"Das Gerede von einer Goldblase ist völliger Unsinn"

Inflationsängste und die Eurokrise in Europa machen Gold zur beliebten Fluchtwährung. Experten halten neue Rekordpreise nur für eine Frage der Zeit.

"Das Gerede von einer Goldblase ist völliger Unsinn"

Es ist wahrlich ein goldenes Zeitalter: In den vergangenen vier Jahren ist der Goldpreis um 125 Prozent nach oben geklettert. Für den rasanten Anstieg war nicht zuletzt der Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2008 verantwortlich. Aus Angst vor einem großen Wirtschafts-Chaos flüchteten Investoren in das Edelmetall.

Steigende Kaufkraft

Gold genießt den Ruf einer stabilen Krisenwährung. Zu Recht: Im Jahre 1900 erhielt man für ein Gramm Gold 13 Liter Milch. 1990 war ein Gramm Gold 17 Liter Milch wert und 2010 sogar 57 Liter. Die gleiche Entwicklung lässt sich in der Relation von Gold zu anderen Grundnahrungsmitteln wie Butter oder Brot feststellen. Das bedeutet: Die Kaufkraft des Edelmetalles hat alle Wirren des letzten Jahrhunderts überstanden. Allerdings hat die sehr gute Wertentwicklung des Edelmetalles bereits Kritiker auf den Plan gerufen: Immer wieder ist von einem möglichen Preisverfall zu hören.

Die meisten Gold-Experten sind anderer Meinung, Nicholas Brooks, Chefanalyst des Emissionshauses ETF Securities: „Der Anstieg des Goldpreises in den letzten Jahren war relativ stabil, ein für Blasenbildungen typischer, schneller Anstieg ist nicht zu bemerken.“ Auch der prominente Investmentguru Marc Faber zeigt sich optimistisch: „Das Gerede von einer Goldblase ist völliger Unsinn. Es gibt keinerlei Anzeichen für extreme Preisanstiege wie beispielsweise der Technologiebörse Nasdaq um die Jahrtausendwende oder beim Öl in den späten 70er-Jahren.“

Für Gold-Experten ist auch der kleine „Durchhänger“ im Laufe des heurigen Jahres nicht tragisch: Im März kratzte Gold noch an der Marke von 1.800 Dollar, im Mai war der Preis allerdings unter 1.550 Dollar gefallen. Ronald Stöferle, Gold-Spezialist bei der Erste Bank, erklärt die Ursachen des Einbruchs: „Das kurzzeitige Zwischentief ist nicht auf die Schwäche des Goldes, sondern auf die damalige Stärke des Dollar zurückzuführen. Für den Euroanleger fiel der Rückschlag deutlich geringer aus. “

Weit über 2.000 Dollar

Stöferle glaubt, dass Gold zumindest bis auf 2.300 Dollar klettern wird: „Investoren sind aktuell nicht bereit, hohe Risiken einzugehen, und die niedrigen Zinsen machen sichere Investments wie Sparbücher nicht gerade attraktiv.“

Jedenfalls sollten die jüngsten wirtschaftspolitischen Entscheidungen Gold weiter begünstigen. US-Notenbankchef Ben Bernanke hat klargestellt, dass er so lange Kapital in die Märkte pumpen wird, bis die US-Wirtschaft den Weg der Besserung einschlägt. Die EZB erklärte wiederum, dass sie unter gewissen Auflagen den europäischen Schuldenstaaten unbegrenzt liquide Mittel zur Verfügung stellen will. Es ist klar, dass solche Kapitalspritzen früher oder später die Preisstabilität gefährden können: Laut einem Bericht des Internationalen Währungsfonds könnten einige Staaten Inflationsraten von bis zu sechs Prozent anstreben. Ein Vermögen von einer Million Euro würde bei einer solchen Teuerungsrate innerhalb von zehn Jahren auf real 558.000 Euro schrumpfen. Ein weiterer Treiber ist die steigende Nachfrage Chinas – im ersten Quartal 2012 absorbierte die Volksrepublik mit 30 Prozent den Löwenanteil des weltweiten Goldumsatzes. Zehn Jahre zuvor waren es lediglich acht Prozent. Verantwortlich für die immense Steigerung ist der wachsende Wohlstand der chinesischen Bevölkerung, kombiniert mit Ängsten vor einem Konjunkturabschwung.

Bare Münze

In Gold kann auf vielfältige Art und Weise investiert werden. Beliebt ist nach wie vor der Kauf von Goldmünzen und -barren. So kostet der Wiener Philharmoniker als 1/4 Unze 374 Euro, ein Barren von zehn Gramm kommt auf 463 Euro. Für größere Investitionen ist der Kauf von physischem Gold aber kaum empfehlenswert: Die Aufbewahrung „unter dem Kopfpolster“ bleibt riskant, und das Depot im Banktresor ist mit Spesen verbunden.

Zielführender ist die Veranlagung in Goldfonds, die in Minenaktien investieren. Ein besonders volumenstarker und seit Jahren renommierter Fonds ist der BlackRock World Gold. Fondsmanager Evy Hambro: „Minenaktien sind durch einen starken Rückgang der Kurs-Gewinn-Verhältnisse inzwischen sehr attraktiv bewertet und haben ihre Dividendenzahlungen in den vergangenen Jahren mehr als verdreifacht. Und es besteht noch viel Spielraum, die Ausschüttungen zu erhöhen.“

Ebenfalls sehr erfolgreich ist der Gold Equity Fonds von Swiss & Global Asset Management: Er konnte seinen Kurs in den vergangenen drei Jahren um 76 Prozent steigern, im Fünfjahreszeitraum waren es 33 Prozent.

Natürlich können Anleger auch direkt in Minenaktien investieren, hier steigt aber das Risiko aufgrund der geringeren Streuung. Ein Unternehmen, das in den Portfolios vieler Goldfonds stark gewichtet wird, ist Goldcorp. Der zweitgrößte Goldproduzent Kanadas hat vor allem im Vorjahr durch sehr gute Zahlen aufhorchen lassen, im heurigen zweiten Quartal ist der Gewinn je Aktie mit 0,41 Dollar besser ausgefallen als von den Analysten erwartet. Die UBS empfiehlt die Aktie zum Kauf und hat das Kursziel von 46 auf 50 Dollar angehoben.

Das Hauptargument für Minenaktien, gleich ob als Einzelpapier oder als Fonds: Die Unternehmen können die Gewinne selbst dann steigern, wenn der Goldpreis stabil bleibt. Hambro: „Es bestehen noch erhebliche Möglichkeiten zur Kostensenkung. So gesehen ist es sogar positiv, wenn der Goldpreis noch eine Zeit lang stabil bleibt, weil dann der Druck, die Kosten zu senken, aufrecht bleibt.“

Zertifikate & Co

Wer eine breitere Streuung bevorzugt, kann auch auf Indexzertifikate setzen, die in einen Korb von Aktien investieren. So besteht der Erste Group Goldaktien-Basket aus 13 Unternehmen des Goldsektors. Seit Auflegung des Zertifikates im Juli 2009 konnte eine Wertsteigerung von 100 Prozent erzielt werden. Mit Rohstoff-Zertifikaten kann man aber auch eins zu eins an der Entwicklung des Goldpreises teilhaben.

Eine weitere Investmentmöglichkeit bieten Exchange Traded Commodities (ETCs). ETCs sind börsennotierte Wertpapiere, deren Basis nicht Finanz-Futures, sondern physisch hinterlegte Edelmetalle bilden. Sie sind somit ähnlich sicher wie Goldbarren, nur dass man sie nicht in den eigenen Safe legen muss, um von einer Fortdauer des goldenen Zeitalters zu profitieren.