9 Karat – Wirtschaftskrise verhilft "Gold der Armen" zu neuem Glanz

9 Karat – Wirtschaftskrise verhilft "Gold der Armen" zu neuem Glanz

Nach Angaben von Branchenvertretern verkauften französische Juweliere im vergangenen Jahr 4,1 Millionen Schmuckstücke aus 9-karätigem Gold, fast drei Mal mehr als im Jahr zuvor.

Vor Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise war diese Goldlegierung in Frankreich kaum bekannt: 2008 gingen grade einmal 100.000 Schmuckstücke aus dem billigeren Material über französische Ladentische.

9-karätiges Gold - das auch als 375er Gold bezeichnet wird, weil auf 1.000 Gewichtsanteile 375 Anteile reines Gold kommen - sei heute "die Referenz", versichert Hubert Lapipe vom Branchenverband Franceclat. Zwar sei in Frankreich das hochwertigere 18-karätige Gold - auch als 750er Gold bezeichnet - noch immer das beliebteste Edelmetall. Im vergangenen Jahr hätten die Händler Schmuck aus diesem Gold im Wert von 1,9 Mrd. Euro verkauft. Doch der rasche Aufstieg des "Goldes der Armen" habe die Branche völlig überrascht. 2012 wurden in Frankreich Schmuckstücke aus 9-karätigem Gold im Gesamtwert von 400 Mio. Euro verkauft.

Minderwertige Goldlegierung

Einige besonders renommierte Juweliere weigern sich zwar immer noch, die minderwertigere Goldlegierung zu verarbeiten. Doch immer mehr Händler passen sich dem neuen Trend an. "Der Erfolg des 375er Goldes ist einfach - der Preis", sagt Guy Subra, Vorsitzender des französischen Juwelierverbandes. Heute könne es sich die Branche nicht mehr leisten, auf dieses Metall zu verzichten. "Der Verbraucher fordert oft die billigsten Produkte."

Hauptgrund für die Trendwende ist der rapide Anstieg der Goldpreise, der im Zuge der Krise 2011 um 23 Prozent und 2012 noch einmal um 14 Prozent in die Höhe geklettert ist. Dies hat auch die Preise für 18-karätiges Gold explodieren lassen.

Um einen Kunden zu bewegen, dennoch Goldstücke der besseren Qualität zu kaufen, sei viel Überzeugungsarbeit notwendig, sagt Subra. "Wir müssen ihm erklären, dass weder die Farbe noch die Haltbarkeit gleich sind, dass 375er Gold leichter zerbricht und nicht den gleichen Wert hat." Doch letztlich bleibe immer das "Preisargument" - Schmuck aus 9-karätigem Gold sei im Durchschnitt halb so teuer wie ein vergleichbares Stück aus 18-karätigem Gold. Bei bestimmten Artikeln gehe der Kunde allerdings lieber auf Nummer sicher und greife tiefer in die Tasche - etwa beim Kauf von Eheringen, die schließlich das ganze Leben halten sollten.

Mehr Kreativität gefordert

Auch in Deutschland ist das 375er Gold im Kommen, bestätigt Thilo Brückner vom Bundesverband Schmuck und Uhren in Pforzheim, der rund 180 Hersteller vertritt. Der steigenden Goldkurs zwinge die Branche zudem zu mehr Kreativität: "Die Hersteller machen aus der Not eine Tugend und suchen nach neuen Legierungen."

Auch experimentierten die Designer zunehmend mit neuen Materialien - Eisen, Bronze und Messing etwa in Kombination mit Gold und Silber. Aber auch Aluminium, Edelstahl und Farbsteine würden zunehmend von Gold- und Silberschmieden zu Schmuckstücken verarbeitet. Und: Gold werde oft sehr filigran verarbeitet, sagt Brückner - das spart Material und damit Kosten.

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