbei ist, dann muss Gold [zu 1920 USD je Feinunze] vermutlich wie eine recht teure Versicherung für Ihre anderen Anlagen wirken.“

Heutzutage steht der Goldpreis um einiges niedriger. Aber ich würde sicherlich immer noch nicht behaupten wollen, dass die Finanzkrise nun endgültig vorbei sei.

Und ich denke, dass mir die Europäische Zentralbank zustimmen würde, die jetzt Geld druckt und versucht, damit die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass jeder andere Staat beziehungsweise Währungsbehörde, die ihre Zinsen auf fast Null lässt, das gleiche denkt.

Vielleicht sollte das jemand den Börsen erzählen, die sich gerade im Höhenflug befinden. Auf der anderen Seite gibt es niemanden, der rechtzeitig Alarm schlagen würde, wenn die Spitze erreicht wird. Wenn dies eintritt, wird man keinen einzigen Experten oder Analysten hören.

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