Deutsche Bank: Papier-Gold zerreißt's weiter

Deutsche Bank: Papier-Gold zerreißt's weiter

Die Einlagen im SPDR Gold Trust, dem größten mit Gold hinterlegten börsengehandelten Produkt (ETP), könnten um weitere zwei bis vier Millionen Unzen zurückgehen, schreibt die Deutsche Bank in einer Studie. Die meisten Verkäufe durch institutionelle Investoren hätten aber bereits stattgefunden, hieß es. Als Stütze für den Goldpreis wirkt die "beispiellose Konsumentennachfrage nach Schmuck und Münzen".

Das im ETP veranlagte Goldvermögen ist seit Mitte Dezember, als die weltweiten Einlagen in Gold-ETPs ihren Höhepunkt erreichten, um rund 9,7 Mio. Unzen zurückgegangen, so Daten des Verwalters und von Bloomberg. Rund die Hälfte des Edelmetalls gehört institutionellen Investoren, die andere Privatkunden, geht aus der Deutsche Bank-Studie hervor. Ein Drittel der Institutionen, die Gold besitzen, werden es demnach weiter behalten.

“Wir vermuten, dass der Großteil der Abzüge von institutionellen und nicht von Privatinvestoren kommt”, heißt es in der Studie. “Wenn tatsächlich nur institutionelle Verkäufe im Gold-ETF stattfinden, dann vermuten wir, dass fast zwei Drittel der wahrscheinlichen Verkäufe bereits stattgefunden haben. Da SPDR für rund die Hälfte der mit physischem Gold hinterlegten ETFs steht, könnte das weitere Verkäufe von vier bis acht Mio. Unzen bedeuten, wenn sich die Makrodaten weiter zu Ungunsten von Gold entwickeln.”

Bloomberg-Daten zeigen, dass weltweite Anlagen in Gold-ETPs dieses Jahr um 15 Prozent zurückgegangen sind, nachdem sie zuvor jedes Jahr gestiegen waren, seit 2003 das erste Produkt dieser Art an der Börse notiert wurde. In den letzten zwölf Jahren haben sich die Goldpreise fast versiebenfacht. Im April traten sie in einen Bärenmarkt ein, nachdem die Inflation sich nicht beschleunigte und zunehmender Optimismus, dass die USA einen weltweiten Wirtschaftsaufschwung anführen werden, den Standard & Poor’s 500 Aktienindex auf ein Rekordhoch trieben.

Die Unze Gold notierte um 15.58 Uhr (MESZ) am Kassamarkt in London bei 1433,43 Dollar und hat seit Jahresbeginn über 14 Prozent an Wert verloren. Am 16. April erreichten die Preise ein Zwei-Jahres-Tief von 1321,95 Dollar, zwei Handelstage nach Eintritt in den Bärenmarkt. Sein Rekordhoch erreichte Gold im September 2011 mit 1921,15 Dollar.

Die Einlagen im SPDR-Fonds erreichten am 8. Mai mit 33,806 Mio. Unzen ihren tiefsten Stand seit mehr als vier Jahren und standen am Montag bei 33,811 Mio. Unzen, so Daten von der Website des Fonds. Milliardär John Paulson hält den größten Anteil an dem Produkt. Er bleibt dem Edelmetall treu, obwohl sein Gold Fund seit Jahresbeginn rund 47 Prozent an Wert verloren hat, berichteten zwei informierte Personen.

Abwärtsrisko für den Goldpreis

Anhaltende ETP-Verkaufe könnten für die Goldpreise weitere “Abwärtsrisiken” von 60 Dollar bis 120 Dollar bedeuten, schreibt die Deutsche Bank in ihrer Studie. Ihre Schätzung basiert auf einer Regressionsanalyse unter Verwendung von Daten seit 2003.

Allerdings hat der Preisrückgang dieses Jahr auch die Nachfrage nach physischem Metall beflügelt. Die amerikanische Prägeanstalt U.S. Mint meldete am 23. April, dass ihr die kleinsten Goldmünzen ausgehen. Um die Verbrauchernachfrage zu decken, dürften die indischen Goldimporte im zweiten Quartal um 47 Prozent auf 225 Tonnen ansteigen, so die All India Gems & Jewellery Trade Federation. Chinesische Importe aus Hongkong haben sich im März mehr als verdoppelt und ein Allzeithoch erreicht.

“Angesichts der beispiellosen Konsumentennachfrage nach Goldschmuck und -münzen in letzter Zeit, könnte die Verbrauchernachfrage erneut ansteigen, wenn die Preise die Marke von 1400 Dollar je Unze unterschreiten, um den Preisrückgang auszunutzen”, schrieb die Deutsche Bank.

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