"Eine finanzielle Repression müsste überraschend kommen"

"Eine finanzielle Repression müsste überraschend kommen"

Die eierlegende Wollmilchsau ist Gold sicher nicht, bestätigt Stöferle. Solange aber die Realzinsen negativ sind, ist der Weg für Gold einzementiert. Auch das Gold zuletzt eher in einer Seitwärtsbewegung feststeckte, beunruhigt Stöferle nicht.

FORMAT: Gold bewegt sich seit einiger Zeit seitwärts und scheitert regelmäßig an der 1750er-Marke. Ein neues Allzeithoch ist scheinbar nicht drin.

Ronald-Peter Stöferle: Auf Dollar-Basis sind wir noch nicht ganz am Allzeithoch dran, aber auf Euro-Basis haben wir zig-Allzeithochs gesehen – und auch in anderen Währungen. Sieht man sich Wochen- oder Monatscharts des Goldpreises an, haben wir in allen Währungen einen perfekten Aufwärtstrend.

Warum reichts aber nicht zum Dollar-Allzeithoch?

Stöferle: Man könnte das mit der Dollar-Stärke erklären, oder dem Deflationsrisiko oder einfach mit der Stimmung, dem Risk-On und Risk-Off.

Tatsächlich? Ich dachte, Gold steigt immer dann, wenn der Risk-Off-Modus an ist, also die Risikoaversion hoch ist, und die Leute deswegen in den sicheren Hafen schlechthin gehen – Gold.

Stöferle: Für mich ist Gold ganz klar ein sicherer Hafen, aber die Korrelationen ändern sich. So steigt Gold oft auch, wenn die Börsen zulegen, also im Risk-On-Fall.

Warum haben Sie aber offenbar keinerlei Zweifel an der Gold-Hausse?

Stöferle: Der entscheidende Faktor sind die negativen Realzinsen. Sobald die Realzinsen positiv sind, kann man sich getrost von Gold verabschieden.

Gut, so schnell wird das jetzt nicht passieren, oder?

Stöferle: Nein, die Fed hat uns negative Realzinsen im Prinzip bis 2015 bzw. sogar 2016 garantiert.

Glauben Sie, dass die Notenbanken eine Entschuldung über eine finanzielle Repression forcieren – die ja auch positiv für den Goldpreis wäre?

Stöferle: Ich bin skeptisch, ob eine finanzielle Repression die Lösung wäre. Inflationsraten von vier bis fünf Prozent jährlich wären zu banal. Das antizipiert der Markt. Eine finanzielle Repression müsste überraschend kommen. Und das glaube ich nicht, auch weil die sozialen Folgen nicht zu verantworten wären. Viele glauben, weil es in der Nachkriegszeit gut funktioniert hat, würde es heute auch funktionieren. Aber damals hatten wir reales Wachstum und ein "twin-deleveraging", also die Entschudlung des privaten und des öffentlichen Sektors, hat es – anders als heute – nicht gegeben. Insofern kann ich mir nicht vorstellen, dass das heute funktionieren würde.

Ich persönlich bin immer skeptisch, was eine Investition in Gold angeht. Schließlich bin ich da vollends auf Kursgewinne angewiesen und hab überhaupt keinen laufenden Ertrag...

Stöferle: Gold ist ja auch ein Cash-Ersatz und kein Investment. Entsprechend ist es nicht die eierlegende Wollmilchsau.

Leuchtet ein. Wo sehen Sie also den Goldpreis mittel- bis langfristig?

Stöferle: Ich habe schon vor fünf Jahren gesagt, dass Gold in Richtung 2300 Dollar steigen wird. Dabei bleib ich auch. Die Hauptgründe sind negative Realzinsen und die expansiven Notenbanken.

Es ist zuletzt eine richtige Debatte rund um die Goldreserven der Notenbanken ausgebrochen. Die OeNB hat laut eigenen Aussagen aktuell 280 Tonnen Gold. In den vergangenen zehn Jahren wurden mit den Goldreserven 300 Millionen Euro verdient. Aktuell, so die OeNB, sind 16 Prozet des Bestandes verliehen. Sie selbst haben dazu gemeint, das es eigentlich mehr sein müssten – gemessen an den Einnahmen?

Stöferle: Es waren einmal 80 Prozent, das hat die OeNB aber auch bestätigt. Einnahmen in der Höhe von 300 Millionen Euro in zehn Jahren sind nur möglich, wenn entweder wesentlich höhere Lease Rates verrechnet wurden oder eben ein Großteil des Goldes verliehen wurde.

Wie hoch sind diese Lease Rates – also die Zinsen, die die Nationalbank für das Verleihen des Goldes erhält?

Stöferle: Das sind in etwa 0,2 bis 0,5 Prozent.

Das hört sich jetzt nicht besonders prickelnd an, aber 300 Millionen Euro in zehn Jahren hingegen schon. Das hat sich doch für die OeNB bzw. für Österreich ausgezahlt, oder?

Stöferle: Jede Unze Gold wird bis zu 100mal gehandelt. An der London Metal Exchange wird eine gesamte Jahresproduktion des Edelmetalles in 4 Tagen umgesetzt. Es wird also mehr Gold gehandelt, als tatsächlich vorhanden ist. Das Risiko ist groß, wenn es zu einem Short Squeeze kommt – wenn alle gleichzeitig ihr Gold zurückhaben wollen. 2008/2009 sind deshalb die Lease Rates auf zwei bis drei Prozent explodiert. Es ist fraglich, ob sich eine Nationalbank einer solchen Gefahr aussetzen sollte. Schließlich geht es hier um das österreichische Gold. Und das macht immerhin 55 Prozent der Devisenreserven aus.

Was wäre Ihre Forderung an die OeNB?

Stöferle: Ich fordere von der OeNB gar nichts. Ich denke nur, dass es kontraproduktiv ist, wenn man sich so zugeknöpft gibt. Diese "Holt unser Gold heim"-Stimmung ist ein Zeichen des Bullenmarktes – ein Zeichen für das breitere Interesse. Etwas mehr Transparenz wäre also sicher im Sinne der Bevölkerung.

Glauben Sie, dass der Goldpreis von den Notenbanken manipuliert wird?

Stöferle: In jedem Markt gibt es Interventionen, ob das Subventionen bei Lebensmitteln sind oder die Preisgestaltung des Opec-Kartells. Und ein stark steigender Goldpreis, ist wie ein Fieberthermometer für den Finanzsektor. Selbst wenn von irgendeiner Seite interveniert werden würde, wird der Trend bei Gold entsprechend der Dow-Theorie weitergehen. Hat sich erst einmal ein Primärtrend entwickelt, kann man ihn nicht aufhalten.

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