Banker gibt Job auf und sucht nun nach Gold in Afghanistan

Ian Hannam, Banker bei dem US-Finanzkonzern JPMorgan Chase und einer der wichtigsten Berater bei der geplanten Fusion zwischen den Rohstoffkonzernen Xstrata und Glencore, hat vergangene Woche seinen Arbeitgeber offiziell verlassen, um seinen Bergbau-Interessen nachzugehen.

Banker gibt Job auf und sucht nun nach Gold in Afghanistan

Das hat Bloomberg News aus informierten Kreisen erfahren. Bereits im April hatte sich der 56-Jährige aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen, nachdem die britische Financial Services Authority (FSA) eine Strafe gegen ihn verhängt hatte. Er konzentriert sich jetzt auf seine privaten Investments - etwa auf das Unternehmen Afghan Gold and Minerals in Kabul, wie drei mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten, die namentlich nicht genannt werden wollten, weil seine Pläne vertraulich seien.

Afghan Gold wurde im Juni des vergangenen Jahres gegründet. Kontrolliert wird das Unternehmen von Sadat Naderi, einem Geschäftsmann aus Afghanistan. Die verbleibenden Anteile befinden sich im Besitz einer Firma mit den Namen Centar, die von Hannam gegründet worden war.
Richard Williams, ein ehemaliges Mitglied der britischen Streitkräfte, führt Afghan Gold. Das Unternehmen verfügt über eine Gold-Minen-Lizenz in Afghanistan und bemüht sich derzeit um einen internationalen Ausbau der Geschäfte, wie es aus den informierten Kreisen hieß. Auch Centar selbst verfolgt demnach ähnliche Pläne.

Fokus wohl auf Märkten mit hohem Risiko

Hannams Optionen für die Zukunft beinhalten unter anderem die Gründung einer weiteren Firma, die Vermögensverwaltung, Beratung und Investment-Dienstleistungen in der Bergbaubranche anbieten könnte, wie eine der Personen sagte. Der Fokus werde dabei wohl auf Märkten mit hohem Risiko liegen. Gegenüber Bloomberg News wollte weder Hannam noch JPMorgan Chase einen Kommentar zu den Informationen aus den informierten Kreisen abgeben.

Hannam war bei JPMorgan der Chairman für Aktienkapital-Märkte. Im April trat er von seinem Posten zurück, um gegen die von der FSA verhängte Strafe vorzugehen. Der Aufseher hatte ihn für Marktmissbrauch zu einer Zahlung von 450.000 Pfund (728.000 Euro) verpflichtet. Laut FSA schickte er einem potenziellen Kunden unter anderem Details zu einem Öl-Fund. Damals sagte Hannam, er wolle Berufung einlegen und nach Beendigung der Sache seine Finanzkarriere fortsetzen.

Als Banker in London hatte Hannam unter anderem Xstrata, Gegenstand eines Gebots von Glencore, beraten. Zudem half er Xstrata beim Verkauf von Aktien im Jahr 2002. Hannam stand Xstrata auch bei vielen Übernahmen in der Folgezeit zur Seite, etwa beim Kauf des kanadischen Nickelproduzenten Falconbridge in 2006 für 18,1 Mrd. Dollar.

"Außergewöhnlich klarer Denker"

Der frühere JPMorgan-Banker ist ein “außergewöhnlich klarer Denker, wenn es darum geht, Chancen zu identifizieren”, sagte Williams in einem Telefon-Interview mit Bloomberg News. “Die komplizierten und schwierigen Teile dieser Welt ziehen ihn von Natur aus an.” Die beiden Männer kennen sich schon seit mehr als einem Jahrzehnt.

Hannam gehört zu einer ganzen Reihe von Top-Beratern, die in diesem Jahr große Investmentbanken verlassen haben, um ihr Glück mit eigenen Firmen zu versuchen. Morgan Stanleys wichtigster Dealmaker in London, Simon Robey, plant ebenfalls seinen Rückzug nach 25 Jahren. Er erwägt den Aufbau eines eigenen Beratungsunternehmens. Der globale Co- Chairman für Übernahmen und Fusionen und gleichzeitige Chef für das britische Geschäft bei Morgan Stanley, wird die Bank im Januar verlassen. Das geht aus einer internen Mitteilung hervor, die der Konzern vergangenen Woche verschickt hat.