Gewinner und Verlierer der fallenden Ölpreise

Gewinner und Verlierer der fallenden Ölpreise
Gewinner und Verlierer der fallenden Ölpreise

Ölförderung in North Dakota.

Die Talfahrt des Ölpreises geht ungebremst weiter. Da einige Opec-Staaten den Weltmarkt mit diesem Rohstoff fluten, kostet ein Barrel (Fass zu 159 Liter) nur noch etwa ein Drittel so viel wie noch im Frühjahr 2014. Die Aktien von Ölkonzernen sind auf Talfahrt, Airlines wie Ryanair freut's.

Eine Entspannung der Lage ist bislang nicht in Sicht. Einer Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge wird die weltweite Rohöl-Förderung 2016 netto um eine Million auf 31,3 Millionen Barrel pro Tag zulegen. Hintergrund ist ein Kampf um Marktanteile, bei dem einige Opec-Staaten Konkurrenten mit höheren Förderkosten aus dem Markt zu drängen versuchen.

Förderländer unter Druck

Zu den Leidtragenden zählen die Förderländer, deren Haupteinnahme-Quelle der Export von Öl ist. Besonders hart trifft es Russland, dessen Wirtschaft zusätzlich unter den westlichen Sanktionen wegen dessen Rolle in der Ukraine-Krise leidet. Der Moskauer Aktienmarkt und der Rubel brachen seit dem Sommer 2014 um etwa die Hälfte ein. Die nigerianische Währung Naira büßte etwa 20 Prozent ein. Beide Länder benötigen Ölpreise deutlich über 100 Dollar, um ihre Haushalte auszugleichen.

Ähnliches gilt für Venezuela, dessen Deviseneinnahmen zu 96 Prozent aus dem Rohstoff-Export stammen. Wegen des Ausverkaufs bei den Staatsanleihen des südamerikanischen Landes liegen die Renditen etwa doppelt so hoch wie Mitte 2014. Gleichzeitig stürzt die venezolanische Währung ab. Auf dem Schwarzmarkt müssen für einen Dollar mehr als 850 Bolivar gezahlt werden, offiziell dagegen nur etwa 6,28 Bolivar. Wegen der Wirtschaftskrise eroberten die Konservativen Anfang Dezember erstmals seit 16 Jahren wieder die Parlamentsmehrheit in Caracas.

Arbeiter fördern Öl in Venezuela. Dem südamerikanischen Land entgehen durch den niedrigen Ölpreis wichtige Exporteinnahmen.

Die Aktienbörsen der Opec-Staaten Saudi-Arabien oder Kuwait notieren derzeit auf Drei- und Elf-Jahres-Tiefs. Diese Staaten machen allerdings dank ihrer niedrigen Förderkosten mit ihren Exporten noch Gewinn. Außerdem könnten die Regierungen in Riad und Kuwait City Einnahme-Ausfälle mit ihren dicken Finanzpolstern abfedern, betonen Experten.

Aktien und Anleihen der Ölkonzerne auf Talfahrt

Auf Unternehmensseite macht der Ölpreis-Verfall Konzernen wie Exxon oder BP zu Schaffen. Der Börsenwert der Branche schrumpfte in den vergangenen eineinhalb Jahren weltweit um insgesamt mehr als eine Billion Dollar. Das entspricht in etwa der aktuellen Marktkapitalisierung der 30 Dax -Werte und übersteigt die jährliche Wirtschaftsleistung der Niederlande.

Auch die Anleihen dieser Unternehmen verlieren rapide an Wert. So hat sich die Rendite der 2017 auslaufenden Schuldverschreibungen des staatlichen venezolanischen Ölförderers PDVSA seit Juli 2014 auf derzeit rund 66 Prozent mehr als verfünffacht.

In den USA rücken diejenigen Firmen ins Rampenlicht, die mit Hilfe des technisch aufwendigen und teuren "Fracking" Erdöl aus Schiefergestein herauslösen und sich nicht gegen einen fallenden Ölpreis abgesichert haben. Continental Resources, Whiting Petroleum und Apache sind binnen 18 Monaten zwischen 63 und 87 Prozent eingebrochen.

Konjunkturprogramm für Energie-Importeure

Profiteure der aktuellen Entwicklung sind diejenigen Staaten, die auf Energie-Importe angewiesen sind. Für sie ist es ein Konjunkturprogramm. Zu dieser Gruppe zählt Japan, dessen Leitindex binnen 18 Monaten um rund ein Viertel zugelegt hat. Der Dax und der US-Standardwerteindex Dow Jones kommen im gleichen Zeitraum gerade mal auf vier und zweieinhalb Prozent.

Für den indischen Staatshaushalt bedeute der Energiepreis-Rückgang eine enorme Entlastung, betont Thomas Gerhardt, Manager eines Schwellenländer-Aktienfonds des Vermögensverwalters Edmond de Rothschild. "30 Prozent der indischen Importe sind Rohöl-Produkte. Dadurch konnte der Staat seine Energie-Subventionen senken oder komplett streichen."

Die irische Billigfluglinie Ryanair profitiert vom billigen Öl.

Verbraucher stecken gespartes Geld in Konsum

Nutznießer sind auch die Fluggesellschaften, für die Treibstoff ein großer Kostenfaktor ist. Die Aktien der British-Airways-Mutter IAG legten seit Sommer 2015 um mehr als die Hälfte zu. Beim Billig-Anbieter Ryanair beläuft sich das Kursplus sogar auf etwa 115 Prozent. Die Titel des Erzrivalen EasyJet kommen auf 23 Prozent.

Aber auch die Konsumwerte sind im Aufwind, weil die Verbraucher immer weniger für Benzin und Heizöl ausgeben müssen. Die Ersparnis allein für die deutschen Verbraucher im laufenden Jahr beziffert Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes, in der "Bild am Sonntag" auf 13,5 Milliarden Euro.

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