Das verleaste Gold

Das verleaste Gold

Von OeNB-Vizegouverneur Wolfgang Duchatzcek genannte Erlöse aus den Goldleihgeschäften legen nahe, dass ein beträchtlicher Teil der in den Büchern geführten 280 Tonnen Nationalbank-Gold verliehen sein könnte, meinte Ronald Stöferle, Goldexperte der Erste Bank. FPÖ-Chef Strache ortet nach dem BAWAG-Skandal nun gar einen "Nationalbankskandal" und fordert Nowotny's Rücktritt.

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat vor dem Parlament Aussagen über den Verbleib des österreichischen Staatsgolds getätigt, die für heimische Goldexperten weitere Fragen aufwerfen. Der Funktionär der OeNB hatte vor dem Finanzausschuss davon gesprochen, dass die Nationalbank in den vergangenen zehn Jahren 300 Mio. Euro aus Goldleihgeschäften erzielt habe - im arithmetischen Mittel also 30 Mio. Euro jährlich.

Historisch lägen die sogenannten "gold lease rates" mit kurzen Unterbrechungen zwischen 0,1 und 0,5 Prozent aber sehr niedrig, sagte Stöferle. Dadurch liege der Schluss nahe, dass über den Zeitraum ein großer Prozentsatz des Golds Goldforderungen gewesen sein könnten, meinte Stöferle zur APA. "300 Millionen auf zehn Jahre suggerieren das", sagte Stöferle zur APA. "Es wäre transparent, wenn die Nationalbank den nächsten Schritt macht und veröffentlicht, welchen Anteil sie physisch hält und welcher Anteil verliehen ist."

Die belgische Nationalbank hatte 2011 für von ihr verliehenes Gold (84 Tonnen) "Zinsen" von etwa 0,2 Prozent erhalten, geht aus einer früheren Aussage der dortigen Zentralbank vor dem Parlament hervor.

Völlige Intransparenz

Aus den Äußerungen Duchatzceks "getraue ich mich jedenfalls nicht, zu schließen, welcher Prozentsatz derzeit physisch gehalten wird", sagte Stöferle.

Die OeNB hat am Donnerstag dann doch noch erklärt, dass aktuell lediglich 16 Prozent der von ihr verwalteten Goldbestände verleast sind. Ein Sprecher der Notenbank bestätigte der APA in den Nachmittagsstunden einen diesbezüglichen Bericht der Tageszeitung "Die Presse".

Laut dem Zeitungsbericht waren Anfang des letzten Jahrzehnts noch bis zu 80 Prozent an die Gold-Banken verleast. Als Ewald Nowotny 2008 den früheren Gouverneur Klaus Liebscher ablöste, dürften noch etwa 50 Prozent des Staatsgolds verliehen gewesen sein.

Die Frage ist insofern von Bedeutung, als etliche Experten den Goldmarkt für ein Teilreservesystem halten, in dem bis zu hundert Kilo Goldforderungen für ein Kilo physisches Edelmetall gehandelt werden. Sollte ein einem "Bankrun" vergleichbares Ereignis stattfinden, wäre die Rückgabe von verliehenem Gold gefährdet.

80 Prozent in London

Die Nationalbank hatte am Mittwoch vor dem Finanzausschuss erklärt, dass sich 80 Prozent des österreichischen Golds (280 Tonnen) in London befänden - dort allerdings nicht nur in Barrenform, London sei auch der "Auslieferungsort nicht-physischer Bestände".

Den Lagerort Großbritannien selbst hält Stöferle insofern für plausibel, "weil London der bei weitem größte Goldhandelsort ist". Ohne Zweifel gebe es aber auch einen "internationalen Trend", Staatsgold nach Hause zu holen, sagte Stöferle. Auf österreichischem Staatsgebiet selbst lagern laut OeNB lediglich 17 Prozent der 280 Tonne, - und damit ein nur etwa halb so großer Anteil wie in Deutschland (knapp ein Drittel).

Strache fordert Nowotny's Rücktritt

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hatte am Donnerstag zuvor den Rücktritt Ewald Nowotny's als Gouverneur der Nationalbank gefordert. Strache begründete dies mit einer "skandalösen Informationspolitik" der Nationalbank über das von ihr verwaltete Gold der Republik Österreich. Dem BAWAG-Skandal vor einigen Jahren folge jetzt wohl ein "Nationalbankskandal".

Der Chef der größten Oppositionspartei und F-Abgeordneter Gerhard Deimek, der die Gold-Anfragen gestellt hatte, warfen dem Finanzministerium "unzählige offenkundig unrichtig beantwortete schriftliche parlamentarische Anfragen" vor.

"Ich wünsche mir einen vertrauenswürdigen Gouverneur. Ewald Nowotny wird den mit seinem Amt verbundenen Ansprüchen in keiner Weise gerecht", erklärte Strache.

Geld

Edles Metall: Gold wird wieder glänzen

Gold

Goldpreis: Glänzende Performance

Gold

Goldpreis: Eine Wette auf 1.000 Dollar